Fipronil-Eier Berlin schickt Beamte nach Belgien und in die Niederlande

Die Abstimmung im Fipronil-Skandal war mangelhaft: Belgien leitete erste Hinweise im Juni nicht weiter. Das soll jetzt besser werden: Deutschland tauscht mit den Nachbarstaaten Verbindungsbeamte aus.

DPA


Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier lief einiges schlecht, vor allen Dingen die Kommunikation zwischen den betroffenen EU-Ländern. Belgiens Behörden erfuhren schon im Juni von einem Verdachtsfall, machten ihn aber nicht öffentlich.

Jetzt soll die Abstimmung zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden verbessert werden. Die Behörden der drei EU-Staaten haben sich darauf geeinigt, eigene Verbindungsbeamte in die Krisenstäbe der jeweils beiden

Fotostrecke

9  Bilder
Tiramisu, Nudeln, Frikadellen: So können Sie Eier ersetzen

anderen Staaten zu entsenden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)
DPA

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)

"Wir sind beim grenzüberschreitenden Handel auf die Information angewiesen. Ich habe klargemacht, dass ich schnelle Information und volle Transparenz erwarte", sagte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dem Radiosender Antenne Bayern. Zuvor hatte er sich telefonisch mit seinen Amtskollegen in Belgien und den Niederlanden abgestimmt.

Erste Hinweise schon im Juni

Er habe vorgeschlagen, in die jeweiligen Krisenstäbe Verbindungsbeamte zu entsenden, sagte Schmidt. "Das heißt, es werden deutsche Beamte sowohl nach Utrecht in die Niederlande und nach Belgien fahren und sich dort vor Ort ein Bild über die Ermittlungen machen, damit wir noch schneller reagieren können."

In Belgien war zuletzt eine heftige Debatte über das Krisenmanagement ausgebrochen, nachdem die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am Wochenende mitgeteilt hatte, schon Anfang Juni über einen ersten Verdachtsfall in der Geflügelbranche informiert gewesen zu sein. Andere EU-Staaten wurden aber erst am 20. Juli in Kenntnis gesetzt. Die Lebensmittelsicherheitsbehörde wurde laut dem belgischen Agrarminister Denis Ducarme am 2. Juni zum ersten Mal über Fipronil informiert, und zwar von einem eierverarbeitenden Betrieb.

In Deutschland beschäftigt der Eier-Skandal jetzt auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg - als Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Straftaten in der Landwirtschaft in Niedersachsen - leitete gegen niedersächsische Landwirte ein Ermittlungsverfahren ein. Es bestehe der Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben. Betroffen seien die Verantwortlichen niedersächsischer Eierbetriebe, in denen Eier positiv auf Fipronil getestet wurden.

Mit Fipronil belastete Eier sind nach derzeitigem Stand mittlerweile mit Ausnahme Sachsens in allen Bundesländern in den Handel gelangt. Die Bundesregierung will sich nun auch um Eierprodukte wie Mayonnaise kümmern. Schmidt sagte dem ZDF, er habe am Montag eine Überwachung dieser Produkte angeordnet, um einen Überblick zu erhalten.

Fragen und Antworten zu Fipronil: Was Verbraucher jetzt wissen sollten

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel Fipronil beimengte und es an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen.

Nach der offiziellen Bekanntgabe gab es Dutzende Nachweise in Eiern niederländischer Produzenten. Millionen dieser Eier waren nach Deutschland, Schweden und in die Schweiz geliefert worden. Supermärkte nahmen millionenfach Eier aus den Regalen und ließen sie vernichten. Zudem gab es erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern.

Aus Expertensicht sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen aber gefährlich sein.

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) forderte unterdessen eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel mit Eiern: "Die Kennzeichnung von Eiern hat sich bewährt, greift aber zu kurz. Auch bei Kuchen, Salaten oder Nudeln muss für Verbraucherinnen und Verbraucher nachvollziehbar sein, woher die enthaltenen Eier kommen", hieß es in einer Mitteilung. "Wir brauchen auch für verarbeitete Produkte eine EU-weit einheitliche Herkunftskennzeichnung."

Verbraucher können anhand der aufgestempelten Nummern selbst überprüfen, ob Eier in ihrem Kühlschrank mit dem Insektizid belastet sind. Auf dem Portal lebensmittelwarnung.de stehen entsprechende Hinweise.

beb/dpa

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rademacher-klaus 08.08.2017
1. Man merkt,
es ist Wahlkampf. Sonst hätte man nicht aus dieser Maus einen solchen Elefanten gemacht und Millionen wertvoller Eier weggeworfen. Die Grünen retten mal wieder die Welt, die andern werfen der Regierung Versäumnisse vor, die dritten vertuschen. Leute, seid froh,dass Ihr alle Essen zu erschwinglichen Preisen bekommt. Das kann sich bald ändern. Klar, Fibronil gehört nicht in Eier...aber dieses Geschrei ist unangemessen.
schorsch_69 08.08.2017
2. Tja
Ein lächerliches Bohei um ein real völlig irrelevantes Thema. Nichts und niemand kann und wurde gesundheitlich geschädigt. Da gibt es wahrhaft wichtigere Themen, bei denen die staatlichen Kontrollen deutlich verschärft werden müssen!
mirage122 08.08.2017
3. Keine Vernetzung?
Es ist doch ausgesprochen verwunderlich, dass unser hoch-kompetente Minister Schmidt offensichtlich von den EU-Staaten Belgien und Niederlande nicht wahrgenommen wird. Nun muss er extra Beamte schicken, damit er im Kommunikations-Zirkel aufgenommen wird. Traurig, traurig! Kostet doch wieder unnötig Geld...
furorteutonikus 08.08.2017
4. Volle Absicht
Das belgische Schweigen ist meiner Auffassung nach absichtlich gewesen, um die eigene Wirtschaft zu schützen. Ab dem Zeitpunkt der Kenntnis der belgischen Behörden konnten so die Eier erst einmal locker weiter verkauft werden. Nach Bekanntwerden des Übels wurden zwischenzeitlich wieder halwegs normale Bedingungen geschaffen, um jetzt nahtlos wieder unbelastete Eier zu vermarkten. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche der EU: Grenzüberschreitende Geschäfte machen, ohne Übernahme von Verantwortung innerhalb der Nationalstaaten. Jetzt wieder Verbindungsbeamte einzuführen ist mehr als lächerlich. Für was haben wir die teuren Kontakte der EU und die EU selbst?
schreiber5.3 08.08.2017
5. Unglaublich
Das ist ganz gewiss nur die Spitze des Eisberges, was da an die Öffentlichkeit gelangt. Soll keiner glauben, dass Eier das einzige Lebensmittel ist, das zur Profitsteigerung mit unlauteren Mitteln "nutzbar" gemacht wird. Bei heutiger Profitgier, ist den perfiden Managern alles, aber wirklich alles, zuzutrauen! Und das, was wir an Kontrollinstanzen haben, ist ohnehin ein schlechter Witz. Regierungen hocken doch tagtäglich mit den Lobbyisten zusammen und die lassen sich selbst geschriebene Gesetzestexte genehmigen, da die Politiker faul sind und oft von ihrer Arbeit nichts verstehen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.