Kampf gegen Geldwäsche Finanzaufsicht ermittelt angeblich gegen Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hat offenbar erneut Ärger mit der Finanzaufsicht Bafin. Diese wirft dem Geldhaus laut "Welt am Sonntag" zu laxe Kontrollen von Geldwäsche vor. Verdächtige Transaktionen seien der Polizei zu spät gemeldet worden.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Potentielles Bußgeld von 100.000 Euro
AP/dpa

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Potentielles Bußgeld von 100.000 Euro


Frankfurt - Die Deutsche Bank ist einem Bericht zufolge mit Vorwürfen konfrontiert, nicht ausreichend gegen Geldwäsche vorgegangen zu sein. Laut "Welt am Sontag" ermittelt die Finanzaufsicht Bafin gegen das Institut.

Um das größte deutsche Bankhaus zu überprüfen, habe die Behörde eine Ermittlertruppe des Wirtschaftsprüfers EY (früher Ernst & Young) beauftragt. Konkret werfe die Bafin dem Geldhaus vor, es habe in mehreren Fällen verdächtige Transaktionen zu spät an die Polizei gemeldet. Möglicherweise sei das interne Alarmsystem nicht richtig eingestellt. Das potentielle Bußgeld betrage in diesem Fall maximal 100.000 Euro, schreibt die Zeitung.

Die Finanzaufsicht wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. "Zu einzelnen Instituten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung", sagte ein Bafin-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Auch die Deutsche Bank gab kein konkretes Statement ab. Generell gelte, dass die Bank die Bekämpfung von Geldwäsche ernst nehme, so ein Sprecher der Bank. Ein Sprecher von EY lehnte auf dpa-Anfrage einen Kommentar ab.

Die Finanzaufsicht hat bereits mehrfach gegen die Deutsche Bank ermittelt. In ihrem Abschlussbericht zur Manipulation des Referenzzinssatz Libor kommt die Bafin Finanzkreisen zufolge zu dem Schluss, dass die Bank ihre Mitarbeiter zu lax kontrolliert hat.

Auch hat die Bafin inzwischen Untersuchungen wegen mutmaßlicher Tricksereien bei einem viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte, dem sogenannten ISDAfix, eingeleitet. Das wurde Anfang August bekannt.

Hintergrund waren Berichte des Nachrichtendienstes Bloomberg, dass die US-Aufsicht CFTC Belege für Manipulation an dem wichtigen Referenzwert gefunden haben soll. Laut Bloomberg prüfen die US-Behörden die Rolle von insgesamt 15 Banken, darunter sei auch die Deutsche Bank.

Der ISDAfix-Referenzwert ist für die Festlegung von Preisen bei komplexen Finanzprodukten, die nicht über die Börsen gehandelt werden, von zentraler Bedeutung, etwa bei Zinsderivaten. Das Volumen der betroffenen Geschäfte könnte Schätzungen zufolge 450 Billionen US-Dollar umfassen. Das ist ein wesentlich größeres Volumen als im ähnlich gelagerten Libor-Skandal.

kgp/dpa/Reuters



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insgesamt 5 Beiträge
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ernstmoritzarndt 17.08.2013
1. Blauäugigkeit/Große Überraschung
Von der Deuba bis zur "kleinen und feinen" Privatbank wurden die Schiebereien vor einigen Jahren begleitet - und nun sind wir alle wirklich "überrascht". Selbst Öffentlich - Rechtliche Institute (Sparkassen) waren an dem Quatsch beteiligt und wundern sich nun, wenn die nach Luxemburg vermittelten Klienten "sauer" sind, weil ihnen der Fiskus auf die Schliche kommt bzw. sie aus gegebenem Anlass vorsorglich eine Selbstanzeige erstatten und ihre Steuern nun mit Zinsen nachzahlen. Die Sparkassenaufseher, die sich als Politiker jetzt so gerne gegen die Privatbanken hervorheben, sollten besser stille schweigen. Dekafonds wurde auch in Luxemburg gerne angelegt - versteht sich ohne Einkommensteuern!
snobody2 17.08.2013
2. Dass immer wieder die Deutsche Bank...
Zitat von sysopAP/dpaDie Deutsche Bank hat offenbar erneut Ärger mit der Finanzaufsicht Bafin. Diese wirft dem Geldhaus laut "Welt am Sonntag" zu laxe Kontrollen von Geldwäsche vor. Verdächtige Transaktionen seien der Polizei zu spät gemeldet worden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzaufsicht-ermittelt-angeblich-gegen-deutsche-bank-a-917161.html
in Zusammenhang mit Betrug, Geldwäsche, Schwarzgeldverschiebung, Kursmanipulation, Erpressung von Hausbesitzern (USA), Spekulation mit Grundnahrungsmitteln und vielen anderen Sauereien steht, ist ja nun wirklich nichts Neues mehr. Warum wird dieses Verbrechersyndikat nicht endlich zerschlagen? Statt dessen feiert Frau Bundeskanzlerin Merkel mit dieser Skandaltruppe Geburtstag. Das passt gut zusammen!
rambo-1950 18.08.2013
3. Freifahrscheine für internationalen
Steuerbetrug - Geldwäsche usw usw. Passieren tut nichts, maximal Geldstrafe 100.000.- Peanuts und der Betrug & Schwindel geht weiter! Warum und weshalb sind sich Länder nicht einig, zumindest einen minimlasten Teil mittels Transaktionssteuern abzuschöpfen? Weil sie nicht wollen und alles Lug & Trug wie bei den Bankstern oder H. Schäuble?
hidra 18.08.2013
4. Nanu, nanu. was sagt man denn dazu !
Voellig richtig! Dem Finanzkapital sollte wirklich auf die Finger geschaut werden. Die Banken sollten wirklich das Rueckgrat der Realwirtschaft sein . Aber es geht hier um zuegelloses Geschaeftemachen mit hoechsten Gewinnen. Damit haben die Mafia und die Rockerbanden beste Erfahrungen . Hoffe das nach der Wahl dieser Punkt , ein Schwerpunkt der sozialdemokratischen Politik wird.
raber 19.08.2013
5. Deutsche Bank ist nicht Herr Saubermann
Ist schon erstaunlich wie oft die Deutsche Bank in Ermittlungen verwickelt ist. Das Image ist wirklich nicht das von Herrn Saubermann sondern eher umgekehrt. Und bisher sind nur Ermittlungen in den USA, Singapur und Deutschland im Gespräch gewesen. Wenn jemand den Steuerhinterziehern, Mafia, Drogenbossen usw. beim Geldwaschen hilft, dann sollte aber nicht nur die Bank mit belastet werden wenn es auffliegt sondern gleichzeitig auch die Verantwortlichen und die Oberbosse (und zwar mit Gefängnisstrafen wegen ihrer kriminellen Energie). Sonst geht es immer "nur" um das Geld der Bank und die wahren Übeltäter kommen ungeschoren davon und kassieren auch noch saftige Boni.
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