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Fehlende Investoren: Quelle-Versand wird abgewickelt

Der Versandhändler Quelle steht vor dem Aus. Die Liquidation des Unternehmens soll schon bald beginnen. Zuvor war die Suche nach Investoren für die Dachgesellschaft gescheitert. Das profitable Auslandsgeschäft soll zügig verkauft werden - insgesamt sind rund 7000 Arbeitsplätze in Gefahr.

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Quelle-Versandhandel: 7000 Jobs bedroht

Hamburg - Das einst größte deutsche Versandunternehmen Quelle steht vor der Liquidation. Die Verkaufsanstrengungen für Quelle Deutschland seien erfolglos geblieben, teilte der Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arcandor Chart zeigen, Klaus Hubert Görg, mit.

"Nach 15 intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen der Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", so Görg. Was dies für die Mitarbeiter bedeutet, will er am Dienstagnachmittag in Nürnberg mitteilen. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" verlieren rund 7000 Menschen ihren Job.

Eine wesentliche Ursache für das Scheitern der Quelle-Verkaufsgespräche war nach Angaben Görgs, dass die notwendige Einigung über das sogenannte Factoring nicht zustande kam. Dabei geht es um die Finanzierung des Versandgeschäfts. Beim Factoring gibt Quelle die Kundenforderungen gegen Provision an eine Bank weiter, die die offenen Beträge im Gegenzug vorfinanziert.

Ein weiterer wichtiger Streitpunkt war die künftige Ausrichtung des Vertriebs. Alle potentiellen Bieter hätten die Aufgabe der rund 1450 Quelle-Shops gefordert, die für das Unternehmen die Bestellungen sammelten und stets ein kleines Warensortiment vorrätig hatten, erklärte Görg. Die Bieter wollten stärker auf das Internet setzen. Görg selbst hatte nur ein Drittel der Quelle-Shops und die 109 Quelle-Technik-Center schließen wollen.

Lukrative Spezialversender als Lockvögel

Zu den aussichtsreichsten Interessenten für Quelle war laut Kreisen der US-Finanzinvestor TPG gezählt worden, der viel Erfahrung im Einzelhandel mitbringt. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" bietet der Finanzinvestor Golden Gate nur für HSE24. Cerberus verhandele zwar weiter mit dem Insolvenzverwalter. Ein Sprecher habe aber nicht sagen wollen, worüber. Der Investor Sun Capital, dem der Quelle-Rivale Neckermann gehört, habe sich bereits zuvor aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Der Quelle-Erzrivale Otto hatte bereits zu Beginn abgewinkt.

Görg jedenfalls ist mit seinem Plan gescheitert, den hochdefizitären Quelle-Versand im Verbund mit lukrativen Spezialversendern wie Baby-Walz zu verkaufen. Noch am Wochenende habe der Insolvenzverwalter von vier Interessenten gesprochen. Jedoch habe letztlich niemand das unter der Dachgesellschaft Primondo zusammengefasste Versandgeschäft komplett übernehmen wollen.

Das gesunde Auslandsgeschäft von Quelle soll schnell in einem eigenen Prozess verkauft werden. "Die internationalen Gesellschaften verfügen nach wie vor über stabiles Geschäft und sind solide, stabile und zuverlässige Partner bei Kunden wie bei Lieferanten", hieß es in der Mitteilung. Gleiches gelte für den Einkaufssender HSE24. Die Spezialversender sollen ihr Geschäft selbstständig weiterführen.

Vergeblicher Rettungskredit im Sommer

Görgs Sanierungskonzept sah vor, den Quelle-Flächenvertrieb teilweise aufzugeben und die Quelle-Technikcenter zu schließen. Geplant war auch ein Personalabbau von 10.500 auf knapp 7.000 Stellen bis Januar 2010. Bis Ende September 2009 hatten der Mitteilung zufolge 600 Beschäftigte selbst gekündigt, für 2.500 Mitarbeiter wurden Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt.

Mit der Abwicklung von Quelle schlägt auch die vorübergehende Rettung fehl, die im Sommer für das Versandhaus gefunden wurde. Damals konnte ein Massekredit über 50 Millionen Euro gesichert werden, so dass Quelle die Geschäfte weiterführen konnte. Die öffentliche Debatte habe aber Kunden verunsichert, so Görg.

Insolvenzantrag mitten in der Umstrukturierung

Am 9. Juni hatte die Arcandor AG in Essen die Insolvenz für sich und unter anderem die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle beantragt. Der Schritt traf das 1927 gegründete Traditionshaus Quelle mitten in einem tiefgreifenden Umbau, der bereits in den vergangenen Jahren zu scharfen Einschnitten geführt hatte. Das Unternehmen hatte die Bedeutung des Internets für den Handel erst spät erkannt. In den vergangenen Jahren erfolgte dann eilig eine strategische Neuausrichtung.

jok/ssu/AP/dpa-AFX/ddp/Reuters

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Forum - Wie geht es weiter für Arcandor?
insgesamt 120 Beiträge
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1.
Rainer Eichberg 13.08.2009
Zitat von sysopDie Arcandor-Tochter Quelle steht vor drastischen Einschnitten. Allein im Raum Nürnberg-Fürth sollen einem Bericht zufolge 1500 Jobs wegfallen - auch beim Schwesterkonzern Karstadt droht ein Kahlschlag. Wie sieht die Zukunft für Arcandor aus?
Die Zukunft sieht ziemlich finster aus, befürchte ich. Allerdings darf wohl die Frage gestellt werden, wieso nahezu der gesamte Online-Handel in Deutschland boomt, die klassischen Versandhäuser aber offensichtlich davon nicht profitieren können. Zu spät geschaltet? Zu altbackenes Konzept? Falsches Warenangebot?
2. Leichenfledderei
kleinrentner 13.08.2009
Zitat von sysopDie Arcandor-Tochter Quelle steht vor drastischen Einschnitten. Allein im Raum Nürnberg-Fürth sollen einem Bericht zufolge 1500 Jobs wegfallen - auch beim Schwesterkonzern Karstadt droht ein Kahlschlag. Wie sieht die Zukunft für Arcandor aus?
Jetzt kommen die Geier und holen sich die besten Brocken. Der Rest vermoddert und wird weggekehrt.
3. Quelle
wowiku, 13.08.2009
Um Quelle ist es nicht schade. Wer nur für die private Tasche arbeitet, bekommt eines Tages die Quittung. Otto leistet dagegen viel für die Allgemeinheit, Überschüsse werden in gemeinnützige Projekte gesteckt (Natur-,Tier- und Denkmalschutz). Und das weiß der Kunde eben zu honorieren. Warum also dieses Gejammere, mal abgesehen dass es im Osten seit 1990 weit mehr als 1500 traf. Wer nicht mehr gebraucht wird muß sich eben was Neues suchen. Das muß der kleine Innenstadthändler Tag für Tag erfahren, ohne das ihm jemand eine Träne nachweint.
4.
shokaku 13.08.2009
Zitat von Rainer EichbergDie Zukunft sieht ziemlich finster aus, befürchte ich. Allerdings darf wohl die Frage gestellt werden, wieso nahezu der gesamte Online-Handel in Deutschland boomt, die klassischen Versandhäuser aber offensichtlich davon nicht profitieren können. Zu spät geschaltet? Zu altbackenes Konzept? Falsches Warenangebot?
Schon mal auf der Webseite von Quelle gewesen? Alptraum ist da noch eine höfliche Umschreibung.
5.
I'm a Substitute 13.08.2009
Zitat von sysopDie Arcandor-Tochter Quelle steht vor drastischen Einschnitten. Allein im Raum Nürnberg-Fürth sollen einem Bericht zufolge 1500 Jobs wegfallen - auch beim Schwesterkonzern Karstadt droht ein Kahlschlag. Wie sieht die Zukunft für Arcandor aus?
Es ist ein typisches Zeichen der Zeit, alte Markennamen, alte Wirtschaftsstandorte aufzugeben... Die Mentalität des homo oeconomicus unserer Jahre giert nach neuem; und nach "Image". Ein Markenname wie "Quelle" läßt den bescheidenen Konsum großelterlicher Wohnkultur assoziieren. Selbst das vor nicht allzu langer Zeit fast konkurrenzlos erfolgreiche Modelabel "Escada (http://www.faz.net/s/RubB62D23B6C6964CC9ABBFCB78BC047A8D/Doc~E5401E65299404A649AE714B8059BCE4A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews)" siecht dahin... man könnte meinen, daß Kapital lediglich noch für Markennamen Interesse zeigt, die entweder ganz neu auf dem Markt sind - oder jahrzehntelang vom Markt verschwunden waren. Und wenn eben jedes Modelabel gewissermaßen seine eigene Ladenkette benötigt, werden "universelle" Handelsmarken die in zentraler Lage verlangten Ladenmieten nicht aufbringen, und wird in der Prospektflut auch untergehen, wer allein auf den vertrauten Namen seines alteingesessenen Unternehmens vertraut. Die KUNDSCHAFT der Kaufhäuser und des Versandhandels war der bürgerliche Mittelstand, den es de facto nicht mehr gibt; zynisch gesagt müßte "Quimondo" Quelle neu positionieren - in den neuen Bundesländern ließe sich unter dem "Label" VEB Grundbedarfsdeckung ein Discount-Versandhandel lancieren, der zugleich "ostalgische" Gefühle bedient, in den alten müßte eine massive Werbekampagne (für die das Geld wie überall jedoch fehlt) die "Solidität" der Waren preisen; in Hinblick auf die Altersstruktur der Kundschaft wäre das Warensortiment drastisch auszudünnen: Die "überalterte Gesellschaft" richtet die Wohnung nicht neu ein, ist auch kaum noch als Heimwerker tätig; abgesehen davon läßt sich gegen die marktführenden Unterhaltungselektronik-"Fachmärkte" sowieso nicht konkurrieren. Insofern könnte Quelle sich auf Bekleidung, "Wellness"-Produkte, Bandagen/Sanitätsartikel und nicht apothekenpflichtige "Selbstmedikamentierungs"-Produkte beschränken. Es ist traurig, aber Quelle hat den schleichenden Wandel der Konsumgewohnheiten "verschlafen". Und eine unternehmeenstragende Gewinnmarge läßt sich im Handel sowieso nicht mehr realisieren.
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