Fast-Food-Kette "McDonald's ist nicht grün!"

McDonald's verkauft Fleisch. Als Cheeseburger, BigMac oder Big Tasty Bacon - 41.000 Tonnen Rind waren es vergangenes Jahr allein in Deutschland. enorm-Autorin Kathrin Hartmann sprach mit dem Deutschland-Chef der Burger-Kette , Bane Knezevic, über die Folgen für die Umwelt.

Deutschland-Chef Bane Knezevic: "Ideen haben wir"
DPA

Deutschland-Chef Bane Knezevic: "Ideen haben wir"


Frage: Herr Knezevic, als McDonald's 2009 die Hintergrundfarbe des Logos von rot nach grün änderte, nannte Ihr Stellvertreter Holger Beeck das ein "Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt". Ein paar Wochen später nahmen Sie diese Aussage zurück und sagten der Süddeutschen Zeitung: "Wir sind kein grünes Unternehmen." Wie haben Sie das gemeint?

Knezevic: Die Farbe zu ändern bedeutet nicht, dass wir ein grünes Unternehmen werden. Es bedeutet für uns nur, dass wir mehr natürliche Farben und Materialien in unseren Filialen verwenden, viel Holz, viel Stein. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich das gesamte Unternehmen ändert, nur weil man eine andere Hintergrundfarbe gewählt hat.

Frage: McDonald's hat in diesem Jahr erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Haben Sie Ihre Meinung also doch geändert?

Knezevic: Auch ein Nachhaltigkeitsbericht macht einen noch nicht zu einem grünen Unternehmen. Für McDonald's steht das konkrete Handeln an erster Stelle. Wir haben innerhalb unseres eigenen Systems ein Nachhaltigkeitsprogramm aufgestellt und werden kontinuierlich darüber berichten. Wir können vieles nachhaltiger gestalten, und das haben wir bereits in der Vergangenheit getan. Mit der Publizierung unserer Bemühungen bekommen wir mehr Öffentlichkeit - man kann jedes Jahr lesen, wie weit wir fortgeschritten sind, und in Zukunft kann man uns anhand dieser Berichte bewerten.

Frage: Seit Kurzem ist der ehemalige Greenpeace-Chef Gerd Leipold Berater von McDonald's. Wieso haben Sie sich ausgerechnet einen Ihrer schärfsten Kritiker ausgesucht? Man könnte auf die Idee kommen, McDonald's hätte Greenpeace gekauft...

Knezevic: Greenpeace ist eine Marke, eine große Organisation, die für viele nachhaltige Veränderungen in der Welt steht. Wenn ein ehemaliger Greenpeace-Aktivist uns nun berät, können wir das viel ernster nehmen und besser zuhören. Wenn man sich wirklich verändern will, dann muss man die Hauptkritiker überzeugen. Gerd Leipold hat eine ganz klare Haltung. Deswegen haben wir ihn ausgesucht. Und natürlich sind wir nicht immer einer Meinung.

Frage: Gibt es denn Streitpunkte, bei denen Sie auf keinen gemeinsamen Nenner kommen?

Knezevic: Ja, sicher. Er ist sehr hartnäckig und will immer mehr. Aber das ist gut so, denn damit bringt er uns auch zum Nachdenken.

Frage: Welches sind die wesentlichen Änderungen, die Leipold angestoßen hat?

Knezevic: Einer der wichtigsten Punkte ist, einen Zeitplan für die Umstellung auf grüne Energie zu entwickeln und damit weniger CO2 auszustoßen. Bis 2014 wollen wir Energie aus 100 Prozent Ökostrom nutzen, außerdem wollen wir einen nachhaltigen Gebäudestandard etablieren. Ein anderes diskutiertes Thema war, wie wir Nachhaltigkeit ins Management bringen. Ich fand seinen Vorschlag sehr interessant, finanzielle Anreize für gesellschaftliche und ökologische Leistungen zu setzen. Das ist unser Ziel für 2013. Leipold ist ein sehr praktischer Mensch, er versteht beide Seiten: die der Unternehmen und die der Umweltschützer.

