Niedrige Zinsen Finanzinvestoren bürden Firmen Rekordschulden auf

Große Private-Equity-Gesellschaften in den USA nutzen die aktuellen Niedrigzinsen offenbar als Gewinnbeschleuniger: Die von ihnen übernommenen Firmen nehmen im laufenden Jahr im Rekordtempo neue Schulden auf, um sie dann als Dividende an die Finanzinvestoren auszuschütten - ein riskantes Manöver.

New York: Hier haben einige Finanzinvestoren ihren Sitz
REUTERS

New York: Hier haben einige Finanzinvestoren ihren Sitz


New York - Die Angst vor einem Ende der ultraniedrigen Zinsen treibt die Verschuldung vieler Firmen offenbar drastisch nach oben. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" bürden Private-Equity-Gesellschaften den von ihnen übernommenen Firmen derzeit im Rekordtempo neue Verbindlichkeiten auf. Dabei geht es darum, das geliehene Geld möglichst schnell als Dividende an die Investoren auszuschütten.

Laut dem Bericht haben die von Finanzinvestoren übernommenen Firmen allein in diesem Jahr bereits 47,4 Milliarden Dollar an neuen Krediten oder durch Anleihenverkäufe aufgenommen, um damit die Ausschüttungen zu bezahlen. Das seien 62 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, das bisher den Rekord beim Schuldenmachen markierte. Das Blatt beruft sich dabei auf Daten des Anbieters S&P Capital IQ LCD.

Private-Equity-Gesellschaften kaufen Firmen zum Großteil mit geliehenem Geld, das sie sich durch Dividendenausschüttungen von den übernommenen Unternehmen zurückholen. Um den Gewinn der Investoren zu maximieren, müssen die Firmen oft hohe Verbindlichkeiten aufnehmen und das Geld an die Besitzer weiterreichen. Das erhöht den Verschuldungsgrad der Firmen und damit auch das Pleite-Risiko.

Solche Dividenden-Deals seien wie ein Wohnkredit, den ein Hausbesitzer aufnehme, um mit dem Geld in Urlaub zu fahren, zitiert das "Wall Strett Journal" den Fondsmanager Ray Kennedy von Hotchkis & Wiley Capital Management. "Man nutzt das geliehene Geld nicht, um irgendetwas Produktives im Haus zu machen, sondern man geht einfach raus und gibt das Geld aus."

Dass sich die Schuldenaufnahme im laufenden Jahr so drastisch beschleunigt hat, liegt offenbar an der Angst vor steigenden Zinsen. Die US-Notenbank Fed hält den Leitzins seit Jahren bei quasi null Prozent und drückt die Marktzinsen zudem durch Anleihekäufe. Das macht die Kreditaufnahme extrem günstig. Zuletzt gab es jedoch Befürchtungen, die Fed könnte langsam aus Politik des billigen Geldes aussteigen und die Zinsen wieder etwas steigen lassen. Das würde die Dividendengeschäfte der Finanzinvestoren schnell wieder verteuern.

stk

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insgesamt 253 Beiträge
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Halcroves 06.08.2013
1. strep by step
Wahnsinn - werde mal vorsichtshalber anfangen Kartoffeln an zu bauen
Garum 06.08.2013
2. Wenn die nächste Blase platzt
Da wird doch schon wieder auf die nächste Finanzkatastrophe hingarbeitet.Wieviele Firmen gehen bei der nächsten Finanzkrise den Bach runter, wieviele reale Arbeitssplätze werden vernichtet.Kapitalismus in Reinkultur.Irgend jemand muss soetwas doch mal stoppen.
ergoprox 06.08.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSGroße Private-Equity-Gesellschaften in den USA nutzen die aktuellen Niedrigzinsen offenbar als Gewinnbeschleuniger: Die von ihnen übernommenen Firmen nehmen im laufenden Jahr im Rekordtempo neue Schulden auf, um sie dann als Dividende an die Finanzinvestoren auszuschütten - ein riskantes Manöver. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzinvestoren-buerden-firmen-rekordschulden-auf-a-914978.html
Und in ein paar Jahren war wieder niemand schuld.
zabbaru 06.08.2013
4. Den Finanzfaschismus
in seinem Lauf halten weder Schulden noch Pleiten auf. Der Finanzsektor hat sich völlig von der Realwirtschaft entkoppelt und keiner will sehen, daß uns dies immer schneller in die globale Katastrophe führt. Geld hat dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt ! Dies werden wir in nicht allzuferner Zukunft auf die harte Tour lernen, da wir Menschen offenbar nicht in der Lage sind, durch Intelligenz unser Verhalten zu ändern.
copperfish 06.08.2013
5. à la FDP
Das sind die Heuschrecken. Nach uns die Sintflut. Und wahrscheinlich müssen dann aus den Altersrücklagen der Belegschaft die Schulden bezahlt werden. Naja, immerhin belibt dann nach dem Verlust des Arbeitsplatzes noch ein schöner Pappkarton. Es lebe der Kapitalismus nach à la FDP!
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