Fehlende Teile Vulkanasche zwingt BMW zum Produktionsstopp

Die allmähliche Lockerung des Flugverbots kommt zu spät - jedenfalls für den Autohersteller BMW. Die Münchner müssen ihre Fahrzeugproduktion in drei Werken unterbrechen. Rund 7000 hoffnungsvolle BMW-Käufer müssen deshalb womöglich auf ihr Modell warten.

BMW-Produktion in Dingolfing: Einige Kunden werden warten müssen
ddp

BMW-Produktion in Dingolfing: Einige Kunden werden warten müssen


Berlin - Die deutsche Wirtschaft gerät trotz der schrittweisen Wiederaufnahme des Flugverkehrs offenbar zunehmend in Bedrängnis. So unterbricht der Autohersteller BMW Chart zeigen seine Fahrzeugproduktion in einigen deutschen Werken. Den Anfang mache bereits am Dienstagnachmittag die Spätschicht in Dingolfing, sagte ein Unternehmenssprecher. Danach schlössen sich Regensburg am Mittwoch und München am Donnerstag an.

Grund für den Produktionsstopp seien fehlende Elektronikbauteile, die der Münchner Konzern weltweit einkauft. Bereits zu Wochenanfang hatte BMW von Problemen berichtet, Komponenten wie Getriebe in die USA zu liefern, für die es ebenfalls keine Alternative zum Transport mit dem Flugzeug gebe.

Ausfall wird nachgeholt

Verluste infolge der Produktionsunterbrechung befürchten die Münchener allerdings nicht. Die Fertigstellung der Fahrzeuge werde sich lediglich verschieben, sagte der Sprecher. Der Produktionsausfall werde so bald wie möglich nachgeholt.

Wirtschaftsexperten halten die Auswirkungen des Flugverbots auf die deutsche Konjunktur ohnehin für begrenzt. Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sagte der "Passauer Neuen Presse", die Einbußen seien "recht schnell aufzuholen". Kein Auslandskunde würde der deutschen Exportindustrie wegen der Aschewolke Aufträge kündigen, und das Versäumte könne schnell nachgeholt werden. Nichtsdestotrotz brauche die Wirtschaft in der ersten Zeit nach den Flugverboten Hilfsmaßnahmen seitens der Politik, sagte Hüther. Dazu zähle eine zeitweise Lockerung des Nachtflugverbots.

Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise hält die negativen Auswirkungen der Ausfälle im Flugverkehr auf das Bruttoinlandsprodukt für beherrschbar. Sie würden in der Luftfahrt zwar erhebliche Umsatzeinbußen nach sich ziehen. Die konjunkturelle Erholung in Deutschland erscheine jedoch nicht gefährdet, solange die Unterbrechungen nur rund eine Woche anhalten.

186 Millionen Euro Verlust pro Tag

Der Weltverband der Fluggesellschaften IATA will am Mittwoch in Berlin neue Zahlen zu den Umsatzausfällen durch die Flugverbote bekanntgeben. Die bisherige Schätzung von bis zu 186 Millionen Euro pro Tag bezeichnete IATA-Sprecher Anthony Concil als konservativ.

Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften, Lufthansa und Air Berlin , nahmen am Dienstag den Flugverkehr trotz des vorerst bis zum Abend geltenden Flugverbots teilweise wieder auf. Sie nutzen dafür Ausnahmegenehmigungen.

Die Lufthansa habe trotz der finanziellen Belastungen bislang keine staatlichen Unterstützungen beantragt, sagte Sprecherin Claudia Lange. Zahlen zu den wirtschaftlichen Konsequenzen der Flugausfälle hat Lufthansa bisher nicht genannt. Die Aktie des Dax-Konzerns, die am Montag mehr als zwei Prozent verloren hatte, legte bis zum Dienstagnachmittag gut ein Prozent zu. Auch die Papiere von Air Berlin, dem Flughafenbetreiber Fraport und dem Reisekonzern Tui Chart zeigen stiegen.

Brüderle lehnt Staatshilfen ab

Air-Berlin-Chef Hunold wollte zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Flugausfälle auf den Konzern ebenfalls noch keine Angaben machen. Klar sei aber, dass es große Verluste gebe, sagte er im Deutschlandfunk.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte am Dienstag, bei einem ersten Gespräch mit führenden Vertretern verschiedener betroffener Branchen am Vortag sei keine Staatshilfe erbeten worden, und er habe auch keine in Aussicht gestellt. Man sei übereingekommen, dass von der Politik alle rechtlichen Möglichkeiten genutzt werden müssen, um die Störungen des Wirtschaftsverkehrs zu minimieren, sagte der Minister. Kurzfristig sollen die Länder eine Lockerung des Nachtflugverbots und des Wochenend- und Feiertagsfahrverbots für Lkw prüfen.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) betrifft das seit fünf Tagen andauernde Flugverbot von und nach Deutschland derweil mehr als 230.000 Urlauber. Der Verband appellierte an die Bundesländer, die an den Flughäfen geltenden Nachtflugbeschränkungen für eine gewisse Zeit auszusetzen, sobald die Flugsicherung den Luftraum wieder freigibt.

