Finanzkrise Banken schicken Europas Börsen auf Talfahrt

Der Abwärtstrend an den europäischen Börsen wird immer dramatischer. Der Dax schloss mit 5,3 Prozent im Minus und rutschte auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2009. Besonders Aktien von Geld-Instituten verloren deutlich - die der Deutschen Bank büßte knapp neun Prozent ein.

Händler an der Frankfurter Börse: "Resignation prägt die Stimmung"
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Händler an der Frankfurter Börse: "Resignation prägt die Stimmung"


Frankfurt am Main - Rezessionsangst und Euro-Krise haben dem deutschen Leitindex am Montag ordentlich zugesetzt. Der Dax machte nach einem schwachen Start massive Verluste: Er schloss mit einem Minus von 5,3 Prozent und rutschte auf 5246 Punkte. Der Tiefpunkt lag bei 5208 Punkten. Auch andere europäische Börsen rutschten tief ins Minus.

Besonders hart traf es Bankentitel. Die Aktien der Deutschen Bank Chart zeigenbüßten zum Handelsschluss 8,86 Prozent ein, an der Pariser Börse verloren die Aktien der Großbank Société Générale Chart zeigen8,64 Prozent. Auch italienische, britische und Schweizer Institute mussten herbe Einbußen hinnehmen. Hintergrund für das Absacken der Deutschen Bank waren vor allem neue rechtliche Probleme in den USA und in Großbritannien.

Josef Ackermann warnte bei einem seiner letzten Auftritte als Vorstandschef vor einer neuen Finanzkrise. Der Deutsche-Bank-Chef malte düstere Szenarien: Er fühle sich an den Herbst 2008 erinnert. Damals hatte die US-Bank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet und die weltweite Finanzkrise ausgelöst.

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Erklär-Grafiken: Vom Börsenabsturz in die Rezession
Als Gründe für das Montagsminus wurden die anhaltenden Konjunktur- und Schuldensorgen genannt - insbesondere mit Blick auf Griechenland und Italien. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen mit den wichtigsten Aktien der Eurozone sackte um knapp fünf Prozent auf 2112,13 Punkte ab. Die New Yorker Wall Street blieb wegen eines Feiertages geschlossen. Der am Freitag veröffentlichte Bericht vom schwachen US- Arbeitsmarkt könnte allerdings ebenfalls die Sorgen der Anleger vor einem Rückfall der weltgrößten Volkswirtschaft in die Rezession verstärkt haben.

Händler berichteten, jede schlechte Nachricht oder Spekulation schlage sich sofort in den Kursen nieder. Dieser extreme Pessimismus hatte bereits den Monat August geprägt - dem schloss sich dann in der vergangene Woche ein Aufwärtstrend an, der sich nun aber als kurzes Zwischenhoch entpuppte. Im Vergleich zum Jahreshoch bei 7600 Punkten Anfang Mai liegt das Dax Chart zeigen-Minus inzwischen bei gut 30 Prozent.

"Die Lawine ist ins Rollen gekommen", sagte ein Börsianer. "Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung." Die Finanzwerte litten vor allem unter einer Vertrauenskrise, fügte ein weiterer hinzu. Von Panik mochte dennoch niemand etwas wissen. "Das ist ein geordneter Abverkauf", fasste ein Händler zusammen.

Am Dax-Ende mussten außerdem die Autokonzerne Daimler Chart zeigen und BMW Chart zeigen Abschläge von mehr als sechs Prozent hinnehmen .

Gold lag hingegen am Montag leicht im Plus und bewegte sich mit Kursen von knapp unter 1900 Dollar wieder auf seinen Rekord vom August zu. Die Ölpreise gingen leicht zurück. Auch damit setzte sich der Trend vom August fort, sagten Börsenexperten: Fällt die Börse, steigt Gold Chart zeigen, das als "sicherer Hafen" und Krisenwährung gilt. Die Ölpreise belasten wiederum die Aussicht auf eine schwächelnde Konjunktur weltweit - oder gar eine Rezession. Der Euro-Kurs fiel im Nachmittagshandel unter die Marke von 1,41 Dollar.

