Finanzkrise in Europa und USA: Spekulanten wetten gegen Banken

Dünne Kapitaldecke, taumelnde Aktienkurse: Den Banken geht es in diesen Tagen miserabel. Jetzt schießen sich Hedgefonds auf die Geldhäuser ein, vor allem in Deutschland, Großbritannien und den USA. Sie nutzen Lücken in der Regulierung - und wetten auf einen neuen Absturz.

Finanzdistrikt in London: Hier ist die Heimat zahlreicher Hedgefonds Zur Großansicht
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Finanzdistrikt in London: Hier ist die Heimat zahlreicher Hedgefonds

London - Für Banken wird es weltweit ziemlich eng: In Europa schlagen die Aufseher Alarm, weil die Institute zu wenig Eigenkapital haben, um die Euro-Krise sicher zu überstehen. In den USA hält sich die Bank of America Chart zeigen nur mit Notverkäufen über Wasser. Für die Aktienkurse der Branche geht es seit Wochen fast ausschließlich nach unten. Und nun haben es offenbar auch noch Spekulanten auf die Geldhäuser abgesehen.

Laut Zahlen des britischen Anbieters Data Explorers wetten Hedgefonds seit Mitte August offenbar gezielt auf sinkende Kurse von Bankenaktien in Deutschland, Großbritannien und den USA. Der Anteil der verliehenen Aktien ist bei deutschen, britischen und amerikanischen Finanztiteln in den beiden vergangenen Wochen stark gestiegen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass spekulative Investoren sogenannte Leerverkäufe tätigen.

Bei Leerverkäufen leiht sich ein Investor Aktien eines Unternehmens, um sie sofort zu verkaufen - er geht "short", wie es in der Fachsprache heißt. Der Investor hofft darauf, dass er die Aktie bis zum Rückgabetermin billiger zurückkaufen kann, setzt also auf fallende Kurse.

Hedgefonds suchen sich neue Ziele

Nach den Zahlen von Data Explorer stieg der Anteil verliehener Aktien bei deutschen Finanzwerten seit Mitte August um 31 Prozent auf 1,24 Prozent. Bei Aktien des amerikanischen Branchenindex S&P 500 Financials stieg die Quote sogar um 44 Prozent auf 2,75 Prozent. Und in Großbritannien legte der Anteil verliehener Aktien im Bankenindex FTSE 350 Financial um 16 Prozent auf 3,02 Prozent zu.

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Erklärgrafiken: So funktionieren Leerverkäufe
Interessant ist der zeitliche Ausgangspunkt der Entwicklung: Mitte August hatten Frankreich, Italien, Spanien und Belgien Leerverkäufe bei Finanzaktien verboten, um den Abwärtstrend der heimischen Banken aufzuhalten. Daraufhin haben sich die Hedgefonds offenbar neue Ziele gesucht - und in den deutschen, britischen und amerikanischen Banken gefunden.

Das Verbot steigere den Druck auf Deutschland, dem Beispiel der vier anderen Euro-Länder zu folgen, um seine Bankenaktien zu schützen, sagte ein Fondsmanager der Agentur Reuters. Einige Investoren nutzten derzeit die Lücke in Deutschland und Großbritannien, um ihre negativen Erwartungen für den gesamten europäischen Bankensektor auszudrücken.

In Deutschland gilt schon seit 2010 ein Verbot für ungedeckte Leerverkäufe, bei denen die Verkäufer einer Aktie diese überhaupt nicht besitzen. Leerverkäufe auf Basis von Leihgeschäften sind aber weiter erlaubt.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Internationale Währungsfonds ( IWF) die europäischen Banken für deutlich unterkapitalisiert hält. Laut einem Entwurf für den nächsten Finanzstabilitätsbericht droht eine Kapitallücke von bis zu 200 Milliarden Euro. Auch die europäische Bankenaufsicht hatte kürzlich die schwache Kapitalausstattung der Institute bemängelt.

