Finanzkrise Dax kämpft gegen neuen Absturz

An der deutschen Börse beruhigt sich die Lage etwas. Nach den Rekordverlusten vom Vortag startet der Dax zunächst im Plus. Rezessionsangst und Euro-Krise sind weiter spürbar: Der Goldpreis steigt auf ein Rekordhoch, Öl und Euro verlieren.

Händler an der Frankfurter Börse: Gespannte Stimmung auf dem Parkett
REUTERS

Händler an der Frankfurter Börse: Gespannte Stimmung auf dem Parkett


Frankfurt am Main - Der Start an der deutschen Börse fällt besser als erwartet aus. Am Montag hatte der Dax Chart zeigen 5,3 Prozent an Wert eingebüßt, am Dienstagmorgen hellt sich die Stimmung zum Auftakt zunächst auf. Der Leitindex gewann in den ersten Handelsminuten bis zu ein Prozent, büßte diesen Gewinn aber größtenteils wieder ein.

Zuvor hatte die Tokioter Börse schwach geschlossen. Der Nikkei-Index Chart zeigen notierte zum Handelsende mit einem Minus von 2,21 Prozent bei 8590 Punkten. Hintergrund für den Sinkflug vom Vortag waren keine konkreten Neuigkeiten, sondern die allgemeine Unsicherheit und Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung und vor einer Eskalation der Schuldenkrise.

"Anleger sollten in den nächsten Tagen vorsichtiger agieren", empfehlen die Experten von Close Brothers Seydler Research nach dem Kursverfall vom Montag. Die Lage sei nun noch kritischer zu sehen, nachdem der Dax neue Jahrestiefs erreicht habe. "Der extreme Grad an Risikoaversion führt zu einem Einfrieren jeglicher Aktivität in den Kreditmärkten, und die Preisentwicklung ähnelt der im Anschluss an die Lehman-Pleite."

Fotostrecke

6  Bilder
Erklär-Grafiken: Vom Börsenabsturz in die Rezession
Ähnlich hatte sich zuvor auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geäußert. Die Situation erinnere an den Herbst 2008, obwohl der europäische Bankensektor im Vergleich zu damals heute "deutlich besser kapitalisiert und weniger von kurzfristiger Liquidität abhängig ist", sagte Ackermann. Außerdem hätten die Banken weniger toxische Aktiva in ihren Bilanzen, und das Risikomanagement habe sich verbessert, schränkte er ein.

An anderen Märkten bleibt die Stimmung nervös: Der Goldpreis Chart zeigen stieg Dienstag in Frankfurt auf ein Rekordhoch. In der Spitze kostete eine Feinunze (rund 31 Gramm) des Edelmetalls 1920 Dollar. Allein seit dem vergangenen Freitag hat der Goldpreis um 90 Dollar oder fast fünf Prozent zugelegt.

Die Ölpreise sinken derweil - ein weiteres Zeichen für die Konjunktursorgen an den Märkten. Am Dienstagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte WTI (West Texas Intermediate) rund 83 Dollar, rund drei Dollar weniger als am Vortag. Seit vergangenem Freitag hat WTI rund fünf Dollar an Wert verloren. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent Chart zeigen pendelt bei gut 110 Dollar.

Der Euro Chart zeigen gab weiter nach. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,4039 Dollar, rund einen halben Cent weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag auf 1,4126 Dollar festgesetzt.

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Flightkit, 06.09.2011
1. Verstehe das Problem halbwegs.
wir müssen abwarten, bis auch Frau Merkel das Problem versteht. Das Problem besteht darin, daß man Wunschwelten, wie den Euro, nicht einfach in der Realität übertragen kann. Klar, für Politiker ist dies eine herbe Erkenntnis. Aber die Börse, die Wirtschaft insgesamt lebt eben letzten Endes davon, daß Leute ihre Geld für etwas hergeben. Für einen Sozialisten fast nicht zu verstehen. Und so muss nun erst Frau Merkel begreifen. Dann Herr Schäubel. Dann die CDU. Dann die Politiker insgesamt. Dann die Medien. Dann die Bevölkerung. Ein langer, langer Weg. Was die Klimapolitik dieser Kanzlerin angeht, da ist es einfacher. Dort muß sie niemanden dazu bewegen, sich nach der Projektion der Kanzlerin zu verhalten, Wetter und Klima machen ganz einfach, was sie wollen. Obwohl sich auch dies an der Börse niederschlagen dürfte. Autos, deren Herstellung man behindert, schmälern den Gewinn. Bestenfalls werden sie dann anderswo hergestellt. Schlimmstenfalls garnicht mehr. Schlecht für die Börse. Schlecht für die Wirtschaft. Schlecht für die Menschen. Wir essen dann die guten Nachrichten. In unserem Land gibt es viele, viele Illusionen. Aber hat uns dies nicht immer schon ausgezeichnet? Und ist dies nicht hin und wieder nach hinten losgegangen? Nur: diesmal müssen wir uns selber besiegen. Selber die Churchill`sche Forderung unserer bedingungslosen Kapitulation herbeiführen, ohne den der Deutsche einen Irrtum nicht einzusehen bereit ist. Ein langer Weg.
eine-Meinung-unter-Vielen 06.09.2011
2. Es ist doch schade, dass die Meldung ...
Zitat von sysopAn den Börsen beruhigt sich die Lage leicht: Nach Rekordverlusten am Montag startet der Dax leicht im Plus. Dennoch sind Rezessionsangst und Euro-Krise weiter spürbar: Der Goldpreis steigt auf ein neues Rekordhoch - Öl verliert deutlich an Wert, ebenso der Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784573,00.html
... in diesem Zusammenhang als Teil einer schlechten Nachricht verstanden werden muss. Ich meine, besonders dieser Punkt sollte uns sehr nachdenklich machen?
dingsbums 06.09.2011
3. Ober geblieben ist noch keiner,auch der Dax nicht
Erfahrungsgemäß wird der Dax sich nach 5% minus nicht so schnell beruhigen. Der Schrecken nach der "5 vor 12" Diskussion der US-Schulden ist größer als vermutet.
chrimirk 06.09.2011
4. Börsen + Börsianer und deren "Erzeugnisse" ...
...sind reines Monopoly-Geld, völlig wertlos und von den "Börsianern" aufgeblasen um -wie am Glücksspieltisch- echtes Geld oder richtige Werte anderer Leute zu ergattern. Daher: Alle Börsen schliessen! Allen "Börsianern" lebenslanges Berufsverbot auferlegen. Sie "produzieren" kein erforderliches Produkt. Für Niemand, ausser für sich selbst. Sie haben weltweit und zum wiederholten Mal Werte und Existenzen anderer Menschen vernichtet. Das ist eigentlich strafbar. Hier liegt für mutige Politiker ein ganz neues Arbeitsfeld. Aber wo sind solche Politiker zu finden?
hostie64 06.09.2011
5. Thermometer kämpft gegen die Kälte!
Wie kann der DAX gegen den Absturz kämpfen? Eine wirklich blöde Überschrift.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.