US-Notenbank: Wie das Weiße Haus den Bernanke-Nachfolger sucht

Von Peter Nicholas und Jon Hilsenrath, Wall Street Journal Deutschland

Federal-Reserve-Chef Bernanke: Sieben Kandidaten für den Chefsessel Zur Großansicht
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Federal-Reserve-Chef Bernanke: Sieben Kandidaten für den Chefsessel

Der mächtigste Währungsmanager der Welt gilt als amtsmüde. Bereits Anfang 2014 könnte Ben Bernanke den Chefposten der US-Notenbank Fed abgeben. Im Weißen Haus hat die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Zu den Kandidaten zählen einige alte Bekannte.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die US-Regierung damit begonnen, eine Kandidatenliste für die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze der Notenbank Federal Reserve zusammenzustellen. Dahinter stehe die Erwartung, dass Bernanke zurücktritt, sobald seine zweite Amtszeit im Januar endet, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Fäden dafür laufen bei Finanzminister Jacob Lew zusammen, er arbeite mit einem kleinen Stab hochrangiger Vertreter aus dem Weißen Haus zusammen, heißt es. US-Präsident Barack Obama könnte allerdings auch versuchen, Bernanke davon zu überzeugen, noch eine dritte Amtszeit an der Spitze der wichtigsten Notenbank der Welt zu bleiben.

Viele Freunde und Vertraute Bernankes allerdings glauben, dass der oberste Zentralbanker Amerikas nach acht Jahren im Amt gerne aufhören würde - zumal seine Amtszeit angesichts der größten wirtschaftlichen Krise seit der Großen Depression der 1930er Jahre sehr anspruchsvoll war. Bernanke hat sich als Krisenmanager einen Namen gemacht, indem er nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 eine extrem lockere Geldpolitik begann um gegen die Rezession anzukommen.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.

Sein Nachfolger an der Spitze der Fed wird sich nun mit der Frage herumschlagen müssen, wie er diese Lockerungspolitik wieder zurückfahren kann. Das Dilemma: Wenn die Fed ihre freigiebige Geldpolitik zu schnell ändert, könnte sie den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden. Wenn sie zu lange mit einem Kurswechsel wartet, könnte sie die Inflation anheizen oder es könnten neue Spekulationsblasen entstehen.

Der neue amerikanische Zentralbank-Chef wird Änderungen in der Geldpolitik der USA den Anlegern auch sehr deutlich kommunizieren müssen. Bernanke selbst hatte in der vergangenen Woche einen neuen Zeitplan vorgestellt, nach dem die Fed ihre Anleihekäufe von monatlich 85 Milliarden US-Dollar irgendwann zwischen Ende dieses Jahres und Mitte 2014 langsam einstellen wird. In Reaktion auf diese Ankündigung stürzten die Kurse an den Aktienmärkten, was zeigt, vor welch heikler Aufgabe die Fed jetzt steht.

Regierungsvertreter haben bereits den Senat auf die Kandidatenfindung angesprochen, damit dieser sich vorbereiten kann. "Sie haben angedeutet, dass sie daran arbeiten, uns rechtzeitig einen Kandidaten zu präsentieren, damit wir unsere Befragung und Überprüfung machen können", sagte ein Mitarbeiter aus dem Oberhaus des US-Kongresses.

Die mit der Findungsprozess vertrauten Personen wollten zwar keine Namen möglicher Kandidaten enthüllen, sagten jedoch, es gebe noch keinen Favoriten. Die Suche werde mit offenem Ende geführt. Gegenwärtig stehe das Weiße Haus erst am Anfang. Ein Kandidat werde möglicherweise erst im Frühherbst bekannt gegeben, sagten die Informanten.

Janet Yellen gilt an den Finanzmärkten als Favoritin

Bernankes Vize, Janet Yellen, wird an den Finanzmärkten als aussichtsreichste Kandidatin gesehen. Yellen ist Demokratin und war unter Bill Clinton Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater. Anschließend hatte sie verschiedene Funktionen innerhalb der Notenbank inne und war Präsidentin der Fed von San Francisco. Seit Oktober 2010 ist sie die Nummer zwei hinter Bernanke.