stk/Reuters

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insgesamt 386 Beiträge
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1. Oh jeh...
Core Dump 01.09.2011
Der ganze Banken-Schwachsinn nochmal. Diesmal sollte man die Laeden aber bitte einfach den Bach runtergehen lassen. Und kann jemand mal diesse Hedgefonds-Manager aufhaengen?
2. Leerverkäufe auf Basis Leihgeschäfts verbieten und...
energiewende-jetzt 01.09.2011
Zitat von sysopDünne Kapitaldecke, taumelnde Aktienkurse: Den Banken geht es in diesen Tagen miserabel. Jetzt schießen sich Hedgefonds auf die Geldhäuser ein, vor allem in Deutschland, Großbritannien und den USA. Sie nutzen Lücken in der Regulierung - und wetten auf einen neuen Absturz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,783853,00.html
...folgende Punkte konsequent umsetzen: (1) Nur eine deutlich verbesserte Eigenkapital-Ausstattung kann die Risiken wirksam minimieren, die zu ähnlich dramatischen Kettenreaktionen führen wie im Herbst 2008. Dies ist aber schon seit langem bekannt und auch schrittweise eingeleitet worden, siehe Basel II und Basel III sowie die Banken-Stresstests der letzten drei Jahre. (2) Das zweite notwendige Instrument wäre die dringend notwendige Regulierung der Finanzmärkte einschl. der Verbote oder Pflicht-Eigenkapital-Hinterlegung für hochriskante Finanzwetten, die jeglichen Bezug zur realen Wertschöpfung verloren haben. Siehe oben und den Spiegel-Artikel-Inhalt. (3) Das dritte Instrument ist die Einführung einer Finanzmarkt-Transaktionssteuer im EUR-Raum, damit die Aufräumkosten für das Debakel von 2008 auf alle Schultern verteilt werden. Die Steuer sollte abegstuft nach Risikoklassen gestaltet werden. (4) Und viertens muss der Markt der Rating-Agentueren neu geregelt werden: Aufbau einer wirksamen und unabhängigen europ. Rating-Agentur und gleichzeitig Schadenersatzklagen und strafrechtliche Aufarbeitung der falschen Ratings der Sub Prime-Hypotheken-Verbriefungen bis Mitte 2008. Wenn diese vier Instrumente wirksam umgesetzt würden und gleichzeitig die Haushaltskonsolidierung weiter vorangetrieben würde, sähe die Welt und die Weltkonjunktur in 2-3 Jahren sehr viel besser aus. Und Finanzwetten würdne langweilig werden.
3. Notfall-Rettungsschirm für Rettungsschirme..
Baikal 01.09.2011
Zitat von sysopDünne Kapitaldecke, taumelnde Aktienkurse: Den Banken geht es in diesen Tagen miserabel. Jetzt schießen sich Hedgefonds auf die Geldhäuser ein, vor allem in Deutschland, Großbritannien und den USA. Sie nutzen Lücken in der Regulierung - und wetten auf einen neuen Absturz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,783853,00.html
.. ist nun die Lösung oder sollte vielleicht nicht besser das Merkel selber springen?
4. Wer's immer noch nicht gemerkt hat...
CitizenTM 01.09.2011
Der entfesselte 'highly leveraged' Finanzmarkt und das darauf basierende Spekulantentum mit anderer Leute Geld reisst unsere Welt ein, so wie Irene es mit den Dörfern und Strassen und Brücken an Amerika's Ostküste getan hat.
5. .......
Hannovergenuss 01.09.2011
Ich halte die These des Artijkels für Falsch und ebenso Regionale Verbote von Leerverkäufen. 1. Die Bösen sind nicht die Hegdefonds sondern die unsägliche europäische Politik, angeführt von Deutschland und Frankreich, die keinen ausreichenden Gestaltungswillen besitzt gegen die Staatsschuldenkriese konsequent vorzugehen. 2. Leerverkäufe sind nichts schlechtes sondern ein hervorrages Instrument einer Blasenbildung und damit der Gefahr eines platzens einer solchen vorzubeugen. Jede Wette an der Börse funktioniert nur wenn jemand gegenhält sonst kommt kein Handel zustande. 3. Verbote von Leerverkäufen in Europa sind dumme Augewischerei der Politik! Selbst ich kann online meine Bankaktien der Commerzbank oder der Deutschen Bank in London oder an der Nasdac OTC handeln...
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