mik/dpa/ddp/Reuters

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Seite 1
Knalltüte, 20.04.2010
1. Bürokratenirrsinn
Zitat von sysopDie allmähliche Lockerung des Flugverbots kommt zu spät - jedenfalls für den Autohersteller BMW. Die Münchener müssen ihre Fahrzeugproduktion in drei Werken unterbrechen. Rund 7000 hoffnungsvolle BMW-Käufer müssen deshalb womöglich ein wenig auf ihr Modell warten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,690138,00.html
Einen kurzen Stop von Passagierfliegern hätte man ja allenfalls noch verstehen können. Aber dass diese irrationalen Sesselfurzer-Bürokraten selbst Frachtflieger stoppen, ist unfassbar. Zumal etliche Testflüge und selbst dieses unselige Forschungsflugzeug nachwiesen, dass man stundenlang unbeschadet durch diese böse, böse Vulkanaschewolke fliegen kann. Hoffentlich lesen die Münchner Autobauer diesem arroganten Rahmsäuerlichen Müllermeister, der sich auf den Posten des Verkehrsstopminister verirrt hat, die Leviten.
br155 20.04.2010
2. Produktionsstopp
Das glaubt man kaum! Weltweiter Lufttransport von Autoteilen ist billiger als eine Standort nahe Produktion.
Klo, 20.04.2010
3. ...
Zitat von sysopDie allmähliche Lockerung des Flugverbots kommt zu spät - jedenfalls für den Autohersteller BMW. Die Münchener müssen ihre Fahrzeugproduktion in drei Werken unterbrechen. Rund 7000 hoffnungsvolle BMW-Käufer müssen deshalb womöglich ein wenig auf ihr Modell warten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,690138,00.html
Typischer Fall von Mißmanagement. Warum also nicht Gehaltskürzungen bei den Disponenten? Wenn man das Fertigungslager auf Straße und in die Luft verlagert, dann muß man halt derlei einkalkulieren.
carlo1402 20.04.2010
4. Mal was ganz Neues...
Willkommen in der Realität. Das Ganze nennt sich "just in time" und ist in fast allen produzierenden Branchen üblich. Bei Autoherstellern sowieso.
Loewe_78 20.04.2010
5. u
Zitat von KnalltüteEinen kurzen Stop von Passagierfliegern hätte man ja allenfalls noch verstehen können. Aber dass diese irrationalen Sesselfurzer-Bürokraten selbst Frachtflieger stoppen, ist unfassbar. Zumal etliche Testflüge und selbst dieses unselige Forschungsflugzeug nachwiesen, dass man stundenlang unbeschadet durch diese böse, böse Vulkanaschewolke fliegen kann. Hoffentlich lesen die Münchner Autobauer diesem arroganten Rahmsäuerlichen Müllermeister, der sich auf den Posten des Verkehrsstopminister verirrt hat, die Leviten.
Entweder ist das Fliegen für alle Flieger gefährlich oder für keinen. Das Forschungsflugzeug und alle Anderen sind in Bereichen und Flugebenen unterwegs (gewesen) in denen keine Vulkanasche war. Die kommerziellen Piloten incl. des gottgleichen Airline-Managements haben das doch in alle Welt hinausposaunt: Wir haben nichts gesehen. Die Forschungsflieger haben jedoch etwas gefunden. Da sich dieses Aschefeld /diese Aschefelder nicht in Echtzeit lokalisieren lässt /lassen, muss der Luftraum im Bereich, wo diese Wolken auftreten (können) gesperrt werden. Ab welcher Konzentration diese Asche eine Gefahr für Strahlentriebwerke darstellt ist nicht bekannt. Dass diese Gefahr real ist, ist hingegen bekannt. Es ist immer ein bisschen spät, anzufangen zu forschen, wenn eine Gefahrenlage eingetroffen ist, von deren Möglichkeit man schon seit Jahrzehnten weiß. Flugzeuge fliegen zu lassen, wenn man weiß, dass diese Gefahrenlage eingetreten ist, bevor man weiß, ob sie gefährlich ist, ist allerdings Irrsinn. Die Regelung, nach der die Airlines jetzt fliegen wollen ("beweisen Sie, dass diese Gefahrenlage eine ist") ist eine Beweisumkehr. Die Airlines müssen beweisen, dass *keine* Gefahr besteht. Diesen Beweis können sie jedoch nur über *unabhängige* Forscher erbringen.
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