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Irritierende US-Geldpolitik: Fehlbare Fed

Von , New York

Janet Yellen: Zweite Pressekonferenz als Fed-Chefin Zur Großansicht
REUTERS

Janet Yellen: Zweite Pressekonferenz als Fed-Chefin

Die US-Notenbank senkt ihre Wachstumsprognose - drosselt aber gleichzeitig die Konjunkturhilfen. Wo ist da die Logik?

New York - Janet Yellens Auftritte sind von Amts wegen strikte Rituale. Jedes Wort, das die Vorsitzende der US-Notenbank äußert, kann die Wall Street verschrecken - aber auch jedes Wort, das sie nicht äußert. Selbst die winzigsten Veränderungen gegenüber früheren Aussagen werden registriert und bewegen die Märkte.

So auch am Mittwoch. Da tritt Yellen zu ihrer erst zweiten Pressekonferenz im Amt an, in einem abgedunkelten Saal, in dem nichts ablenken soll von, nun ja, ihren Worten. Vorsichtig verliest sie ein - 30 Minuten zuvor veröffentlichtes - Statement nach der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC), des Fed-Entscheidungsgremiums. Ebenso vorsichtig beantwortet sie dann die Fragen der Reporter.

All das vollzieht sich ohne Betonung, ohne verbale Präferenzen, ohne Gefühlsäußerung. Yellen lupft nicht mal eine Augenbraue. Bloß keine Wellen schlagen. Und doch: Der Dow-Jones-Index vollführt nervöse Bocksprünge - von der Bekanntgabe des Fed-Statements (14.00 Uhr Ortszeit) bis über Yellens Pressekonferenz hinaus (14.30 bis 15.25 Uhr).

13.59 Uhr: 16.782,53 (runter)

14.03 Uhr: 16.817,74 (rauf)

14.05 Uhr: 16.778,34 (runter)

14.30 Uhr: 16.836,33 (rauf)

14.35 Uhr: 16.844,10 (runter)

15.08 Uhr: 16.881,63 (rauf)

15.15 Uhr: 16.868,09 (runter)

15.26 Uhr: 18.871,01 (rauf)

Dabei scheint alles Routine. Wie von den Kaffeesatzlesern erwartet, fährt die Fed - anders als die Europäische Zentralbank (EZB) - die Konjunkturhilfen weiter zurück, indem sie ihre Anleihekäufe erneut um zehn auf nunmehr 45 Milliarden Dollar im Monat drosselt. Die Nullzinsen dagegen lässt sie unangetastet - zumindest, so deutet sie an, bis nächstes Jahr.

Gleich siebenmal hat die Fed das Wachstum überschätzt

Aber auch diesmal findet sich das Spannendste im Kleingedruckten und zwischen den sorgsam gedrechselten Zeilen. Denn da muss die Fed ihre hochfliegenden Erwartungen ans US-Wachstum und die Gesundung der Konjunktur erneut drosseln. Im März, bei ihrer ersten Pressekonferenz als Fed-Chefin, hatte Yellen von 2,8 bis 3 Prozent gesprochen - jetzt sind's auf einmal nur noch 2,1 bis 2,3 Prozent.

"Es kann eben Überraschungen geben", sagt Yellen lapidar und begründet die Revision unter anderem mit dem ungewöhnlich harschen Winter 2013/14 sowie zwei neuen Fed-Mitgliedern. "Vorhersagen, die wir gemacht haben, können nicht länger angemessen sein."

Sicher - doch sieben Jahre hintereinander?

Denn seit 2008 überschätzt die Fed Jahr für Jahr das US-Wirtschaftswachstum zunächst, nur um sich dann nachträglich nach unten zu korrigieren. Schon fürchten Beobachter, dass die Zentralbanker aufgrund ihres regelmäßig verfehlten Optimismus die Konjunkturhilfen nun viel zu früh sausen lassen - und damit wiederum die eigenen Prognosen sabotieren.

"Die zerbrochene Kristallkugel"

"Hinkt die Fed hinterher?", wundert sich CNBC-Korrespondent Steve Liesman am Mittwoch in der ersten Frage an Yellen. Die Antwort scheint klar. "Die zerbrochene Kristallkugel", betitelte die "New York Times" eine Grafik, die zeigte, wie systematisch die Notenbank danebenliegt.

Nicht zuletzt auch in diesem Jahr. In ihrer ersten Prognose (Januar 2012) bezifferte die Fed das US-Wachstum für 2014 auf bis zu vier Prozent. Anfang 2014 waren es nur noch drei Prozent. Jetzt sind es höchstens 2,3 Prozent.

Woran liegt das? Die Fed-Experten schmücken sich gern mit mega-präzisen Formulierungen, überwältigen den Laien mit Grafiken, Zahlen, Daten und Statistiken, die andere wiederum bis ins kleinste Detail analysieren. In Wahrheit aber ist das, was sie betreiben, eine zutiefst ungewisse Wissenschaft - fundiert auf dem täglichen Treibsand der unberechenbaren Welt.

