Fehler von Rating-Agenturen Standard & Murks

War es nur eine dumme Panne? Die versehentliche Herabstufung Frankreichs durch Standard & Poor's nährt das Misstrauen gegen Rating-Agenturen. Daran hat die Branche selbst Schuld: Eine hohe Fehlerquote untergräbt das Vertrauen in ihre Urteile.

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Zentrale von Standard & Poor's in New York: "Niemand kann es wirklich verstehen"
DPA

Zentrale von Standard & Poor's in New York: "Niemand kann es wirklich verstehen"


Hamburg - Gerade einmal drei Sätze lang ist die Pressemitteilung, mit der die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) am Donnerstag die Herabstufung von Frankreichs Kreditwürdigkeit als Fehler bezeichnete. Ein Wort des Bedauerns findet sich nicht in der Erklärung. "Wir untersuchen die Ursache des Fehlers", heißt es lediglich.

Unter anderen Umständen wäre der knappe Kommentar nachvollziehbar - Fehler können bekanntlich jedem passieren. Der Patzer von S&P ist aber nicht nur deshalb ärgerlich, weil er die ohnehin höchst nervösen Finanzmärkte weiter verunsicherte. Die Panne ist auch kein Einzelfall. Mit einer beachtlichen Fehlerquote gefährden die Rating-Agenturen - und insbesondere Branchen-Primus S&P - ihre Glaubwürdigkeit.

Der breiten Öffentlichkeit sind die Agenturen erst seit 2007 ein Begriff: Reihenweise hatten sie jene Papiere mit Bestnoten versehen, die dann zum wichtigsten Auslöser der US-Hypothekenkrise wurden. "Die Annahmen, die wir über die Entwicklung dieser Anlagen hatten, stellten sich als falsch heraus", gab ein S&P-Vertreter später vor einem Ausschuss des US-Kongresses zu.

Auch bei der Bewertung von Unternehmen - ein deutlich wichtigeres Geschäftsfeld als die Länder-Ratings - sind den Agenturen wiederholt schwere Fehler unterlaufen. Die Pleiten der US-Konzerne Enron und Worldcom sahen sie ebensowenig kommen wie jene des italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat Chart zeigen.

"Worldcom und Enron haben betrogen", verteidigte S&P-Deutschlandchef Torsten Hinrichs kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" die Fehleinschätzungen. Doch Anleger durften eigentlich erwarten, dass die Agenturen solche Betrügereien entdecken - schließlich müssen ihnen Unternehmen umfassenden Zugang zu ihren Unterlagen gewähren.

Sind Zahlen gar nicht entscheidend?

Auch im weiteren Verlauf der Finanzkrise waren die Rating-Agenturen keine große Hilfe. Die US-Investmentbank Lehman Brothers wurde von S&P als sichere Anlage bewertet. Erst am 9. September 2008 setzte S&P Lehman auf eine negative Beobachtungsliste - eine knappe Woche, bevor die Bank Insolvenz anmelden musste. Auch den Zusammenbruch des aufgeblähten Bankensektors in Island erkannten die Rating-Agenturen zu spät.

In all diesen Fällen lautete der Vorwurf allerdings, die Rating-Agenturen hätten Gefahren übersehen und ein zu rosiges Bild der Lage gezeichnet. In letzter Zeit hat sich dieser Vorwurf ins Gegenteil gewendet: Den Agenturen wird nun vorgehalten, dass sie Länder zu kritisch beurteilen und damit erst deren Pleite heraufbeschwören.

Frankreich war nicht der erste Fall, in dem Zweifel an der Seriosität von Länder-Ratings laut wurden. Im Juli drohte Italien S&P mit Konsequenzen, weil die Agentur ein Sparpaket bereits als unzureichend verwarf, bevor dessen Details überhaupt bekannt waren. Als S&P im August als erste und bislang einzige Agentur den USA die Top-Note entzog, warf das Finanzministerium den Bonitätswächtern sogar einen Rechenfehler von zwei Billionen Dollar vor.

Tatsächlich hatte S&P lediglich andere Annahmen über die Entwicklung der US-Ausgaben zugrunde gelegt als die Regierung. S&P-Länderrating-Chef John Chambers aber erklärte, die Herabstufung wäre unabhängig von den zwei Billionen Unterschied erfolgt. Das wirkte so, als ob Zahlen am Ende gar nicht entscheidend seien.

Für großen Unmut sorgte S&P auch Ende Juli, als die Agentur bereits vergebene Noten für hypothekenbesicherte Papiere wieder zurückzog. Damals gab es sogar Kritik von Branchenkollegen: "Niemand kann wirklich verstehen, warum S&P das tut, was sie gerade tun", zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Vertreter der Firma Morningstar, welche die Papiere ebenfalls bewertet hatte.

Es ist vor allem diese Undurchsichtigkeit der Rating-Entscheidungen, durch welche die jüngsten Pannen der Agenturen so viel Aufsehen erregen. Zwar erstellen die Bonitätswächter lange Kriterienlisten und treffen sich zu ausführlichen Konsultationen mit Unternehmens- oder Regierungsvertretern. Am Ende aber treffen sie ihre Entscheidungen in vertraulichen, internen Diskussionen. Das versehentlich veröffentlichte Rating zu Frankreich nährt den Verdacht all jener, die diesen Entscheidungsprozess für ein abgekartete Spiel halten.

S&P braucht eine gute Erklärung dafür, wie es aus Versehen eine Bewertung veröffentlichen konnte, die noch dazu gar nicht stimmen soll. Mit drei dürren Sätzen dürfte es dabei nicht getan sein.