Die Banken der Euro-Zone parken derweil mehr Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Einlagen für 24 Stunden betrugen laut EZB am Freitag 151 Milliarden Euro - ein Rekordhoch. Die Höhe der Banken-Einlagen bei der EZB ist ein Indikator für den Interbanken-Verkehr und damit für das Vertrauen in die Banken untereinander. Je mehr sie bei der EZB deponieren, um so weniger vertrauen sie sich gegenseitig. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Krise verschärft.

nkk/dpa/AFP



insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
doc 123 05.09.2011
1. Ende des Spuks!
Zitat von sysopDer Abwärtstrend an den europäischen Börsen wird immer dramatischer. Der Dax schloss mit 5,3 Prozent im Minus und rutschte auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2009. Besonders Aktien von Geld-Instituten verloren deutlich - die der Deutschen Bank büßte knapp neun Prozent ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784526,00.html
Erst wenn sämtliche Investmentbanken pleite sind, wird dem Spuk hoffentlich ein Ende gesetzt. Geht nicht, gibts nicht. Alternativlos müssen die Banken wieder gerettet werden. Dann eben sind die Länder pleite... Die Wellenbewegungen nach unten sind nicht auzuhalten, noch (5) - 4 - 3 - 2 - 1 ENDE!
Progressor 05.09.2011
2. Rezession
Nun heisst es die Konjunktur wieder anzukurbeln, sprich neue Staatsverschuldung. Alternativlos. Ausserdem sollten sich die Arbeitnehmer darauf einstellen, länger und härter für weniger Geld zu arbeiten. Schliesslich muss unser Exportüberschuss (der Leistungsträger Deutschlands) weiter genährt werden. ;-)
wika 05.09.2011
3. Wo bleibt der Ruf nach den Rettungspaketen?
Bei soviel Talfahrt muss doch jetzt der Michel wieder einspringen, damit es die Banken nicht versenkt. Schließlich drohen bei stabilen Börsenkursen an der Unterkante wieder massive Wertberichtigungen die Liquidität erfordern. Schönes dramatisches Zwischenschauspiel um nochmals nach den Euro-Bonds zu schreien … bestens gleich einen Rahmen von 8-10 Billionen anpeilen, dann haben die Banken noch eine Weile Luft. Sicherlich wird Merkel den Ruf der Banken in den kommenden Wochen nicht überhören. Und für diejenigen die gerade ihren Kindern nochmal plausibel machen möchten wie *Euro-Bonds funktionieren, warum die so gut für die Banken sind und wie man sich mit dieser Wunderwaffe bestens den Kopfschuss verpassen kann*, hier die passende und kindgerechte Erläuterung … Link (http://qpress.de/2011/09/02/esm-die-neue-eu-heilslehre-kindgerecht-erklart/). Selbstverständlich werden uns Banken, Medien und Politiker im vereinten Konzert davon überzeugen, dass dies zum Erhalt unser aller Wohl und insbesondere einer gesunden Volksausbeute zuliebe völlig „Alternativlos“ ist. Also, alle wieder an die Kasse gestürmt … Einritt nur für Banken und Konzerne.
weltbetrachter 05.09.2011
4. Karussell-Bremser
Wenn die Politik es nicht schafft, das EU und EURO-Rettunsschirm-Karussell zu bremsen, denn schafft es am Mittwoch hoffentlich das Bundesverfassungsgericht. . E S R E I C H T !!!!
roland.vanhelven 05.09.2011
5. na endlich
merken Sie es auch langsam ? ganz nach plan werden Euro und wirtschaft vernichtet. vorsaetzlich. und ich kann mir an einem finger abzaehlen, was uns angeblich retten soll : noch ein bailout mit steuergeldern, danach a la Schaeuble alle macht an Bruessel abtreten. da haben wir sie dann, die neue europaweite "Wirtschaftsregierung"...
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