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Pläne für Alfa Romeo: Fiat-Chef Marchionne setzt auf die schöne Tochter

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Fiat-Chef Sergio Marchionne will bis zu fünf Milliarden Euro ausgeben, um die noble Tochter Alfa Romeo wieder zu alter Klasse zu führen. Doch der Betrag wird kaum ausreichen. Die Probleme des Konzerns löst er damit auch nicht.

Zukunftsvision: Alfa soll die Rettungswagen bauen Fotos
Alfa Romeo

Berlin - Wenn einer es schaffen könnte, dann ist es Sergio Marchionne. Der 61-Jährige ist seit rund zehn Jahren unermüdlich unterwegs, um den Fiat-Konzern wieder auf Kurs zu bringen. Und er ist dabei schon viel weiter vorangekommen, als Bewunderer und Kritiker je gedacht hätten. Am Mittwoch nun will Marchionne erklären, wie er sich den Aufbruch in die Zukunft vorstellt.

Eine Kröte mussten die Italiener bereits im Vorfeld schlucken. Denn in dem neuen Konzerngebilde, das Marchionne geschaffen hat, spielt Fiat allenfalls noch eine Nebenrolle. Fiat Chrysler Automobiles - kurz FCA - heißt die neue Holding, unter der die Marken Chrysler, Jeep, Fiat, Ferrari Maserati und Alfa Romeo künftig zusammengefasst sind. Und sie hat ihren Hauptsitz nicht mehr in Turin, sondern in Amsterdam und rechnet in London ihre Steuern ab. Auch dass Marchionne am Stammsitz von Chrysler in Auburn Hills über die Zukunft sprechen will, gilt als Signal dafür, dass sich die Gewichte verschoben haben.

Doch ganz so schlimm, wie die Traditionalisten in Turin es befürchten, wird es nicht kommen. Denn eine der Hauptrollen hat Marchionne der Mailänder Konzerntochter Alfa Romeo zugedacht. Jener Marke, die einst in einem Atemzug mit Ferrari und Maserati genannt wurde, Klassiker wie die Giulia-Baureihe und den Montreal hervorgebracht hat und deren legendären Ruf auch beinahe mutwillige Verfehlungen in der Modellpolitik nicht zerstören konnten. Vier bis fünf Milliarden Euro, so schreibt es die "Financial Times", sollen in den kommenden Jahren für neue Modelle und die Modernisierung der Fabriken bereitstehen.

Die Blaupause für die Sanierung liefert Maserati: Alfa Romeo soll als eigenständige Firma der neuen Holding künftig mehr Freiheiten für die Entwicklung einer eigenen Modellpalette erhalten, die nicht durch Komponenten aus der Großserie verwässert wird und an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen kann. Als Konkurrenten sind die deutschen Platzhirsche Audi, BMW, Porsche und Mercedes im Visier. Die Zahl der verkauften Autos soll von derzeit rund 74.000 innerhalb weniger Jahre auf 300.000 steigen.

Alfa ist nicht die einzige Baustelle

Doch so verheißungsvoll der Plan klingt - selbst gusseisernen Alfisti fehlt im Moment die Phantasie, wo die avisierten sechs Modelle herkommen könnten, die den Deutschen künftig den Rang ablaufen sollen. Der kleine Zweisitzer C4, der seit wenigen Monaten auf dem Markt ist, eroberte zwar die Herzen im Sturm, taugt für größere Stückzahlen aber ebenso wenig wie sein direkter Konkurrent, der Porsche Cayman.

"Die Branche kalkuliert für eine Neuentwicklung rund eine Milliarde Euro ein", sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Voraussetzung dafür sei aber eine Basis, auf der man aufbauen könne. Das gelte für die Plattform ebenso wie für die Motoren. Und es gelte umso mehr, wenn eine Marke wie Alfa Romeo höchsten Ansprüchen gerecht werden wolle.

Doch selbst wenn die Operation gelingt, dürfte sie dem Gesamtkonzern nur zu einem geringen Teil weiterhelfen. Denn Alfa Romeo ist nicht die einzige Baustelle für Marchionne. Einzig Chrysler und der Geländespezialist Jeep tragen derzeit nennenswert zum Ergebnis bei. Wenn es nach Jeep-Chef Mike Manley geht, soll die Rolle der Amerikaner sogar noch stärker werden. Bis 2018 will er die Verkäufe auf rund 1,9 Millionen Stück beinahe verdreifachen. Wachstum verspricht sich Manley vor allem in Lateinamerika, der Region Asien-Pazifik und Europa.

Zukunftstechnologien? Fehlanzeige

Doch das Ende des Erfolgs ist beinahe absehbar. Denn die Autos, die Chrysler und Jeep derzeit verkaufen, sind nahezu ausnahmslos Konzepte von gestern. Bei der Entwicklung von Antrieben der Zukunft hinkt der italo-amerikanische Konzern hinterher. Was die Innovationskraft betrifft, belegt er in Rankings seit Jahren die hinteren Plätze.

Auch die die Möglichkeiten für Einsparungen bei der Produktion dürften weitgehend ausgereizt sein. "Ein echter Quantensprung wäre nur möglich, wenn Fiat/Chrysler einen Baukasten entwickeln würde, der im Prinzip allen Marken gleichermaßen zugutekommen könnte", meint Bratzel. Damit seien nicht allein deutliche Kostensenkungen möglich, sondern auch Zeitgewinne bei der Entwicklung von neuen Modellen und deren Ablegern.

