Kapitaltest: Europas Banken wappnen sich gegen neue Krisen

Die meisten europäischen Finanzkonzerne haben sich gegen mögliche neue Turbulenzen gerüstet. Laut der Aufsichtsbehörde EBA stärkten 71 untersuchte Institute ihr Eigenkapital seit Ende 2011 um mehr als 200 Milliarden Euro. Nur vier Geldhäuser verfehlten die Auflagen.

Londons Bankenviertel Canary Wharf: Der Großteil der Institute steht gut da Zur Großansicht
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Londons Bankenviertel Canary Wharf: Der Großteil der Institute steht gut da

London/Berlin - Mit einer Aufstockung ihrer Kapitalreserven haben sich die Europäischen Banken gegen weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten gerüstet. Die Kreditinstitute hätten ihre Rücklagen seit vergangenem Dezember um mehr als 200 Milliarden Euro erhöht, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zur Rekapitalisierung des Finanzsektors.

Ende vergangenen Jahres hatte die EBA die Ergebnisse eines sogenannten Stresstests veröffentlicht. Demnach fehlten den 71 untersuchten Banken damals mindestens 115 Milliarden Euro hartes Eigenkapital. Allein bei den deutschen Banken im Test belief sich die Lücke auf 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni 2012 sollten sie sich das Geld beschaffen. Das konkrete Ziel: Sie sollten neun Prozent der Kredite und Wertpapiere in ihren Bilanzen mit sogenanntem harten Eigenkapital decken können, also mit Aktienkapital und einbehaltenen Gewinnen.

Das ist bei den allermeisten Banken geglückt. Lediglich vier Institute erreichten diese sogenannte Eigenkapitalquote nicht, darunter die italienische Monte dei Paschi di Siena sowie eine slowenische Bank und zwei Institute aus Zypern. Griechische Banken waren aus der Studie allerdings ebenso ausgeschlossen wie die in Abwicklung befindliche deutsche WestLB und das spanische Probleminstitut Bankia.

Lob für die deutschen Banken

Die Aufstockung der Reserven habe nicht zu der befürchteten Kreditklemme geführt, teilte die EBA mit. Die Geldhäuser hätten die zusätzlichen Mittel durch Auszahlungsstopps bei Dividenden und den Abbau risikoreicher Vermögensteile generiert.

EBA-Präsident Andrea Enria bescheinigte den europäischen Banken einen "bedeutenden Fortschritt" bei der Stärkung ihrer Kapitalrücklagen. Die Finanzinstitute seien nun in einer besseren Verfassung, um die Realwirtschaft mit Geld zu versorgen, müssten den eingeschlagenen Weg aber weitergehen.

Der für die Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier begrüßte die Ergebnisse. Die Banken könnten die Wirtschaft nun nachhaltig finanzieren, erklärte Barnier in Brüssel. "Das ist ein wirklicher Fortschritt, über den ich mich freue."

Die zwölf untersuchten deutschen Banken erreichten zum Stichtag 30. Juni eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 10,7 Prozent, wie die Deutsche Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin mitteilten. Sie hätten die Kapitalanforderungen insgesamt sogar um 15,5 Milliarden Euro übertroffen.

Bei der Mehrzahl der Institute habe die Quote über zehn Prozent gelegen. "Damit haben die deutschen Institute die strengen und deutlich über den derzeit gültigen gesetzlichen Mindestkapitalanforderungen liegenden Zielvorgaben der EBA sogar übererfüllt", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger.

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
larousse 03.10.2012
Zitat von sysopAFPDie meisten europäischen Finanzkonzerne haben sich gegen mögliche neue Turbulenzen gerüstet. Laut der Aufsichtsbehörde EBA stärkten 71 untersuchte Institute ihr Eigenkapital seit Ende 2011 um mehr als 200 Milliarden Euro. Nur vier Geldhäuser verfehlten die Auflagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzaufsicht-eba-banken-sammeln-ausreichend-kapital-ein-a-859352.html
"Nur vier Geldhäuser verfehlten die Auflagen" ..... Was soll das denn heissen....die Banken bekommen Milliarden geschenkt....und das reicht immer noch nicht. Die Regierungen können froh sein, dass die menschen so blöde und phlegmatisch sind und nicht Revolution machen - verdient hätten es die Machthaber allemal. Einfachste Leute platt machen - darin sind sie gross !
2. Bin schon ganz gespannt
anbue 03.10.2012
Zitat von sysopAFPDie meisten europäischen Finanzkonzerne haben sich gegen mögliche neue Turbulenzen gerüstet. Laut der Aufsichtsbehörde EBA stärkten 71 untersuchte Institute ihr Eigenkapital seit Ende 2011 um mehr als 200 Milliarden Euro. Nur vier Geldhäuser verfehlten die Auflagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzaufsicht-eba-banken-sammeln-ausreichend-kapital-ein-a-859352.html
auf den Artikel, in dem SPON am Montag beschreibt, welche Konsequenzen den 4 Instituten daraus erwachsen. Monte dei Paschi di Siena ist zwar die vermutlich älteste Bank der Welt, aber alles hat ein Ende.
3.
spezl 03.10.2012
Zitat von larousse"Nur vier Geldhäuser verfehlten die Auflagen" ..... Was soll das denn heissen....die Banken bekommen Milliarden geschenkt....und das reicht immer noch nicht. Die Regierungen können froh sein, dass die menschen so blöde und phlegmatisch sind und nicht Revolution machen - verdient hätten es die Machthaber allemal. Einfachste Leute platt machen - darin sind sie gross !
Vielleicht ist es auch eher ein Zeichen dafür, dass die Banken das Geld in der Regel nicht geschenkt bekommen, sondern als Kredit...?
4. Solidaritaet unter Banken
harringer 03.10.2012
Ein wenig kommentierte moeglichkeit den notleidenden banken zu hilfe waere dass die banken die gut dastehen denen die schlecht dastehen geld schenken. Ist nicht einzusehen, dass nur der buerger zahlt. Die banken sollten sich gegenseitig helfen.
5.
Berliner42 03.10.2012
Zitat von spezlVielleicht ist es auch eher ein Zeichen dafür, dass die Banken das Geld in der Regel nicht geschenkt bekommen, sondern als Kredit...?
Das wäre dann kein Eigenkapital.
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