Britischer Zinsskandal: Finanzaufsicht prüft offenbar Deutsche Bank

Der britische Zinsskandal erreicht Deutschland: Die Finanzaufsicht BaFin prüft laut Nachrichtenagentur Reuters jetzt auch mehrere Geldhäuser in der Bundesrepublik - darunter offenbar die Deutsche Bank. Deren Kurs sackt um rund fünf Prozent ab.

Skyline in Frankfurt am Main: Deutsche Banken geraten ins Visier der Finanzaufsicht Zur Großansicht
dapd

Skyline in Frankfurt am Main: Deutsche Banken geraten ins Visier der Finanzaufsicht

Hamburg - Im Skandal um mutmaßliche Zinsmanipulationen geraten jetzt deutsche Geldhäuser ins Visier der Aufsichtsbehörden. Auch gegen die Deutsche Bank wird angeblich ermittelt: Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat der Nachrichtenagentur Reuters zufolge eine Sonderprüfung gegen das Kreditinstitut eingeleitet. Im Zentrum der Untersuchung stehe dabei die Frage, ob die Bank möglicherweise in den Skandal um die Festsetzung des britischen Marktzinssatzes Libor verwickelt sei, meldet Reuters mit Hinweis auf eingeweihte Kreise.

Es handele sich demnach nicht um eine Routineprüfung. Die Deutsche Bank gehört zu mehr als einem Dutzend Investmentinstituten weltweit, gegen die in der Sache ermittelt wird. Bislang ist sie aber die einzige Bank aus Deutschland, deren Name bekannt wurde. Die mutmaßliche Sonderprüfung belastete am Freitag die Aktie der Deutschen Bank: Sie schloss 4,7 Prozent tiefer bei 27,38 Euro.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wollte die Untersuchung bei der Deutschen Bank nicht bestätigen: "Wir nutzen unser gesamtes Spektrum von aufsichtsrechtlichen Instrumenten aus, soweit es erforderlich ist", sagte ein BaFin-Sprecher. Laut Reuters ist mit ersten Ergebnissen der Nachforschungen in Deutschland ab Mitte Juli zu rechnen.

Die Behörde schaue sich Überwachungssysteme zur Verhinderung von Manipulationen an, teilte der Sprecher der Nachrichtenagentur dapd zufolge mit. Welche deutschen Banken untersucht werden, sagte er nicht. Die Deutsche Bank gehört zu den Instituten, die täglich ihre Libor-Schätzungen nach London melden.

Strafrechtliche Ermittlungen gegen Barclays

Der Skandal um mögliche Manipulationen des britischen Zinssatzes Libor zieht derweil immer weitere Kreise. Neben zahlreichen Banken aus mehreren Ländern steht nun auch die britische Finanzmarktaufsicht FSA in der Kritik.

Der Libor - kurz für "London Interbank Offered Rate" - ist der zentrale Zinssatz, zu dem sich britische Banken untereinander Geld leihen. Er wird jeden Tag neu ermittelt: Vormittags teilen Händler von bis zu 19 Banken dem britischen Bankenverband mit, wie viel sie für Kredite mit unterschiedlicher Laufzeit zahlen müssen. Der Durchschnitt dieser Werte ist dann der Libor für den Tag. Er ist Basis für Wertpapiere im Volumen von 350 Billionen Dollar, legt den Zins für Immobilienkredite, Sparverträge und Anleihen fest.

Banken wie das Institut Barclays Chart zeigen sollen den Libor von 2005 bis 2009 manipuliert haben - und aus den Schwankungen Profit geschlagen haben. Das britische Betrugsdezernat hat nun auch formell strafrechtliche Ermittlungen gegen die Großbank aufgenommen. Das vermeldete am Freitag die zuständige Behörde, das Serious Fraud Office (SFO).