Janet Yellen gilt als ausgesprochene Vertreterin einer lockeren Geldpolitik, wie sie die Notenbank derzeit betreibt. Dass sie an der Entwicklung der aktuellen Politik beteiligt ist, könnte sie aus Sicht des Weißen Hauses besonders für den Chefposten qualifizieren. Aber es gibt auch Dinge, die gegen sie sprechen - etwa fehlende Erfahrung mit Finanzmärkten auf der Kippe und wenig Beziehungen zu Top-Beratern aus dem Weißen Haus.

Als weiterer Kandidat wird Lawrence Summers gehandelt, der vormalige Chef des Nationalen Wirtschaftsrates beim US-Präsidenten. Summers war Finanzminister unter Präsident Clinton und hat enge Beziehungen zu vielen der wichtigsten ökonomischen Berater von Obama. In der Regierung gilt er als Top-Ökonom. Doch auch er müsste Fragen beantworten: Etwa die, wie gut er in die kollegiale und konsensgeprägte Führungskultur der Notenbank passt. Summers hat den Ruf, als Chef bisweilen rüde im Ton und aufbrausend zu sein.

Obama kann aus einer ganzen Reihe Ökonomen mit demokratischer Ausrichtung wählen, die allesamt einen guten Ruf haben, darunter zwei frühere Fed-Vizechefs - Professor Alan Binder von der Universität Princeton und Roger Ferguson, der Obama bei seiner ersten Wahlkampagne 2008 beraten hat. Ferner Christina Romer, die vormalige Chefin in Obamas Rat der Wirtschaftsberater. Auch der Name von Obamas Ex-Finanzminister Timothy Geithner wird genannt, wenn es um die Bernanke-Nachfolge geht. Allerdings hat der bereits erklärt, er wolle den Posten nicht.

Von Außenstehenden werden bisweilen auch Donald Kohn und Stanley Fischer, beides ehemalige Zentralbanker ins Spiel gebracht. Und es ist durchaus möglich, dass ein Außenseiter zum Kandidaten wird.

Das Weiße Haus hält sich bedeckt

Amy Brundage, die Sprecherin des Weißen Hauses erklärte am Donnerstag: "Wir werden uns nicht zu irgendwelchen personellen Fragen äußern, bis der Präsident seine Entscheidung getroffen hat und bereit ist, sie zu verkünden." Obama halte im übrigen Fed-Chairman Bernanke für ausreichend vital und einen exzellenten Amtsinhaber, der in der Lage sei, alles erforderliche für den wirtschaftlichen Aufschwung Amerikas zu tun.

Auch der Präsident selbst sprach Bernanke kürzlich in einem Fernsehinterview sein Lob aus, sagte jedoch auch, der Fed-Chef sei "bereits eine ganze Weile länger im Amt als er wollte und als eigentlich vorgesehen". Beide hatten sich im Februar im Weißen Haus getroffen; im März sagte der Fed-Chef, er habe mit dem Präsidenten "ein wenig" über seine persönliche Zukunft gesprochen. Auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche lehnte es Bernanke allerdings ab, sich dazu näher zu äußern.

Der republikanische Senator Bob Corker aus Tennessee, Mitglied im Bankausschuss des Senats und damit auch für das Anhörungsverfahren eines Nachfolgers für Bernanke zuständig, sagte in einem Interview: "Ich wäre sehr überrascht, wenn er bliebe, und ich glaube nicht, dass er das tun wird."

