Libor-Affäre: Finanzaufseher kritisieren Schlamperei bei Deutscher Bank

Es ist ein schlechtes Zeugnis: Im Skandal um manipulierte Zinssätze wirft die Finanzaufsicht BaFin der Deutschen Bank laut einem Zeitungsbericht "organisatorische Mängel" vor. Das Institut habe die Vorgänge nicht rechtzeitig aufgeklärt. Personelle Konsequenzen fordert die Behörde jedoch nicht.

Deutsche-Bank-Türme: Co-Chefs des Geldhauses werden laut Bericht nicht belastet Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Türme: Co-Chefs des Geldhauses werden laut Bericht nicht belastet

Frankfurt am Main - Die Finanzaufsicht BaFin wirft der Deutschen Bank in ihrem Bericht zum Zinsskandal offenbar "organisatorische Mängel" vor. Die Bank habe die mutmaßlichen Manipulationen "nicht rechtzeitig und umfassend" untersucht und aufgeklärt, berichtet das "Handelsblatt". Die Risiken bei der Festlegung des Referenzzinssatzes Libor seien unterschätzt worden. Die Bank habe das sogenannte Vier-Augen-Prinzip missachtet, wonach die Eingaben der Händler noch einmal hätten überprüft werden müssen.

In den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze wie den Libor und den Euribor sind weltweit mehr als ein Dutzend Banken verwickelt. Mehrere Behörden ermitteln. Drei Institute mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen: Barclays, UBS und die Royal Bank of Scotland. Allein der täglich ermittelte Libor (London Interbank Offered Rate) ist Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus.

Die BaFin hatte wegen des Skandals vor einem Jahr eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank gestartet. Bis Ostern sollen ihre gesammelten Erkenntnisse dem Bundesfinanzministerium vorliegen. "Es bleibt dabei, dass wir im ersten Quartal einen vorläufigen Schlussstrich unter das Thema Libor ziehen werden", hatte BaFin-Chefin Elke König am Dienstag gesagt.

Die neue Führungsspitze der Bank, die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen, werden laut "Handelsblatt" im BaFin-Bericht nicht belastet. Die Behörde fordere keine personellen Konsequenzen. Für niedrigere Hierarchieebenen sei die Bank selbst verantwortlich.

Am Mittwoch hatte Deutschlands größtes Geldhaus seinen ohnehin niedrigen Gewinn für das Geschäftsjahr 2012 nachträglich nach unten korrigieren müssen. Grund waren neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Hintergrund ist laut "Handelsblatt" ein Verfahren in den USA: Dort habe ein Gericht die Bank für den 12. April vorgeladen. Thema seien Schadensersatzforderungen wegen Geschäften am US-Hypothekenmarkt.

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stk/Reuters

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
rsi 21.03.2013
Die kritisieren die Schlamperei bei der Deutschen Bank? Da sollten die erst einmal sehen, wie das in Behörden und bei der EU so zugeht.
2. Das ist bei der DB wie in der Politik
iffel1 21.03.2013
da werden massive Fehler von Mitarbeitern gemacht und nichts passiert, da der jeweilige Vorgesetzte Angst um seine Reputation hat und das setzt sich nach "oben" fort. Fazit: Keiner wills gewesen sein. Das was die DB in den USA sich eingefangen hat ist wirklich das Werk von Dilettanten (Mitarbeitern und Führungskräften der DB).
3. "organisatorische Mängel" ?
manni.baum 21.03.2013
wenn die Bank gar nicht aufklären wollte sind das "organisierte Mängel".
4. Nanu!!??
tropf 21.03.2013
Ich seh ja gar keine Kommentare, na denn scheint ja mal wieder alles in Ordnung zu sein in DE
5. Wie will die BAFin ....
joG 21.03.2013
...."personelle Konsequenzen" fordern? Ihre Mitarbeiter wussten wie Libor gefixt wurde, gaben mit konkludentem Handeln über Jahrzehnte ihr Plazet und sie kontrollierten und kontrollierten die Deutsche Bank laufend, umfangreich und mit großem Aufwand.
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