Frage: Allein in Deutschland kaufte McDonald's im vergangenen Jahr 41.000 Tonnen Rind, 3300 Tonnen Geflügel und 3500 Tonnen Schwein. Der weltweit wachsende Fleischkonsum hat aber verheerende Folgen: Laut World Watch Institute ist die Produktion von Fleisch für die Hälfte der klimaschädlichen Gase verantwortlich. 30 Prozent der eisfreien Flächen werden direkt oder indirekt für die Tierzucht genutzt. Wie kann das jemals nachhaltig sein?

Knezevic: Als ich in der Schule war, habe ich gelernt, dass die Weltbevölkerung 3,5 Milliarden Menschen zählt. Heute sind es sieben Milliarden, also doppelt so viele. Das Wachstum der Fleischindustrie, des Landwirtschaftssektors und der Wasserindustrie geht Hand in Hand mit dem Wachstum der Bevölkerung. Was machen wir, wenn wir zehn Milliarden Menschen haben? Wir müssen die Leute ernähren.

Frage: Der weltweite Fleischkonsum hat sich in den vergangenen 50 Jahren verfünffacht, bis 2050 soll er sich noch mal verdoppeln. Und das vor allem in den reichen Ländern, wo Fleisch nicht lebensnotwendig ist.

Knezevic: Fleisch ist eine Quelle von Eisen und Eiweiß und einer Menge anderer Stoffe, die der Mensch zum Leben braucht. Wenn ich kein Fleisch esse, dann brauche ich eine andere Quelle für Proteine. Die nächste Quelle ist Soja. Wenn jetzt alle Soja essen, dann wird dafür der Regenwald gerodet.

Frage: Mehr als ein Drittel des weltweit angebauten Getreides landet nicht auf Tellern, sondern in Futtertrögen. 80 Prozent des weltweit angebauten Sojas wird an Tiere verfüttert.

Knezevic: Die Produktion der Landwirtschaft wird wachsen. Wir können nicht das Bevölkerungswachstum stoppen, aber wir können darüber nachdenken, wie wir dieses Wachstum nachhaltig gestalten. Außerdem: Die technische Entwicklung schreitet voran - Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft werden sich ändern. Unser Rindfleisch stammt übrigens von Milchkühen, die nur zu einem geringen Anteil mit Soja gefüttert werden.

Frage: Im Weltagrarbericht, einer von Uno und Weltbank veröffentlichten Studie, belegen 400 Wissenschaftler und 30 Regierungen, dass nur ökologischer Landbau die Welt nachhaltig ernähren kann. Dazu müsste der Fleischkonsum dramatisch zurückgehen, um Anbau- und Weidefläche zu gewinnen. Das wäre das Ende von McDonald's, oder?

Knezevic: Nein, sicher nicht. Wissen Sie, was eine der häufigsten Kundenbeschwerden der letzten Jahre war? Dass es keinen vegetarischen Burger gibt. Also haben wir ihn nach zehn Jahren wieder eingeführt. Und er verkauft sich gut. Fleisch macht in Deutschland etwa die Hälfte unseres Geschäfts aus. Wir haben auch Salat, Eis und Pommes.

Frage: Aber die meistverkauften Produkte in Deutschland sind Cheeseburger und BigMac. McDonald's will wachsen - allein 2010 haben Sie 25 neue Filialen eröffnet, jede bedeutet: mehr Fleisch. Gibt es den Plan, das Fleischangebot zu reduzieren?

Knezevic: Wir verkaufen unseren Gästen, was sie haben möchten, natürlich. Aber wir sind nicht der einzige Abnehmer und Anbieter von Fleisch - davor kommen die Einzelhandelsketten. Es kommt darauf an, die Lieferkette nachhaltig zu gestalten. Daran arbeiten wir europaweit unter anderem mit dem McDonald's Agricultural Assurance Programm (MAAP).

