Milliardenstrafe für JP Morgan Abrechnung mit den Großbanken

Jahrelang sah es so aus, als würden nur die Steuerzahler für die Finanzkrise aufkommen - und nicht die großen Banken. Doch die Milliardenstrafe für JP Morgan zeigt: Die Aufsichtsbehörden greifen hart durch. Auch die Deutsche Bank wird das bald spüren.

Finanzviertel in New York: Die US-Behörden haben die Großbanken im Visier
AFP

Finanzviertel in New York: Die US-Behörden haben die Großbanken im Visier

Von


Hamburg - Jetzt hat es sogar den großen Jamie Dimon erwischt, den Halbgott unter den Bankern. 13 Milliarden Dollar soll die von ihm geführte Bank JP Morgan Chase an Strafen und Schadensersatz zahlen - und das ist wohl nicht einmal das Ende. Die vorläufige Vereinbarung mit den Aufsichtsbehörden beendet laut US-Medienberichten nur die zivilrechtlichen Streitigkeiten. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Bank sollen ausdrücklich weitergehen.

Wenn es dabei bleibt, wäre dies für den selbstbewussten Jamie Dimon ein harter Schlag. Jahrelang galt er als Saubermann unter den Bankern, der sein Institut ohne größere Blessuren durch die Finanzkrise führte und es dabei zum größten Finanzkonzern Amerikas machte.

Dass nun ausgerechnet Dimons Haus diese rekordhohe Strafe aufgebrummt bekommt, ist ein Zeichen dafür, wie ernst es die Aufseher mit der Aufarbeitung der Finanzkrise meinen. Jahrelang schien es, als müssten nur die Steuerzahler für das Debakel zahlen, das die Banken angerichtet hatten - die Verursacher blieben weitgehend unbehelligt. Seit einigen Monaten jedoch schlagen die Aufseher zurück.

Auch der Deutschen Bank drohen Milliardenstrafen

In den USA haben sich Aufsichtsbehörden wie die Federal Housing Finance Agency (FHFA) und die Generalstaatsanwaltschaft auf die Verursacher der Finanzkrise eingeschossen: also auf die Banken, die die umstrittenen Hypothekenpapiere aus Hauskrediten gebündelt und verkauft haben. Dazu gehören neben JP Morgan andere Großkaliber wie die Bank of America Chart zeigen, die Royal Bank of Scotland, die britische Barclays Chart zeigen oder die Credit Suisse Chart zeigen aus der Schweiz.

Sie alle müssen Milliardenstrafen fürchten. Laut "Financial Times" fordert allein die FHFA von der Bank of America sechs Milliarden Dollar Schadensersatz im Namen der beiden verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae Chart zeigenund Freddie Mac Chart zeigen. Die beiden Gesellschaften hatten vor der Krise im großen Stil Papiere von der Bank of America erworben - und sahen sich im Nachhinein getäuscht.

Doch nicht nur Banken aus klassischen Finanzzentren wie den USA, Großbritannien oder der Schweiz droht wegen der Hypothekendeals Ungemach. Auch die Deutsche Bank Chart zeigen steckte mit drin in der Verkaufsmaschinerie. Laut einer Analystenstudie von JP Morgan sollen allein Fannie Mae und Freddie Mac Hypothekenpapiere im Volumen von 14,2 Milliarden Dollar erworben haben, bei denen das deutsche Geldhaus seine Finger im Spiel hatte. Das ist weniger als bei den großen US-Instituten, aber immer noch genug, um am Ende auch noch eine Milliardenstrafe abzubekommen.

50 Mitarbeiter sollen befragt werden

Richtig teuer dürfte auch ein anderer Finanzskandal werden: Mehr als ein Dutzend Großbanken soll in die Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie dem Libor oder dem Euribor verwickelt sein. Weltweit ermitteln die Behörden. Die Institute Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits Strafen von zusammen gut 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Bis Jahresende könnten weitere Kandidaten fällig sein.