Barclays musste vergangene Woche als erste Bank in dem Skandal eine Strafe von 290 Millionen Pfund zahlen, Institutschef Bob Diamond musste zurücktreten - und stellte sich bei einer Anhörung im britischen Unterhaus als Opfer dar. Die Zinsmanipulationen seien ein branchenweites Problem, sagte der 60-jährige Amerikaner in der mehrstündigen Anhörung. Tatsächlich ermitteln Behörden in dem Skandal inzwischen gegen bis zu zwei Dutzend Geldhäuser.

bos/Reuters/dpa/dapd

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1. Die feinen Herren ...
santaponsa 06.07.2012
... in Nadelstreifen kann man wie einst Al Capone nur bei Gesetzesübertretungen dingfest machen. Die einen durch ganz empfindliche Geldbussen und Rufschädigung und wie früher Al C. (Steuerdelikte!) durch Knast. Vielleicht sollte man bei korrupten Bankern als Signalwirkung auch beides verhängen.
2. Na ja
sbv-wml 06.07.2012
Zitat von sysopDer britische Zinsskandal erreicht Deutschland: Die Finanzaufsicht BaFin prüft laut Nachrichtenagentur Reuters jetzt auch mehrere Geldhäuser in der Bundesrepublik - darunter offenbar die Deutsche Bank. Deren Kurs sackt um rund fünf Prozent ab. Finanzaufsicht BaFin prüft offenbar Deutsche Bank wegen Zinsskandal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,843093,00.html)
Nach allem was man von der Rolle der Deutschen Bank bei der Finanzkrise 2008 so lesen konnte, würde mich eine Beteiligung am Zinsskandal nicht wundern.
3. Unvorstellbar
JaWeb 07.07.2012
Die "Ackermänner" sollen sich betrügerisch bereichert haben? Völlig ausgeschlossen! Nachdem ich den netten Herrn Kemmer vom Bundesverband deutscher Banken bei Illner im ZDF gesehen habe, wie eloquent und immer lächelnd er dort mitdiskutierte ... Nein, solche netten Herren betrügen doch nicht. Sind wir denn noch zu retten?
4.
Luscinia007 07.07.2012
Zitat von sysopDer britische Zinsskandal erreicht Deutschland: Die Finanzaufsicht BaFin prüft laut Nachrichtenagentur Reuters jetzt auch mehrere Geldhäuser in der Bundesrepublik - darunter offenbar die Deutsche Bank. Deren Kurs sackt um rund fünf Prozent ab. Finanzaufsicht BaFin prüft offenbar Deutsche Bank wegen Zinsskandal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,843093,00.html)
Abstürzende Kurse ... Verluste in Millionenhöhe wegen Strafzahlungen ... Muss der Steuerzahler jetzt bald wieder systemrelevante Banken retten? Entweder verzocken die Banken das Geld der Anleger, oder sie machen Gewinne nur durch Betrug. Und letztlich zahlt der Steuerzahler.
5. Die NEUTRALE Schweiz
papayu 07.07.2012
wird wohl kaum ein Auslieferungsverfahren einleiten!
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  • Freitag, 06.07.2012 – 20:35 Uhr
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Interbankenmarkt und Libor-Zinssatz
Interbankenmarkt
Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Banken, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Geber- und Nehmerbanken wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieses Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 gestört. Weil deshalb der Interbankenmarkt nicht mehr richtig funktioniert, müssen immer wieder die Notenbanken einspringen und die Geschäftsbanken mit billiger Liquidität versorgen.
Libor-Zinssatz
Der Libor - die London Interbank Offered Rate - wird seit den achtziger Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Aus den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz, an dem sich zahlreiche andere Kredite mit variablem Zinssatz orientieren.
Wie kann der Libor manipuliert werden?
Das Problem ist, dass es auf dem Interbankenmarkt im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft an Transparenz mangelt. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen.
Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?
Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie auch für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung: Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können dabei jenen Händlern zu Gewinnen verhelfen, die mit Hilfe entsprechender Derivate auf niedrige Zinsen gewettet haben.
Weiß man, wie viel Geld die Zinsmanipulationen eingebracht haben?
Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.
Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?
Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro Interbank Offered Rate - für den Euro. Er wurde im Jahr 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen beim Euribor.