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
janne2109 31.12.2011
1. .........
Zitat von sysopMcDonald's verkauft Fleisch. Als Cheeseburger, BigMac oder Big Tasty Bacon - 41.000 Tonnen Rind waren es vergangenes Jahr allein in Deutschland. enorm-Autorin Kathrin Hartmann sprach mit dem Deutschland-Chef der Burger-Kette , Bane Knezevic, über die Folgen für die Umwelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804272,00.html
hat es denn auch jemand geglaubt???
mm2112 31.12.2011
2. Natürlich nicht grün....
McD ist als Konzern an Gewinnen interessiert, und nicht an Weltverbesserung. Sie leiden - wie alle grossen Konzerne die richtig gut Geld verdienen - an ineffizienten Managementstrukturen, die sich mehr mit der eigenen Karriere als mit den drängenden Fragen des Unternehmens beschäftigen. Ein klasse Film, der die Folgen des Fast-Food Konsums beleuchtet: Fastfood Nation Fast Food Nation (2006) (http://www.imdb.de/title/tt0460792/)
taxidriver 31.12.2011
3. McDonalds-Mensch veteidigt durch Irreführung das größte Verbrechen
Zitat von sysopMcDonald's verkauft Fleisch. Als Cheeseburger, BigMac oder Big Tasty Bacon - 41.000 Tonnen Rind waren es vergangenes Jahr allein in Deutschland. enorm-Autorin Kathrin Hartmann sprach mit dem Deutschland-Chef der Burger-Kette , Bane Knezevic, über die Folgen für die Umwelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804272,00.html
Diese Antworten sind eine Irreführung, ich selbst ernähre mich über weite Teile des Jahres vegan, bin gesund und weiß durch die Beschäftigung mit dem Thema dass die ausreichende Proteinversorgung eines Erwachsenen schon durch weit geringere Mengen an z.B. Soja abgesichert ist, als sie bei durchschnittlichem Fleischkonsum an Tierfutter verbraucht würden. Durch seine Verdrehungen und Verfälschungen verteidigt der Manager aktiv das größte Verbrechen in der Geschichte des irdischen Lebens - und das ist die lebenslange Einkerkerung von mittlerweile mehreren Milliarden hochempfindsamen Lebewesen in der Massentierhaltung. Diese Tiere sehen niemals den Himmel oder eine Pflanze, sie leben die ganze Zeit zusammen- oder eingepfercht in irgendwelchen Hallen, Verschlägen oder Käfigen. So eine extreme Grausamkeit hat es in der freien Natur niemals auch nur ansatzweise gegeben.
mitbestimmender wähler 31.12.2011
4. Wow 2,6% mehr seit 40Jahren.
Nun seit 40Jahren braucht der Mensch 2,6% mehr Rindfleisch pro Kopf/Jahr. Wow ein Steak (250g) mehr pro Jahr und Kopf! Oder anders gesagt der Deutsche (mit 12kg/Jahr) darf ruhig das 2,3fache mehr davon essen um an die 40Jahre alten Werte eines Argentiniers (56kg/Jahr) zu gelangen. Ja da kann ich getrost aufrüsten und jede Woche 4 anstatt nur 1 Steak auf den Grill werfen ohne schlechtes Gewissen. Mensch! Das mehr an Menschen in diesen 40Jahren macht bestimmt in anderen Tagesverrichtungen mehr Umweltschaden als mit dem Rindfleischkonsum....... essen und sch... müssen die ja und mehr Kartoffeln, Getreide, Zucker, Kaffee und Gemüse braucht auch mehr Erdplatz.
dani216 31.12.2011
5. Die kritischen Fragen
Zitat von sysopMcDonald's verkauft Fleisch. Als Cheeseburger, BigMac oder Big Tasty Bacon - 41.000 Tonnen Rind waren es vergangenes Jahr allein in Deutschland. enorm-Autorin Kathrin Hartmann sprach mit dem Deutschland-Chef der Burger-Kette , Bane Knezevic, über die Folgen für die Umwelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804272,00.html
nach dem Fleischkonsum und den genannten Mengen sind ein völliger Schmarren. Der Autor würde sicher nicht hergehen und tausende von eigenständigen Restaurants/Gaststätten nach dem Fleischkonsum befragen, die Verbräuche hochrechnen und danach die Essgewohnheiten seiner Gäste kritisieren. Was an McD m.E. zu kritisieren ist, sind die enormen Mengen an Abfall die produziert werden. Wenn man bedenkt, dass man für die enormen Preise, die verlangt werden, nicht mal bedient wird, den Tisch selbst abräumen (einfach mal stehen lassen. Das ist nicht unhöflich, sondern bildet Arbeitsplätze, schmälert aber der Profit von McD) und die Cola auch noch selbst zapfen muß. Ich warte noch auf den Tag, an dem man einen Einweglappen in die Hand gedrückt bekommt, mit dem man den Tisch abwischen soll.
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