Schattenbank Finanzaffäre im Vatikan weitet sich aus

In der Finanzaffäre um die vatikanische Güterverwaltung Apsa werden weitere Details bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen belastet der Chefbuchhalter im Vatikan, Nunzio Scarano, seine Ex-Vorgesetzten schwer: Sie hätten die Apsa wie eine Schattenbank geführt und ein System von Nummernkonten angelegt.

Zentrale der Vatikanbank: Apsa erscheint "alles andere als korrekt"
REUTERS

Zentrale der Vatikanbank: Apsa erscheint "alles andere als korrekt"


Hamburg - Die Finanzaffäre um einen leitenden Mitarbeiter der vatikanischen Güterverwaltung Apsa weitet sich aus. Prälat Nunzio Scarano, der sich seit Anfang Dezember in Rom vor dem Strafgericht wegen eines versuchten Schwarzgeldgeschäfts über 20 Millionen Euro verantworten muss, hat SPIEGEL-Informationen zufolge in umfangreichen Aussagen seine früheren Vorgesetzten belastet.

Sie hätten die Güterverwaltung wie eine Schattenbank geführt und dafür Vergünstigungen wie "Reisen, Kreuzfahrten, Fünf-Sterne-Hotels, Massagen et cetera" angeboten bekommen, erklärte Scarano laut einem Vernehmungsprotokoll vor der Staatsanwaltschaft in Rom. Einer seiner früheren Vorgesetzten habe ein System von Geheimkonten ersonnen. Insgesamt sollen rund hundert solcher Nummernkonten geführt worden sein, die meisten davon seien aber inzwischen geschlossen.

Zu den Inhabern der Nummernkonten gehörten laut Scarano "einige Kardinäle, Apsa-Manager und deren besondere Freunde". So konnten beispielsweise diskret Gelder aus Italien ins Ausland transferiert werden. Immobiliengeschäfte seien zudem über eine Gesellschaft in der Schweiz gelaufen, die bereits seit Ende der zwanziger Jahre für den Heiligen Stuhl tätig sei.

Details zu den Geschäften kenne er nicht; diese seien "immer Sache der höchsten Ebene" gewesen. Scarano sagte laut dem Protokoll, er habe die Vatikan-Verwaltung über Merkwürdigkeiten bei der Apsa unterrichtet, die seiner Meinung nach "wirklich alles andere als korrekt erscheinen". Man habe ihm aber bedeutet, "mit niemandem darüber zu sprechen und ruhig zu bleiben, da bereits die notwendigen Maßnahmen ergriffen" würden. Ein Sprecher des Vatikans erklärt: "Gewisse Geschäfte werden derzeit in einer internen Untersuchung überprüft." Darüber hinaus wollte der Vatikan die Aussagen Scaranos nicht kommentieren.



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insgesamt 44 Beiträge
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Badischer Revoluzzer 19.01.2014
1. Die Kirche hat in Geldfragen
2000 Jahre Erfahrung ! Die wissen was sie tun. Ackermann ist dagegen nur ein Lehrling !
isegrim der erste 19.01.2014
2. Wenn Papst Franz weiter so durchgreift
dann werden ihn die ultraerzkonservativen der Katholiken zumindest exkommunizieren.
lupenrein 19.01.2014
3.
Gestern imTV kam der Film 'Der Pate'. Gutes timing. Exakte Beschreibung der Vatikan-Mafia.
heinrich-wilhelm 19.01.2014
4.
Allmählich wird klar weshalb Papst Benedikt das Handtuch geworfen hat, diesen Augiasstall auszumisten. Wie um Gottes Willen kann dieser Verein genannt Kirche reformiert werden ? Armer Franziskus!
mitgefühlundweisheit 19.01.2014
5.
Die wichtigsten Institutionen der Welt - USA, Vatikan, ADAC - lügen, betrügen, hören ab, vertuschen ... Und wir zahlen brav weiter unsere Kirchensteuer und unsere Mitgliedsbeiträge. Die lachen sich doch über uns kaputt.
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