Nach fünf Jahren Flucht: Finanzjongleur Florian Homm in Italien verhaftet

Investitionen bei Borussia Dortmund machten ihn einst berühmt. Nun könnten ihn seine Finanzgeschäfte ins Gefängnis bringen: Der Hedgefonds-Manager Florian Homm ist in Italien verhaftet worden. Seine fünfjährige Flucht endete im Museum.

Großmaul und Großverdiener: Das bewegte Leben des Florian Homm Fotos
Getty Images

Rom - Vergangene Woche talkte er noch unbehelligt im ZDF bei Peter Hahne, aus dem berühmten Kunstmuseum in Florenz ließen ihn die Ermittler jedoch nicht entkommen: Der mutmaßliche Millionenbetrüger und ehemalige Hedgefonds-Manager Florian Homm sitzt nach fünf Jahren Flucht in Italien in Haft. Der 53-Jährige sei am Freitag bei einem Besuch der Uffizien festgenommen worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Samstag.

Homm war ein Gesicht des kalten Finanzkapitalismus. 2007 tauchte der Hedgefonds-Manager mit einem Millionenvermögen unter. Ihm wird Betrug bei Wertpapiergeschäften in großem Stil vorgeworfen. Die US-Börsenaufsicht SEC verlangt von ihm rund 56 Millionen Dollar (44 Millionen Euro).

Homm soll für Verluste von Investoren in Höhe von 200 Millionen Dollar verantwortlich sein. Die Geschädigten sollen in die von ihm gegründete Hedgefonds-Gesellschaft Absolute Capital Management investiert haben. In Los Angeles liegt eine Strafanzeige gegen ihn vor, ihm werden Verschwörung und Betrug vorgeworfen. Mit einem ausgefeilten Betrugssystem soll er den Wert von eigentlich wertlosen Aktien künstlich in die Höhe getrieben haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm in den USA bis zu 75 Jahre Haft.

Auslieferung an die USA erwartet

Der Hinweis, der zur Festnahme des Deutschen führte, kam aus den USA: Ein FBI-Beamter habe das US-Konsulat in Mailand informiert. Der 53-Jährige soll das Museum zusammen mit seiner Ex-Frau und seinem Sohn besucht haben. Es wird erwartet, dass ihn die italienischen Behörden an die USA ausliefern.

Homm war 2004 bekanntgeworden, als er in die damals marode Borussia Dortmund investierte. Mit mehr als 25 Prozent stieg er in den Fußballclub ein.

Noch vergangene Woche diskutierte der Großneffe des Versandhändlers Josef Neckermann entspannt mit der Linken-Vorsitzenden Sahra Wagenknecht in der Talkshow von Peter Hahne im ZDF. Das Studio konnte der ehemalige Hedgefonds-Manager anschließend offenbar unbehelligt verlassen.

Zuletzt hatte Homm im November 2012 mit der Veröffentlichung seines Buchs "Kopf, Geld, Jagd" große mediale Aufmerksamkeit bekommen und in Interviews von Flucht und Abenteuersucht erzählt. Sein Buch erzählte auch davon, dass er stets an den Grenzen der Legalität entlangschrammte und die der Moral regelmäßig überschritt. Sein Wunsch sei aber eigentlich gewesen, in ein normales Leben zurückzukehren.

sun/dpa/AP

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1. Am 3. März talkte Homm noch unbehelligt beim ZDF
tz88ww 09.03.2013
Schön, dass das GEZwangsfinanzierte ÖFI-Fernsehen solchen Spinnern immer wieder gerne ne Bühne gibt. Armes Deutschland
2. Ich bin bass erstaunt...
tzdv9000 09.03.2013
...man stelle sich folgende Situation vor: Lieschen Müller steht vorm Studio beim Hahne und möchte der Wagenknecht erklären, dass sie den Kanten Brot nur des Hungers wegen geklaut habe - ob sie es überhaupt noch bis in das Gebäude geschafft hätte? Nun, ein weiteres Kapitel aus der Geschichte "Haste Geld, haste Recht".
3. Seht gut !
seppiverseckelt 10.03.2013
...und bitte bitte WIRKLICH an die USA ausliefern - und nicht an Uns! Und in den Staaten möge er dann Jahrzehntelang im Dunkelsten Loch Knasten- bis er Verfault !
4. Nun hat er genügend Zeit
PsyDyn 10.03.2013
Der Herr sollte seine 75 Jahre, sprich wirklich bis ans Lebensende, hinter Gefängnismauern verbringen und gründlich darüber nachdenken, was er angerichtet hat. Gemessen an den Strafen für Kleinkriminelle müßte er eigentliche ein paar Jahrhunderte bekommen. Und das zeigt die Insuffizienz unseres Strafrechts gegenüber den Fratzen des großen Betrugs. Der Ekel, den man vor dieser zynischen Visage empfinden muß, kann die Bösartigkeit und das Fehlen jeglicher Empathie, der von dieser dürftigen Persönlichkeit ausgegangen ist, nur annähernd wiedergeben.
5. Wie das Fähnlein im Winde?
kalif1978 10.03.2013
Zitat Spon:"Mit einem ausgefeilten Betrugssystem soll er den Wert von eigentlich wertlosen Aktien künstlich in die Höhe getrieben haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm in den USA bis zu 75 Jahre Haft. " Vielleicht kann mir hier ja jemand erklären, wo jetzt der Unterschied zum Hochfrequenzhandel ist. Das ist doch auch Betrug. Da werden Werte ganz hoch gehandelt, obwohl sie nur Luftnummern sind. Kurse von Firmen/Konzernen die vielleicht sehr gut aufgestellt sind, werden in den Keller gejagt. Das kann sich natürlich dann auch in Sekunden wieder ändern. Aber mit realität hat das nüschts zu tun. Ist doch auch Anlagebetrug und eigentlich auch Sittenwidrig. Also alle Politiker die vor einer oder zwei Wochen dafür gestimmt haben, natürlich auch die Broker die den Handel anzetteln und jeder Anleger der auf Kosten anderer damit reich werden will, ab in die U.S.A und 75 Jahre wech. Aber da hat die Deutsche Bank bestimmt schon bescheid gestoßen, das sie das für richtig hält. Und unser EZB-Chef(der ehemalige Goldmann mitarbeiter) hält das bestimmt auch für eine fairen Handel.n
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