"Stuff happens", mokierte sich der damalige US-Verteidigungminister Donald Rumsfeld 2003 über die - nicht einkalkulierten - Unruhen nach der Irak-Invasion. Das Gleiche gilt auch jetzt, für Yellen und die wackelige US-Konjunktur.

Zugegeben: Die ökonomischen Bedingungen sind so launisch wie seit Generationen nicht. Alte Messlatten entpuppen sich als zu kurz. Hinzu kam eben auch der Winter, mit dem nicht mal die Meteorologen gerechnet hatten. Die Fed, spotten manche, irre durch "Neuland".

Fehlbare Fed: Das dämmert den Geldbossen selbst inzwischen. William Dudley, Präsident der New Yorker Fed-Dependance und Vizechef des Offenmarktausschusses, räumte neulich "Über-Optimismus bei Vertretern der Federal Reserve" ein und warnte vor allzu großer Hoffnung auf einen flotten Aufschwung: "Wir sollten den Tag nicht vor dem Abend loben."

Auch Yellen gab schon im März zu: "Wir haben unseren Optimismus wahrscheinlich übertrieben." Vielleicht, fügte sie jetzt hinzu, könnte es dem Verständnis helfen, wenn sie "zusätzliche Treffen mit der Presse" abhalte.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Optimismus ...
Spiegelleserin57 19.06.2014
kennt auch hier keine Grenzen. Wir sind toll und die Arbeitslosenzahlen sinken doch ständig...bewiesen von groß aufgemachten Graphiken und Statistiken , nur erstaunlicherweise hört man von Massenentlassungen. Wir werden angefeuert dass alles nur besser werden muss und noch mehr Leistung erbracht werden muss. Alles toll!!! Frau Yellen ist erst kurz im Amt und sie hat die Chance Vieles zu ändern, diese sollte man ihr lassen. Dass sie sich leise äußert ist sehr weise anstatt laut zu trompeten. Diese Vorgehensweise ist diplomatisch wenn die Börse nicht verschreckt werden soll. Leider vermisst man das bei anderen Menschen häufig. Mann kann abwarten wie sie ihren Job macht.
2. Trost
notbehelf 19.06.2014
"In Wahrheit aber ist das, was sie betreiben, eine zutiefst ungewisse Wissenschaft - fundiert auf dem täglichen Treibsand der unberechenbaren Welt." Immerhin ist sie da in guter Gesellschaft.
3. Welch Wunder
BettyB. 19.06.2014
Ökonomische Vorhersagen waren schon immer unsicherer als Wetterberichte, daran ändert auch überzeugendes Auftreten und detailliertes Argumentieren nichts. Rettung Ist nur die geringe Schwankungsbreite in Prozentpunkten, prozentual Ist das alles aber wahrlich blamabel...
4. gewaltiger Satz...!!
jobaluk 19.06.2014
bei dem Sprung von über 2000 Punkten zwischen 15:15 und 15:26 hätte ich doch zu gerne eine kleine Longposition gehalten! :)
5. Puppetshow
ihawk 19.06.2014
Diese Puppetshow von Frau Janet Yellens hat etwas rasend komisches an sich. Jeder weiß es und trotzdem wird so getan als wäre es nicht wahr - streng nach dem Motto: The show must go on. Die US FED ist eine Privatbank, deren Eigentümer niemals an die Öffentlichkeit treten. Es wird so getan, als ob Janet Yellens die US FED lenkt - in Wirklichkeit ist sie "nur" der Pressesprecher. Die Wall Street "reagiert" auf etwas, was bereits bekannt ist - welch eine lächerliche Show der Finanzmafia !
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Die Aufgaben der Fed und der EZB
EZB
Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im EU-Vertrag festgelegt. Dort heißt es: "Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Zugleich soll die Notenbank die allgemeine Wirtschaftspolitik des Währungsraums unterstützen - allerdings nur soweit, falls hierdurch nicht das Ziel stabiler Preise beeinträchtigt wird. Durch diese Formulierung wird dem Ziel stabiler Preise Vorrang gegenüber weiteren Zielen eingeräumt.
Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die gerade in Zeiten starker Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders wichtig ist.
Fed
Die US-Notenbank Federal Reserve Banks ("Fed") sieht sich im Gegensatz zur EZB mehreren Aufgaben gegenübergestellt. Der "Federal Reserve Act" schreibt drei allgemeine Ziele vor: Demnach soll die Fed mit ihrer Geldpolitik sowohl eine "maximale Beschäftigung" als auch stabile Preise und langfristig moderate Zinsen gewährleisten. Ungeachtet der Tatsache, dass das Wachstumsziel in der Aufzählungsreihenfolge vor dem Ziel der Sicherung stabiler Preise rangiert, können sich aus diesem Zielkatalog Probleme ergeben. Wenn das Preisniveau in den USA anzieht und sich zugleich das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten abschwächt, kommt es zum Dilemma: Zur Sicherung der Preisstabilität müsste die Notenbank eigentlich die Leitzinsen anheben, angesichts der Wachstumsschwäche wären hingegen Zinssenkungen angebracht.
In der Vergangenheit hat die Fed im Zweifel dem Wachstumsziel eine höhere Bedeutung beigemessen als dem Ziel stabiler Preise.

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