Auch die Deutsche Bank darf da nicht fehlen - möglicherweise steckt sie sogar tiefer in der Libor-Affäre als anfangs gedacht. Nachdem das Institut zunächst sieben Händler im Zusammenhang mit den Vorwürfen entlassen hatte, sollen nun im Zuge interner Ermittlungen weitere 50 Mitarbeiter befragt werden. Das berichten das "Handelsblatt" und die Nachrichtenagentur Reuters. Offenbar haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in Chatroom-Protokollen und E-Mails neue Auffälligkeiten entdeckt. Die Bank will die Berichte nicht kommentieren.

Die Aufarbeitung der Skandale aus der Vergangenheit dürfte für Deutschlands größtes Finanzinstitut extrem teuer werden. Schon in der Halbjahresbilanz hat die Bank rund drei Milliarden Euro für Risiken aus Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt. Experten erwarten, dass im dritten Quartal noch einmal 400 Millionen Euro hinzukommen könnten. Bis Ende des Jahres könnten sich die Rückstellungen sogar auf bis zu vier Milliarden Euro erhöhen.

Entsprechend sauer sind viele Aktionäre. Denn das Geld, das die Bank für die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten braucht, kann nicht als Gewinn ausgeschüttet werden. Am Montag gehörte die Deutsche-Bank-Aktie zu den größten Verlierern im Dax. Der Kurs gab zeitweise um mehr als zwei Prozent nach.

Fotostrecke

5  Bilder
Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation

insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dagegengewicht 21.10.2013
1. wer immer auch dachte ....
25% rendite seien legal zu erwerben ... . wann wird denn diesen herren (und nicht nur den sühneopfern aus der 2. und 3. reihe) mal der prozess gemacht?
juergw. 21.10.2013
2. Erstaunlich !
Zitat von sysopAFPJahrelang sah es so aus, als würden nur die Steuerzahler für die Finanzkrise aufkommen - und nicht die großen Banken. Doch die Milliardenstrafe für JP Morgan zeigt: Die Aufsichtsbehörden greifen hart durch. Auch die Deutsche Bank wird das bald spüren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzkrise-zahltag-fuer-grossbanken-wie-jp-morgan-oder-deutsche-bank-a-929095.html
die Aufsichtsbehörden in den USA schlagen aber richtig zu.Tja,selbst Al Capone wurde vom Finanzamt hinter Gittern gebracht. Ein Glück,das müssen das unsere Banker nicht befürchten,die geben eher eine Party im Kanzleramt.
menne61 21.10.2013
3. Warum nicht in Deutschland
Zitat von sysopAFPJahrelang sah es so aus, als würden nur die Steuerzahler für die Finanzkrise aufkommen - und nicht die großen Banken. Doch die Milliardenstrafe für JP Morgan zeigt: Die Aufsichtsbehörden greifen hart durch. Auch die Deutsche Bank wird das bald spüren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzkrise-zahltag-fuer-grossbanken-wie-jp-morgan-oder-deutsche-bank-a-929095.html
Warum werden die Geldinstitute nicht so zur Kasse gebeten wie in den USA? In Deutschland werden den Bankern ja noch die Geburtstage von der Kanzlerin auf Kosten der Steuerzahler ausgerichtet. Siehe Ackermann!
muellerthomas 21.10.2013
4.
Zitat von dagegengewicht25% rendite seien legal zu erwerben ... . wann wird denn diesen herren (und nicht nur den sühneopfern aus der 2. und 3. reihe) mal der prozess gemacht?
Die Eigenkapitelrenditen sind im deutschen Mittelstand nicht niedriger.
Reichnix 21.10.2013
5. Peanuts
Die Strafe bedeutet, dass der Gewinn eines halben Jahres futsch ist. Gut das ist schon was aber hey, wieviele Schweinereien hat diese Bank noch am Laufen? Ich denk da an den Gold- und Silbermarkt, den LIBOR-Skandal und ihr Gebahren innerhalb der FED! Diese Bank müsste an sich deutlich mehr berappen als nur Peanuts
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.