Falsche Beratung Deutsche Bank muss Kommunen entschädigen

Niederlage für die Deutsche Bank: Ein Gericht in Stuttgart hat das Institut zur Zahlung einer Entschädigung an vier schwäbische Gemeinden angewiesen. Die Bank habe bei riskanten Zinsgeschäften nicht angemessen beraten.

Bank-Zentrale in Frankfurt am Main: 710.000 Euro an oberschwäbische Kommunen
dpa

Bank-Zentrale in Frankfurt am Main: 710.000 Euro an oberschwäbische Kommunen


Stuttgart - Die Deutsche Bank muss im Streit mit vier oberschwäbischen Kommunen um riskante Finanzgeschäfte Schadensersatz in Höhe von 710.000 Euro zahlen. Dies entschied das Stuttgarter Oberlandesgericht am Mittwoch.

Die Bank habe den Abwasserzweckverband Mariatal fehlerhaft beraten. Er hatte bei Zinsgeschäften über eine halbe Million Euro verloren. Das größte deutsche Geldinstitut kündigte Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe an.

Die Bank habe gewusst, dass der kommunale Verband keine riskanten Geldanlagegeschäfte abschließen dürfe, urteilte das Gericht. Das Institut sei als Expertin für kommunales Finanzmanagement aufgetreten. Der Verband habe ihr daher vertrauen und annehmen dürfen, dass diese Geschäfte zulässig seien. Der Abwasserzweckverband trage kein Mitverschulden für die Verluste.

Die Bank habe verschwiegen, dass die Gewinn- und Verlustchancen von den sogenannten Swap-Verträgen nur auf der Grundlage von anerkannten Bewertungsmodellen beurteilt werden könnten, die auf hoch komplexen Wahrscheinlichkeitsberechnungen beruhten.

Das Oberlandesgericht kassierte mit dem Urteil eine Entscheidung des Landgerichts Ulm. Der Anwalt der Deutschen Bank, Christian Duve, kritisierte die Entscheidung und verwies auf Verfahren vor anderen Oberlandesgerichten, die zugunsten des Instituts ausgegangen waren. "Wir werden daher Revision beim BGH einlegen."

Riskante Wetten mit hohen Verlusten

Am Abwasserzweckverband Mariatal sind neben Ravensburg auch die Stadt Weingarten und die Gemeinden Baienfurt und Berg beteiligt. Der Erste Bürgermeister von Ravensburg, Hans Georg Kraus, begrüßte das Stuttgarter Urteil. Mehrere Oberlandesgerichte hatten in vergleichbaren Fällen für den Finanzriesen entschieden.

Bei den Geschäften hatten viele Städte und ihre Tochtergesellschaften auf Zinsgewinne gewettet. Bürgermeister Kraus sagte, der Abwasserzweckverband sei immer vergleichsbereit gewesen. Mit der Deutschen Bank sei jedoch bis zuletzt keine Einigung möglich gewesen.

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insgesamt 3 Beiträge
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blitzgewitter 27.10.2010
1. das wird noch nicht alles sein
hoffe ich! die Ackermannbank war auch in ganz großem Stil in den Verkauf von Schrottpapaieren engagiert und steht deswegen in den USA bei der SEC auf´m Kiecker. Das könnte rund 20 Mrd. € kosten, dann wäre der Laden endlich reif, ihn zu zerschlagen, so daß er niemals mehr systemrelevant wird.
kuriosos 28.10.2010
2. gaähn
unglaublich das es im 2000 jahrtausend christlicher zeitrechnung immer noch die möglichkeit gibt seine eigene inkompetenz auf andere abzuwälzen. ein kämmerer der nicht weis was er tut hat auf seinem posten nix verloren. wenn dann die bank schuld ist weil der seinen job nicht beherrscht ist hahnebüchen und führt zu hass und neidgetriebenen meinungen wie im ersten post. nicht das die nicht berechtigt wäre, aber wer derartiges für recht hält muss sich nicht wundern. ausser vielleicht darüber warum der deutsche im allgemeinen lieber über "bankster" herzieht als über die das gesammelte kasperle theater bundesdeutscher politik. welche dafür sorgt das inkompetenz, dummheit, eigennutz, dreistigkeit und unehrlichkeit auch noch belohnt wird. und genau dafür ist das hier auch wieder ein beleg. "...die bank habe gewusst das ... keine riskanten geldanlagegeschäfte tätigen durften." jeder azubi weiss was ein swap ist und das der riskant ist. der kämmerer nicht? dann würde ich eher den haftbar machen wegen sorgfaltspflichtverletzung. wie kann man als profi bitteschön geschäfte unterschreiben die man nicht versteht?
lauterbachheiner 28.10.2010
3. Beitrag gelesen und verstanden?
Zitat von kuriososunglaublich das es im 2000 jahrtausend christlicher zeitrechnung immer noch die möglichkeit gibt seine eigene inkompetenz auf andere abzuwälzen. ein kämmerer der nicht weis was er tut hat auf seinem posten nix verloren. wenn dann die bank schuld ist weil der seinen job nicht beherrscht ist hahnebüchen und führt zu hass und neidgetriebenen meinungen wie im ersten post. nicht das die nicht berechtigt wäre, aber wer derartiges für recht hält muss sich nicht wundern. ausser vielleicht darüber warum der deutsche im allgemeinen lieber über "bankster" herzieht als über die das gesammelte kasperle theater bundesdeutscher politik. welche dafür sorgt das inkompetenz, dummheit, eigennutz, dreistigkeit und unehrlichkeit auch noch belohnt wird. und genau dafür ist das hier auch wieder ein beleg. "...die bank habe gewusst das ... keine riskanten geldanlagegeschäfte tätigen durften." jeder azubi weiss was ein swap ist und das der riskant ist. der kämmerer nicht? dann würde ich eher den haftbar machen wegen sorgfaltspflichtverletzung. wie kann man als profi bitteschön geschäfte unterschreiben die man nicht versteht?
Beitrag gelesen und verstanden? Wirklich? Es geht hier nicht um große Städte die entsprechend anwaltlich und finanzpolitisch vertreten sind. Der Abwasserzweckverband Mariatal... Man mag den Gemeinden hier Blauäugigkeit unterstellen und evtl. auch Gier um aus den Rücklagen mehr zu machen, aber ob die Geschäfte auch im vollen Umfang korrekt beraten wurden und auch verstanden wurden wage ich zu bezweifeln. Im Prospekt und in der Beratung werden nicht nur gegenüber Privatkunden die Risiken heruntergespielt und erst im Kleingedruckten wird der mögliche Komplettverlust eingeräumt, man beruft sich bei den Banken auch zu gern darauf das man für nichts verantwortlich ist. Was für herrliche Position. Man verdient sein Geld sowieso und das Risiko trägt in jedem Fall der Kunde. Beratung? Klar doch, wenn man darunter Schönreden versteht. Die Bank muss ebenso wie der Kunde wissen was sie vertreibt und wem sie es vertreibt. Da sind Banken nicht die einizgen Geschäftsfelder in denen das so ist. Sehr witzig ist auch das man als Privatkunde bei Versicherungen wie bei Bankgeschäften eine ordnungsgemäße Beratung abzeichnen muss... nur wie soll man das beurteilen? Ähnlich dürfte es bei den kleineren Gemeinden aussehen.
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