Weltgrößter Rückversicherer Munich-Re-Chef warnt vor neuer Finanzkrise

"Hier passiert etwas, das uns Sorgen macht": Nikolaus von Bomhard, Chef des Versicherungsriesen Munich Re, warnt eindringlich vor der Gefahr einer neuen Finanzkrise. Er fürchtet eine Kreditklemme.

Konzernchef von Bomhard: "Das System ist nicht grenzenlos elastisch"
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Konzernchef von Bomhard: "Das System ist nicht grenzenlos elastisch"


München - Die Niedrigzins-Politik der Notenbanken beunruhigt den weltgrößten Rückversicherer Munich Re. "Die Waffen der Geldpolitik verlieren an Wirkung - außer man rüstet exponentiell auf", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. "Aber die Nebenwirkungen werden immer greifbarer." Seine Sorge: Das Vertrauen in die Märkte könne wie schon 2007 schwinden und eine Finanzkrise auslösen.

So seien etwa die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen "fast schon ungesund" niedrig, sagte von Bomhard. "Hier passiert etwas, das uns Sorgen macht. Das System ist nicht grenzenlos elastisch." Wenn die Zinsen dann plötzlich um einen oder zwei Prozentpunkte stiegen, säßen viele Unternehmen, "die sich derzeit billig finanzieren könnten, auf dem Trockenen" - das berge die Gefahr einer Finanzkrise. Sie werde dann möglicherweise in Form schwindenden Vertrauens in Kredite beginnen. "Wer eine Kreditverlängerung braucht, kriegt dann kein Geld mehr", sagte von Bomhard. Als Folge wäre eine Deflation zu befürchten.

Rückversicherer wie Munich Re werden durch die Niedrigzinspolitik doppelt getroffen. Einerseits überschwemmen derzeit Investoren auf der Suche nach lukrativen Anlagen den Markt mit Geld und treten etwa mit Katastrophenanleihen in Konkurrenz zu den Rückversicherern. Andererseits suchen die Versicherer selbst händeringend nach alternativen Anlagemöglichkeiten für ihr Kapital, weil sichere Staatsanleihen kaum mehr Rendite bringen.

"Wir haben einen Anlagenotstand und sind verzweifelt auf der Suche nach Diversifikation", sagte von Bomhard. Bei Investitionen in Infrastrukturprojekte oder in die Energiewende werde die Branche jedoch von den rigiden Vorschriften der Regulierer behindert. Für Infrastruktur-Investitionen müssten sie so viel Eigenkapital hinterlegen wie für Investitionen in Aktien. "Wir halten das für falsch", sagte von Bomhard. Denn Aktien schwankten weit stärker und seien daher riskanter.

mxw/dpa/Reuters

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Seite 1
waldemar 24.07.2014
1. Wieso neue Finanzkrise ...
... ist die "alte" denn schon vorbei ?
volker_morales 24.07.2014
2.
Die Finanzmarktregulierung ist nach wie vor völlig unzureichend. Derivate werden gehandelt, als hätte es die Krise nie gegeben. Irgendjemand wird für die Scheinrenditen der "Finanzindustrie" zahlen müssen, und zwari m Zweifel der Steuerzahler. Bin schon jetzt auf die blauäugigen Ausreden der Politik gespannt.
Progressor 24.07.2014
3. Was von Bomhard sagen will
Die Geldpolitik ist am Ende, wir benötigen nun im Euroland staatliche Konjunkturprogramme auf Pump in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro. Je länger wir damit warten, desto überroportional teurer wird es.
elgitano 24.07.2014
4. ZURÜCK in die Zukunft
Banken und Versicherungen wollen nur wieder die Macht des Kapitals zurückholen, welche sie (**** sei Dank) ein wenig verloren haben
sansiro222 24.07.2014
5. Aha,
es könnte eine neue Finanzkrise geben. Da ergibt es Sinn, dass die Märkte immer weiter ansteigen. Die Big Player freuen sich demzufolge auf neues Geld - oder verstehe ich da etwas falsch? Angesichts der ansonsten vielen Krisenherde und geopolitischen Katastrophen verstehe ich eigentlich nicht, warum die Märkte immer noch nach oben ziehen. Aber die Aussicht auf neue Milliarden könnte in der Tat eine plausible Begründung sein. Ich denke auch, dass angesichts des Konfliktes mit Russland der Ölpreis drastisch sinken wird, ebenso Gas. Das könnte dann die Krise gut abfedern. Und letztlich fällt genau wegen dieser eventuell drohenden neuen Finanzkrise, aber auch wegen der geopolitischen Risiken, angefangen von Gaza über Irak bis Ukraine der Goldpreis. Das ergibt alles so richtig viel Sinn. Bitte verstehen Sie meinen Beitrag als ironisch. Ich will ausdrücken, dass ich angesichts der vielen Risiken, die immer noch bestehen, den Lauf der Märkte nicht verstehe und es folglich als Zockerei der Großen einordne. Was sonst könnte Sache sein?
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