New York - Die US-Regierung will die führende Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) für ihre Rolle in der Finanzkrise zur Verantwortung ziehen. Das US-Justizministerium hat eine Betrugsklage gegen S&P und deren Mutterfirma McGraw-Hill eingereicht. Die Regierung wirft der Agentur vor, sie habe Risiken bei Hypothekenpapieren verschwiegen und aus Profitsucht zu gute Noten verteilt.
S&P teilte mit, die Vorwürfe seien "einfach nicht wahr". Man werde sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Den Analysten wird vorgeworfen, Tausende Wertpapiere, die sich später als Schrott-Papiere erwiesen, zu positiv eingeschätzt zu haben. Nachdem die Krise mit Problemen am US-Immobilienmarkt ausbrach, wurden die Noten rasch heruntergestuft - und die Krise dadurch noch verstärkt. Die Finanzbranche erlitt weltweit Milliardenverluste, zahlreiche Banken mussten staatlich gestützt werden.
Mit der Klage geht die US-Regierung erstmals juristisch gegen eines der großen und am Kapitalmarkt sehr einflussreichen Unternehmen vor, die für den Ausbruch der weltweiten Finanzkrise vor sechs Jahren mitverantwortlich gemacht werden.
Panik bei den Anlegern
An der Börse sorgte die Klage für Panik bei Aktionären der S&P-Mutter McGraw-Hill und des Rivalen Moody's. Es wird erwartet, dass sich mehrere Bundesstaaten und eventuell auch private Anleger der Klage anschließen. McGraw-Aktien brachen am Dienstag um mehr als fünf Prozent ein. Berichte über eine Klage hatten dem Papier bereits am Montag Kursverluste von knapp 14 Prozent beschert. Moody's-Papiere gaben am Dienstag knapp ein Prozent nach, am Montag waren es fast elf Prozent.
Unklar ist, warum die US-Regierung nur gegen S&P und nicht gegen Moody's und die dritte große Agentur Fitch vorgeht. Alle drei Agenturen wurden im Zusammenhang mit der Finanzkrise stark kritisiert. US-Justizminister Eric Holder wehrte sich gegen Mutmaßungen, die Herabstufung der USA durch S&P habe zu der Klage geführt.
Rating-Agenturen schätzen ein, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Wertpapiere ausfallen und Investoren damit ihr Geld verlieren. Das Geschäftsmodell sieht so aus, dass nicht die Anleger für die Bewertungen zahlen, sondern die Verkäufer der Wertpapiere. Im Fall der Hypothekenpapiere waren es Banken. Diese können sich aussuchen, von welcher der Agenturen sie ihre Anlageprodukte benotet haben möchten. Kritik werfen den Rating-Agenturen vor, sie vergäben "Kuschel-Noten", um Aufträge zu ergattern.
mmq/dpa/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Rating-Agenturen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH