Fehlende Milliarden Opel-Betriebsrat traut GM Sanierung nicht zu

Opel-Betriebsrat Klaus Franz zweifelt daran, dass General Motors die Sanierung der deutschen Tochter aus eigenen Mitteln bezahlen kann. Er wisse nicht, wie der Konzern das Geld aufbringen wolle. Offenbar rechne das Unternehmen fest damit, dass die Belegschaft auf einen Teil ihres Lohns verzichtet.

Logo des GM-Konzerns: Zweifel ob US-Steuergeld in Europa ausgegeben werden darf
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Logo des GM-Konzerns: Zweifel ob US-Steuergeld in Europa ausgegeben werden darf


Frankfurt - Der Opel-Betriebsrat traut der US-Mutter General Motors (GM) nicht zu, die Sanierung des deutschen Autobauers aus eigenen Mitteln zu stemmen. "Diese Geschäftemacher im GM-Verwaltungsrat haben auf Basis von erwarteten 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro Staatshilfen aus europäischen Ländern die Entscheidung getroffen, Opel nicht zu verkaufen. Jetzt muss GM-Europachef Reilly lostapern und überall sagen, gebt mir mal Geld", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Freitag der dpa in Frankfurt.

Um einen Subventionswettlauf der Länder zu verhindern, hat Industriekommissar Günter Verheugen die Wirtschaftsminister der EU- Länder sowie GM-Manager am kommenden Montag nach Brüssel geladen. Bei dem Treffen will Reilly den Regierungen die vorläufige Fassung des Sanierungsplans vorlegen.

Franz erwartet von den Standort-Ländern, dass sie beraten, wer wie viel Geld geben möchte. Dabei müsse vermieden werden, dass einzelne Länder wegen ihrer Zusagen bevorzugt werden. Mit Entscheidungen ist aber nicht zu rechnen, da GM den endgültigen Plan erst Mitte Dezember vorlegen will.

"Wie sie die zwei Milliarden Euro selbst aufbringen wollen, weiß ich nicht"

GM will die Fixkosten nach bisherigen Plänen in Europa um 30 Prozent und die Kapazität um 20 bis 25 Prozent reduzieren. Der US-Konzern geht davon aus, das die Opel-Vauxhall-Sanierung 3,3 Milliarden Euro kosten wird. "Wie sie die zwei Milliarden Euro selbst aufbringen wollen, weiß ich nicht", sagte Franz. Einige Medien hatten berichtet, GM wolle die Restrukturierung komplett über Staatshilfen finanzieren.

Reilly hatte diese Woche in Polen, Großbritannien, Belgien und Spanien für Unterstützung geworben. Bisher sei dort aber kaum Bereitschaft zu erkennen, sich in dem von GM erhofften Umfang zu beteiligen, sagte Franz: "Polen hat kein Geld und gibt keins, in Spanien wird es nicht annähernd so viel geben, wie GM erhofft." In Belgien liegen zwar weiterhin die versprochenen Staatshilfen über 500 Millionen Euro auf dem Tisch - dieses Geld wird aber kaum fließen, wenn GM den Standort wie bisher geplant schließt. "In England unterbreitete Reilly ein Angebot zulasten von Rüsselsheim, um an Staatsgelder zu kommen." Diese Offerte werde der Betriebsrat nicht mittragen.

Nach Franz' Worten gibt es derzeit Zweifel, ob GM US-Steuergelder überhaupt in Europa ausgeben darf. Zum anderen seien auch in Europa wenig flüssige Mittel vorhanden. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bezifferte Reilly die Liquidität von GM in Europa auf zwei Milliarden Euro.

"Die Rechnung wurde ohne den Wirt gemacht"

Laut Franz sind es aber nur 1,75 Milliarden - und davon müssten der Überbrückungskredit getilgt und die Lieferanten bezahlt werden. Auch die für eine Übernahme durch Magna von der Belegschaft genehmigte Aussetzung der Tariferhöhung 2009 und der Auszahlung des Weihnachtsgelds müssten jetzt aus diesen Mitteln aufgebracht werden. Das koste 120 Millionen Euro, sagte Franz: "Da bleibt für die Restrukturierung nichts übrig." Zudem bezifferte er anstehende Investitionen unter anderem in den neuen Astra und den neuen Meriva auf über eine Milliarde Euro.

Reilly scheint nach seinen Angaben in der FAZ außerdem fest mit der Bereitschaft der Belegschaft zu rechnen, das an Magna gerichtete Angebot eines Lohnverzichts von jährlich 265 Millionen Euro auch für GM aufrechtzuerhalten. "Da wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht", betonte Franz am Freitag. Zwar seien die Arbeitnehmer vom Grundsatz her zu Zugeständnissen bereit, um damit die Zukunft Opels zu sichern - aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Sie verlangen unter anderem eine Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine AG, die Eigenverantwortung für Entwicklung und Produktion, den globalen Zugang zu Märkten oder eine Arbeitnehmerbeteiligung am Unternehmen. Franz sagte: "Bisher gibt es zwar schöne Worte, aber noch keine konkrete schriftliche Zusage. Wir kennen nicht einmal den Sanierungsplan."

fro/dpa-AFX



Forum - Opel-Rettung - Fiasko für die deutsche Politik?
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Seite 1
mr green 03.11.2009
1.
was soll man sagen?das ganze ist so irrwitzig und abstrakt, dass einem schlicht die worte fehlen...dumm gelaufen....wär fast eine lustige parodie, wenn es dabei nicht um menschen gehen würde. aber rational gesehen, handhaben wir ja zwischenzeitlich alles systemisch...von demher: naiv ist der, der sich noch über irgendetwas wundert!
Haio Forler 03.11.2009
2.
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Kann nicht Quelle mal langsam Opel übernehmen? Oder Ravensburger? Ich kann das widerlich-langweilige Thema langsam nicht mehr hören. Macht mit Opel, was ihr wollt. Nur lasst uns langsam in Ruhe mit dem Gähnfaktor. Wer kauft schon einen Astra.
erben2 04.11.2009
3. Blamage??
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Blamiert? Wieso? Die Herren Koch, Rüttgers und zu Gutenberg haben sich schon vorher der Lächerlichkeit preis gegeben. Herr Rüttgers flog in den USA um für die Arbeiter in Bochum zu kämpfen. Herr zu Gutenberg stand als bestangezogener Politiker Deutschlands in New York und war kurz davor den Ackemann zu machen (Victory) und Herr Koch gab uns schon vor Monaten den Schwätzer. Es geht nicht um die Blamage der deutschen Politik, dazu braucht man auch keine Opel-Krise. Es geht um Tausende Menschen, die sich von der Geschwätzigkeit, der Eitelkeit und der Unehrlichkeit der meisten Beteiligten haben veralbern lassen. Es geht um Arbeiter und Angestellte in den Fabriken, denen in deutscher Sprache das Hemd ausgezogen wurde und die jetzt zu hören bekommen, dass die Manager bei GM schuld sind. Die Krise und Wahlkampf - eine schlimme Kombination.
smokeonit 04.11.2009
4. richtig
richtige Entscheidung! nur unter GM hat Opel eine Chance zu überleben!
Philip Marlowe 04.11.2009
5. Die deutsche Politik
hat nur einmal mehr ihre Realitätsverweigerung bewiesen. Spätestens seit der de facto Verstaatlicheung von General Motors steht der Konzern nicht mehr finanziell mit dem Rücken zur Wand und der (Not-)Verkauf eines der produktivsten Unternehmensteile ist unternehmerischer Widersinn geworden. In Detroit konnte man sich beruhigt zurücklehnen und abwarten, wieviele Milliarden die Deutschen bis zur Bundestagswahl noch lockermachen. Und jetzt sagt man den Schwachsinn mit Magna und der quasi-staatlichen russischen Bank eben wieder ab. That's life...
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