Bernankes Amtszeit endet am 31. Januar 2014.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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1. Das wird schwer????
speedy 29.06.2013
Der Präses sollte versuchen jemanden zu finden der nicht bei Goldman Sachs war und von ihrer Firmenideologie verseucht ist.Vorrausgesetz er möchte dies überhaupt und die Bilderberger lassen ihn das auch entscheiden.Die FED ist eine Private Notenbank die nicht dem Amerikanischen Staat untersteht sondern den Privaten Banken.Das ist seit dem 23.12.1913 so.Dieser Umstand ist es zu verdanken das für Banken über Nacht 700 Mrd. Dollar bereit standen.Für 8 Mio. US Amerikaner die Obdachlos wurden dagegen kein einziger Cent.Wer hat die Macht? und wann zum Teufel legt man diesen Verbrechern endlich das Handwerk?????
2. jaja
rabenkrähe 29.06.2013
Zitat von sysopAFPDer mächtigste Währungsmanager der Welt gilt als amtsmüde. Bereits Anfang 2014 könnte Ben Bernanke den Chefposten der US-Notenbank Fed abgeben. Im Weißen Haus hat die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Zu den Kandidaten zählen einige alte Bekannte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/federal-reserve-kandidaten-fuer-die-nachfolge-von-bernanke-a-908366.html
......... Es war doch schon peinlich, als Obama in Berlin kündete, daß Bernankes Zeit abliefe. Die Mitteilung hätte er dem schon selber überlassen können.... Aber Bernake möchte wohl nicht als größer Wirtschaftsverbrecher aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen, so daß er tatsächlich anfangen wollte, die unverantwortlichen Geldschwemmungen auf der Basis ständige steigender, irrwitziger Verschuldung, ein wenig einzudämmen. Doch Obama & Co ist mehr am schönen Schein, als an solider Haushaltspolitik gelegen und so suchen sie Verantwortungslose, die bereit sind, weiter zu schwemmen und zu verteilen, auf Teufel komm raus. Deswegen wird ja auch kein Fed-Chef, sondern ein halbgarer Gelddrucker gesucht, der dafür sorgt, daß die Optik geschönt wird, bis der ganze Laden in die Luft geht... rabenkrähe
3. Klar...
donald17 29.06.2013
Zitat von speedyDer Präses sollte versuchen jemanden zu finden der nicht bei Goldman Sachs war und von ihrer Firmenideologie verseucht ist.Vorrausgesetz er möchte dies überhaupt und die Bilderberger lassen ihn das auch entscheiden.Die FED ist eine Private Notenbank die nicht dem Amerikanischen Staat untersteht sondern den Privaten Banken.Das ist seit dem 23.12.1913 so.Dieser Umstand ist es zu verdanken das für Banken über Nacht 700 Mrd. Dollar bereit standen.Für 8 Mio. US Amerikaner die Obdachlos wurden dagegen kein einziger Cent.Wer hat die Macht? und wann zum Teufel legt man diesen Verbrechern endlich das Handwerk?????
Klar, weil es eine private Bank ist, wird auch der Chef der Zentralbank politisch bestimmt. Hier erfahren Sie, wieso die Fed keine private Bank ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System#Staatlich_oder_privat.3F
4. An Donald17
nano-thermit 29.06.2013
The Government Accounting Office does not have complete access to all aspects of the Federal Reserve System. The Federal Banking Agency Audit Act stipulates the following areas are to be excluded from GAO inspections: (1) transactions for or with a foreign central bank, government of a foreign country, or nonprivate international financing organization; (2) deliberations, decisions, or actions on monetary policy matters, including discount window operations, reserves of member banks, securities credit, interest on deposits, open market operations; (3) transactions made under the direction of the Federal Open Market Committee; or (4) a part of a discussion or communication among or between members of the Board of Governors and officers and employees of the Federal Reserve System related to items.
5. Und...
donald17 29.06.2013
Zitat von nano-thermitThe Government Accounting Office does not have complete access to all aspects of the Federal Reserve System. The Federal Banking Agency Audit Act stipulates the following areas are to be excluded from GAO inspections: (1) transactions for or with a foreign central bank, government of a foreign country, or nonprivate international financing organization; (2) deliberations, decisions, or actions on monetary policy matters, including discount window operations, reserves of member banks, securities credit, interest on deposits, open market operations; (3) transactions made under the direction of the Federal Open Market Committee; or (4) a part of a discussion or communication among or between members of the Board of Governors and officers and employees of the Federal Reserve System related to items.
Und was hat dies mit der Frage privat oder staatlich zu tun? Diese Punkte sollen die Unabhängigkeit der Fed sichern. Außerdem: Wer kann diese Vorgaben jederzeit ändern? Die Aktionäre oder die Politik?
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