Die Früchte seiner Baukasten-Strategie erntet derzeit der Volkswagen-Konzern. Bis zu 30 Prozent an Einsparungen sollen damit möglich sein. Für Fiat/Chrysler steigt damit der Druck, denn der Rückstand zum Branchenprimus wächst rapide.

Einziger Hoffnungsschimmer in dieser Situation ist Marchionne selbst. Seit der gelungenen Integration von Chrysler gilt der Top-Manager nicht wenigen als Lichtgestalt der Branche. Welche Kräfte er mobilisieren kann, zeigt sich am Beispiel Chryslers. Unter seiner Ägide schaffte der Konzern den Wiederaufstieg vom Pleitekandidaten zum ernsthaften Anwärter auf Platz zwei auf dem US-Markt. Die Chrysler-Leute sind so begeistert von ihrem neuen Chef, dass sie die Millionenverluste der italienischen Mutter Jahr für Jahr ausgleichen. Ohne Murren.

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1. Wer eine Traditionsmarke wie...
patrick6 06.05.2014
...Lancia verhungern lässt, der bringt eine andere Traditionsmarke wie Alfa sicher auch nicht wieder nach vorn. Zumal offenbar ganz das Verständnis für die jeweiligen Highlights der Marke fehlt. Man erinnere sich, wie damals in der Ära mit GM der herrliche 6-Zylinder von Alfa durch ein eher profanes Holden-Aggregat ersetzt wurde. Obwohl die Alfisti gerade die Maschine als Kernstück betrachten - und der Holdenmotor war noch nicht mal gut, bestenfalls Mittelmaß. Fiat hat diese Marken heruntergewirtschaftet, und das war ein langer und schmerzhafter Prozeß. Sehr traurig, das. Erstaunlich eigentlich, dass es Alfa überhaupt noch gibt.
2. FIAT 500e und so...
Fritz.A.Brause 06.05.2014
Zitat von sysopAlfa RomeoFiat-Chef Sergio Marchionne will bis zu fünf Milliarden Euro ausgeben, um die noble Tochter Alfa Romeo wieder zu alter Klasse zu führen. Doch der Betrag wird kaum ausreichen. Die Probleme des Konzerns löst er damit auch nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fiat-sergio-marchionne-baut-auf-alfa-romeo-a-967909.html
Warum sollte sich der 500 ausgerechnet als Basis für ein Elektroauto anbieten? Damit er unter denselben Unzulänglichkeiten wie ein VW Up leidet? Tesla zeigt, dass Autos, die von Grund auf für den Elektroantrieb geplant waren, toll sein können. Nachträglich reingefummelte e-Antriebe vereinigen die Nachteile einer für einen Verbrennungsmotor geplanten Karosserie, mit den Reichweitedefiziten eines e-Autos. Wie kommt der Autor zu der Behauptung, der FIAT schlage mit dem 500 schlage kein Kapital aus dem Baukastenprinzip? Der 500 ist der Mito, ist der Panda. Baukasten, würde ich mal sagen. Die Giulietta ist der FIAT Bravo und umgekehrt. Eins muss man natürlich feststellen: Die Giulietta ist erkennbar von vorgestern und leidet an zahllosen Schwächen im Detail. Schon für kurze Zeit, als Mietwagen genutzt, nervte sie. Hoffen wir mal, Marchionne schafft seine Pläne mit Alfa zum Erfolg zu führen. Der 4C lässt hoffen.
3. Authenticjazzman
Sam_Dicamillo 06.05.2014
Diese Marke ist 1976, mit dem Ende der Produktion des Bertone GTs, und des Vierzylinder Dohc Motors : Gestorben. Hatte selbst einen 1600 GTJ, Baujahr 1975, ein Traumauto wie es keine mehr gibt. Das einzige was noch echt ist , ist das Alfa Zeichen an der Motorhaube.
4. Lancia
ez2517 06.05.2014
Am Niedergang von Lancia ist aber nicht Marchionne schuld. Er zieht nur die Konsequenzen aus der aktuellen Situation, und offenbar macht er das nicht schlecht. Auch wenn es Fans der Marke (von denen wohl kaum jemand in den letzten Jahren einen Lancia gekauft hat) klarerweise nicht gefällt.
5. Wen wunderts ...
ITALOMASTER 06.05.2014
... hat offensichtlich die AR-affine Masse der Autokäufer nach vielen Jahren, ja Jahrzehnten einfach die Schnauze voll von den ewigen Qualitätsdefiziten (auch, wenn ein paar Alfisti immer gern das Gegenteil behaupten), dem suboptimalen Werkstattservice, dem dadurch schlechten Wiederverkauftswert etc.. Deshalb verkauft sich ein schönes Auto wie der MITO schlecht. Bis auf ein paar Unverbesserliche, die sympathischerweise die Ideologie hochhalten, kommt die Marke einfach nicht mehr an - nicht zuletzt wegen der o.g. Faktoren. So glaube ich, und sage das als AR-Sympathisant und ehemaliger Coupé Fiat Fahrer, den das Auto begeisterte, nicht aber die katastrophale Service Umgebung (zugegeben: Ende der 90er / Anfang der Nuller Jahre). Die Verwässerung der Marke macht alles nur noch schlimmer. Es ist einfach schade!
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