Organisatorische Mängel Finanzaufsicht rüffelt Banken wegen Zinsaffäre

Im Skandal um manipulierte Zinssätze wirft die Finanzaufsicht BaFin den beteiligten deutschen Banken Versäumnisse vor. Die Institute hätten es den Händlern zu leicht gemacht, die Zinsen zu beeinflussen. Eine bereits begonnene Sonderprüfung bei der Deutschen Bank soll weiterlaufen.


Frankfurt am Main - Die deutschen Banken haben aus Sicht der Finanzaufsicht BaFin nicht genug gegen eine mögliche Manipulation wichtiger Zinssätze getan. Organisatorische Mängel in den Geldhäusern hätten es einzelnen Händlern leicht gemacht, Referenzwerte wie den Libor oder den Euribor zu ihren Gunsten zu beeinflussen, kritisierte BaFin-Chefin Elke König am Dienstag in Bonn. "Die Institute haben diesem Prozess nicht die Bedeutung beigemessen, die er im Rückblick hätte haben sollen."

In dem Manipulationsskandal werden weltweit mehr als ein Dutzend Banken untersucht, in Deutschland unter anderem die Deutsche Bank Chart zeigen. Händler der Institute sollen über Jahre hinweg Referenzzinssätze manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Sätze werden täglich auf Basis der Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten ermittelt.

Für die Meldungen waren bei den Banken einige wenige Personen zuständig. "Bislang sieht es in Deutschland nicht so aus, als hätten wir es mit systematischer Kriminalität zu tun", sagte König. "Es scheint eher um einzelne Händler zu gehen." Mit der Frage, ob Bankvorstände für die organisatorischen Mängel in ihren Häusern verantwortlich gemacht werden können, hat sich die Bonner Aufsichtsbehörde bisher noch nicht befasst.

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Nach dem Bekanntwerden des Zinsskandals habe die BaFin zunächst bei allen Instituten einen Grundcheck gemacht sowie einige Sonderprüfungen, sagte der für Banken zuständige BaFin-Aufseher Peter Lutz. Bei Sonderprüfungen - der schärfsten Waffe der BaFin - schickt die Behörde eigene Prüfer oder externe Gutachter in die Geldhäuser, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Da geeignete Prüfer knapp sind, musste die BaFin jedoch Prioritäten setzen und konzentrierte sich zunächst auf die wichtigsten Institute. Demnächst werden aber auch alle verbliebenen Banken, die an der Erhebung der Zinssätze beteiligt sind, genauer unter die Lupe genommen, sagte Lutz. "Es gibt noch Kandidaten, wo wir Sonderprüfungen durchführen werden."

Am meisten Aufsehen erregt die Überprüfung der Deutschen Bank, bei der seit vergangenem Jahr Sonderprüfungen laufen. Das Institut war neben der abgewickelten WestLB als einziges deutschen Geldhaus an der Erhebung des Libor beteiligt, von dem weltweit Geschäfte von Hunderten Billionen abhängen. Derzeit werde ein erster Bericht zu den Abläufen bei der Deutschen Bank ausgewertet, sagte König. Es gebe aber noch weitere Themen, die analysiert werden müssten.

In den Manipulationsskandal sind viele Großbanken rund um den Globus verwickelt. Die Schweizer UBS Chart zeigen, Barclays Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Chart zeigen mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Bei der Deutschen Bank steht in der Affäre besonders Co-Chef Anshu Jain im Fokus. Er hat jahrelang die Investmentbanksparte geleitet, in der es zu den Manipulationen gekommen ist. Bei Barclays musste der frühere Investmentbankchef Bob Diamond wegen des Zinsskandals gehen.

stk/Reuters



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Seite 1
raber 28.05.2013
1.
gibt BaFin genug Bedeutung? Immerhin ist noch nicht ausgeschlossen, dass es sich nicht um "systematische Kriminalität" handelt. Anscheinend wird es in den USA strenger betrachtet. BaFin "rüffelt". Na und? Wenn es nur das gewesen sein soll, ist das doch kein Problem.
joG 28.05.2013
2. Am meisten manipuliert ...
....die EZB den Zins. Das ist legal, wenn auch sehr teuer für Sparer und Lebensversicherte. Aber sie refinanziert die euroländer Staaten, indem sie ihre Anleihen hält. Das ist nur legal, weil sich kein Staatsanwalt findet, der seine Karriere bereit wäre zu riskieren.
emeticart 28.05.2013
3.
Haben sich die sog. Händler, den Ertrag der Manipulation, in die eigene Tasche gesteckt? Wenn nicht, sofort die Banken und deren Vorstände vor Gericht! SOFORT!!! MfG
moistvonlipwik 28.05.2013
4.
Zitat von emeticartHaben sich die sog. Händler, den Ertrag der Manipulation, in die eigene Tasche gesteckt? Wenn nicht, sofort die Banken und deren Vorstände vor Gericht! SOFORT!!! MfG
Auf welcher rechtlichen Grundlage?
db1966 28.05.2013
5. Pöse, Pöse, Panken
Zitat von sysopDPAIm Skandal um manipulierte Zinssätze wirft die Finanzaufsicht BaFin den beteiligten deutschen Banken Versäumnisse vor. Die Institute hätten es den Händlern zu leicht gemacht, die Zinsen zu beeinflussen. Eine bereits begonnene Sonderprüfung bei der Deutschen Bank soll weiter laufen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzaufsicht-bafin-rueffelt-banken-wegen-zinsaffaere-a-902427.html
Die betroffenen Institute zittern bestimmt schon vor den 'harten' Strafen der Bafin. Besonders die Großen bzw. das große Institut in D. Gerade bei uns wird ja besonders rigoros mit den Banken umgegangen, wenn diese sich etwas zu Schulden kommen lassen. Man könnte fast Mitleid bekommen, wenn man diesen Artikel liest... Zum Glück springt immer wieder die Politik ein, um mit Geburtstagsfeiern für die Führungskräfte und diversen Milliardengeschenken aus Steuermitteln das gröbste Leid der Bänker abzumildern.
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