Gesundheitliche Probleme Fiat-Chef Marchionne tritt ab

Er hat den Konzern aus der Krise geführt: Fiat-Chef Sergio Marchionne tritt nach 14 Jahren an der Unternehmensspitze wegen einer Schulter-OP von allen Posten zurück. Nachfolger wird Fiat-Manager Mike Manley.

Sergio Marchionne
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Sergio Marchionne


Sergio Marchionne gibt den Chefposten des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat Chrysler ab. Nach einer Schulteroperation sei es zu unerwarteten Komplikationen gekommen, teilte Fiat Chrysler mit. Der 66-Jährige könne seine Arbeit deshalb nicht wieder aufnehmen. Auch als Präsident und Vorstandschef der Tochter Ferrari könne Marchionne nicht weiter arbeiten, hieß es in einer Ferrari-Mitteilung.

Die Führung von Fiat Chrysler übernimmt nun Mike Manley, der seit vielen Jahren zum Top-Management des Autobauers gehört und bisher für die Marke Jeep zuständig war. Neuer Präsident von Ferrari wird John Elkann, Angehöriger der Familie Agnelli, die die Mehrheit an der Fiat-Gruppe hält. Elkann ist zudem Fiat-Präsident.

Mike Manley
AP

Mike Manley

Zum Ferrari-Vorstandschef ernannte der Aufsichtsrat Louis C. Camilleri, der zuvor unter anderem leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte.

Marchionne wollte ursprünglich bis 2019 Chef von Fiat Chrysler bleiben, ähnliche Pläne für seine Posten bei Ferrari waren nicht bekannt. Er war 2004 in der Zeit der größten Krise an die Fiat-Spitze gerückt, später übernahm das Unternehmen den ebenfalls heftig angeschlagenen US-Rivalen Chrysler.

Mit Kompromisslosigkeit und teils unkonventionellen Ideen sanierte der heute 66-Jährige den kriselnden Turiner Großkonzern Fiat nach seinem Antritt. Er baute die Bürokratie ab und halbierte die Entwicklungszeiten für neue Modelle. Dabei wurde er auch für seine markigen Sprüche bekannt. Zu Vorwürfen, auch Fiat habe bei Abgaswerten geschummelt, sagte er mit Blick auf VW etwa: "Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht."

Als einer der größten Verdienste des Italo-Kanadiers gilt die Fusion von Fiat und Chrysler im Jahr 2014. Die prestigeträchtige Marke Ferrari brachte er erfolgreich an die Börse. Zuletzt hatte Fiat eine Partnerschaft mit dem südkoreanischen Rivalen Hyundai angestrebt, um in Fragen von Zukunftstechnologien zusammenzuarbeiten.

Zum Ende seiner Karriere bei dem Konzern hatte Marchionne sein großes Ziel mit der Schuldenfreiheit des Unternehmens Ende Juni erreicht.

ans/dpa-AFX



insgesamt 8 Beiträge
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kladderadatsch 21.07.2018
1. Best of all managers
Sergio Marchionne hat durch harte, ehrliche und geniale Arbeit den Fiat Konzern inklusive Crysler an die Weltspitze gebracht. Davon können sich alle andere Manager eine große Scheibe abschneiden.
jetbundle 21.07.2018
2. Aus der Kriese geführt?
Marchionne hatte einen genialen Deal gelandet, nämlich die Gratis-Übernahme der frisch entschuldeten und finanziell sanierten Chrysler. Dank Lohnverzicht und Schuldverzicht wirft Chrysler jetzt massig Gewinne ab. Die Markenentwicklung hingegen ist ein Disaster. Fiat und Chrysler bauen Autos auf vollkommen veralteten Plattformen. Die Marke Fiat ist vollkommen herunter gewirtschaftet. Eigentlich ist es Schade, dass VW sich die Chance hat entgehen lassen. Chrysler wäre sehr gut geeignet gewesen um im Kleinwagen- bis untere Mittelklasse Bereich Synergien mit Skoda zu schaffen, die Nutzfahrzeuge zu stärken und vielleicht noch etwas mehr Stückzahl in den MLB zu bringen.
bartsuisse 21.07.2018
3. Fiat
ist ja nicht nur 500 und Panda sondern auch Fiat Industrial. Einer der grössten Player in Landwirtschaftsmaschinen, LKW und vieles mehr. Fiat auf Kleinwagen zu reduzieren ist schlicht dumm. Alfa, Maserati und Ferrari sind erfolgreich und an Prestige kaum zu überbieten. Schade ist es um Lancia, aber wer weiss vielleicht kommt das auch wieder. An Chrysler hat Daimler kläglich versagt, mit Fiat ist es ein Erfolg
nofreemen 21.07.2018
4. der Tanker bekommt einen neuen Käpitän
Jetzt übernehmen wieder mehrheitlich Italiener. Das kann mittelfristig nicht gut gehen. Aber was solls, die einen haben Quoten die anderen ihre Erbfolge. To big to fail, wenn alles schief geht rettet der Staat. Marchione war und ist ein Magier und Finanzjongleur der extra Klasse. Der macht aus jeder Buchhaltung eine schwarze Null, egal wie rot die ist. Wir dürfen gespannt sein wie die Zahlen in zwei Jahren aussehen mit diesen Pinocchios. Wenn gut läuft dann klopft man sich auf die Schultern, wenn nicht, dann sind die anderen Schuld. Einige der genannten Namen versprechen nichts gutes.
TheFunk 22.07.2018
5. Gute Besserung!
hört sich nach einer unfreiwilligen Machtübernahme an. Da scheint es massive Komplikationen bei der Operation gegeben zu haben? Vielleicht gibt es doch bald noch interessante Autos aus dem Konzert, Nachfolger von MiTo und Giuletta und einen Kombi von Giulia. Fiat braucht dringend einen Nachfolger vom Punto und ein Pendant zum Skoda Octavia. Lancia...Hat ebenso viel Potential wie Chrysler. Schade, was daraus geworden ist.
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