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insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
doc 123 11.11.2011
1. Ablenkung und Volksverdummung!
Zitat von sysopWar es nur eine dumme Panne? Die versehentliche Herabstufung Frankreichs durch Standard & Poor's nährt das Misstrauen gegen*Rating-Agenturen. Daran hat die Branche selbst*Schuld:*Eine hohe Fehlerquote untergräbt das Vertrauen in ihre Urteile. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,797270,00.html
Die ständigen Artikel zu den Ratingagenturen dienen doch wohl allenfalls zur Ablenkung und Volksverdummung. Jeder "normale" Mensch weiß doch wohl, dass Länder wie Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und letztlich auch Frankreich "pleite" sind. Diese Bestätigung durch eine Ratingagentur bedarf es ganz sicherlich NICHT.
viceman 11.11.2011
2. jeder euro für diese "agenturen" ist doch wohl
Zitat von sysopWar es nur eine dumme Panne? Die versehentliche Herabstufung Frankreichs durch Standard & Poor's nährt das Misstrauen gegen*Rating-Agenturen. Daran hat die Branche selbst*Schuld:*Eine hohe Fehlerquote untergräbt das Vertrauen in ihre Urteile. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,797270,00.html
"rausgeschmissenes geld" - der jahresabschluß des riesen "pwc" ist einen sche...- dreck wert, da werten mal locker 55 mrd. falsch verbucht.konsequenzen für die prüfer? genausowenig wir für die hre-bosse - alles hochdotierte, vielstudierte "führungskräfte". aber in der praxis echte nieten in nadelstreifen. wozu bezahlen denn firmen und staaten diese penner überhaupt noch? wer kann den den buschen noch glauben oder auf deren informationen sachkundige entscheidungen fällen?
2wwk 11.11.2011
3. murks sind die Ramschpapiere von den Regierungen
Zitat von doc 123Die ständigen Artikel zu den Ratingagenturen dienen doch wohl allenfalls zur Ablenkung und Volksverdummung. Jeder "normale" Mensch weiß doch wohl, dass Länder wie Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und letztlich auch Frankreich "pleite" sind. Diese Bestätigung durch eine Ratingagentur bedarf es ganz sicherlich NICHT.
Vielleicht war es der Weihnachtsmann der das Mail geschickt hat. Frankreich und die meisten Europaeischen Lander verdienen eine Herabstufung. ... kein Grund ueber S&P zu laestern.
ibekn 11.11.2011
4. ein Land wie Frankreich kann nicht Pleite gehen
Zitat von doc 123Die ständigen Artikel zu den Ratingagenturen dienen doch wohl allenfalls zur Ablenkung und Volksverdummung. Jeder "normale" Mensch weiß doch wohl, dass Länder wie Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und letztlich auch Frankreich "pleite" sind. Diese Bestätigung durch eine Ratingagentur bedarf es ganz sicherlich NICHT.
hää... nein sind sie nicht sonst würden sie ja pleite sein...
majoschi 11.11.2011
5. Das Ziel ist bald erreicht..
Das Ziel ist bald erreicht. Das die US-Amerikaner wahre Meister im intrigieren sind ist ja nun mittlerweile Weltbekannt und hat sich auch allgemein herumgesprochen. Nicht umsonst betreiben sie eine „Denkfabrik“ in der zum Beispiel ein Dick Cheney und neuerdings auch unser Graf beschäftigt sind, sich Gedanken zu machen, was zu tun ist um die USA auch weiterhin als Weltmacht Nummer eins zu erhalten. Dazu gehört auch die Kontrolle der Weltfinanzen und das der US-Dollar auch weiterhin die Weltleitwährung bleibt und somit in die US-Amerikanischen Finanzprodukte investiert wird, damit das Land immer wieder mit frischem Geld versorgt wird. Dieses Weltbild kam ins Wanken seitdem die Europäer mit ihrem Euro zur Konkurrenz wurden. Der Euro wurde immer stärker und unsere Eurokraten träumten schon davon den US-Dollar als Weltleitwährung mit dem Euro abzulösen und aus Europa die zukünftige Drehscheibe für die Weltfinanzen zu machen. Das war ungefähr so 2007. Seitdem folgt eine Wirtschaftskrise nach der anderen. Ein europäisches Land nach dem anderen wird von den Rating Agenturen in seiner Kreditwürdigkeit abgestuft. Seitdem ist das Ziel, den US-Dollar als Weltleitwährung abzulösen in weitere Ferne gerückt und der Euro ist immer weiter unter Druck geraten und unsere Politiker sind nicht in der Lage Maßnahmen zu ergreifen die den Euro stabilisieren könnten, eher im Gegenteil, je mehr sich die Staaten verschulden, auch wenn es momentan noch Bürgschaften sind, werden sie Abhängig von ausländischen Investoren. Ob diese allerdings unter diesen Umständen bereit sind in den Euro zu investieren ist fraglich. Änderungen könnte man nur erzielen, wenn weltweit Regeln aufgestellt werden würden, die die Finanzmärkte mit zur Kasse bitten würden. Dieses scheitert, oh wie Wunder an den US-Amerikanern und der ihr nahestehenden Finanzindustrie die sich in der Wallstreet sehr wohl füllt und dort auch noch ein paar Jährchen weiterhin von hieraus ihren Schnitt machen möchte und das natürlich mit dem US-Dollar als Weltleitwährung. Das Ziel den Euro zu zerschlagen ist in greifbare Nähe gerückt und wird wahrscheinlich auch gelingen, wenn unsere politische Elite es nicht fertigbringt einen starken Euro zu erhalten und sei es nur mit 15, 12 oder 10 Ländern der EU die den Euro letztendlich als starke Währung behalten. Dann kann ja wieder die „Denkfabrik“ angeschmissen werden, was zu tun ist damit alles so bleibt, wie es immer war.
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