London/Berlin - Mit einer Aufstockung ihrer Kapitalreserven haben sich die Europäischen Banken gegen weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten gerüstet. Die Kreditinstitute hätten ihre Rücklagen seit vergangenem Dezember um mehr als 200 Milliarden Euro erhöht, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zur Rekapitalisierung des Finanzsektors.
Ende vergangenen Jahres hatte die EBA die Ergebnisse eines sogenannten Stresstests veröffentlicht. Demnach fehlten den 71 untersuchten Banken damals mindestens 115 Milliarden Euro hartes Eigenkapital. Allein bei den deutschen Banken im Test belief sich die Lücke auf 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni 2012 sollten sie sich das Geld beschaffen. Das konkrete Ziel: Sie sollten neun Prozent der Kredite und Wertpapiere in ihren Bilanzen mit sogenanntem harten Eigenkapital decken können, also mit Aktienkapital und einbehaltenen Gewinnen.
Das ist bei den allermeisten Banken geglückt. Lediglich vier Institute erreichten diese sogenannte Eigenkapitalquote nicht, darunter die italienische Monte dei Paschi di Siena sowie eine slowenische Bank und zwei Institute aus Zypern. Griechische Banken waren aus der Studie allerdings ebenso ausgeschlossen wie die in Abwicklung befindliche deutsche WestLB und das spanische Probleminstitut Bankia.
Lob für die deutschen Banken
Die Aufstockung der Reserven habe nicht zu der befürchteten Kreditklemme geführt, teilte die EBA mit. Die Geldhäuser hätten die zusätzlichen Mittel durch Auszahlungsstopps bei Dividenden und den Abbau risikoreicher Vermögensteile generiert.
EBA-Präsident Andrea Enria bescheinigte den europäischen Banken einen "bedeutenden Fortschritt" bei der Stärkung ihrer Kapitalrücklagen. Die Finanzinstitute seien nun in einer besseren Verfassung, um die Realwirtschaft mit Geld zu versorgen, müssten den eingeschlagenen Weg aber weitergehen.
Der für die Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier begrüßte die Ergebnisse. Die Banken könnten die Wirtschaft nun nachhaltig finanzieren, erklärte Barnier in Brüssel. "Das ist ein wirklicher Fortschritt, über den ich mich freue."
Die zwölf untersuchten deutschen Banken erreichten zum Stichtag 30. Juni eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 10,7 Prozent, wie die Deutsche Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin mitteilten. Sie hätten die Kapitalanforderungen insgesamt sogar um 15,5 Milliarden Euro übertroffen.
Bei der Mehrzahl der Institute habe die Quote über zehn Prozent gelegen. "Damit haben die deutschen Institute die strengen und deutlich über den derzeit gültigen gesetzlichen Mindestkapitalanforderungen liegenden Zielvorgaben der EBA sogar übererfüllt", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger.
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