Krisenpolitik US-Firmen bereiten sich auf Griechenlands Euro-Austritt vor

Viele Unternehmen in den USA glauben nicht mehr an einen Erfolg der europäischen Krisenpolitik. Laut "New York Times" bereiten sich Firmen bereits auf den Euro-Austritt Griechenlands vor. Sie richten Sonderkonten ein und planen Bargeldtransfers.

Teilnehmer einer Anti-Spar-Demo in Athen: Kaum noch Vertrauen in Griechenland
dapd

Teilnehmer einer Anti-Spar-Demo in Athen: Kaum noch Vertrauen in Griechenland


Hamburg - Wie könnte ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vonstatten gehen? Diese Frage spielen nicht nur europäische Regierungen und Unternehmen durch, sondern auch Firmen in den USA. Doch während sich die Krisenmanager in Brüssel, Berlin und anderen Hauptstädten zu Details bedeckt halten, sprechen US-Unternehmen schon recht offen über ihre Notfallpläne.

Wie die "New York Times" ("NYT") berichtet, feilen Banken und Beratungsfirmen an Strategien für den Fall, dass Griechenland den Euro verlässt. Bei Merrill Lynch Chart zeigen, einer Tochter der Bank of America Chart zeigen, würden drei Szenarien für Kunden durchgespielt, sagte die für das Europa-Geschäft zuständige Managerin Carole Bernd der Zeitung: ein Austritt Griechenlands, ein Austritt mehrerer Länder und ein Zusammenbruch der Euro-Zone insgesamt.

Die Namen ihrer Klienten nennen die Berater nicht. Zu groß sei die Angst der Firmen, dass europäische Kunden ihnen das Misstrauen gegenüber der Gemeinschaftswährung übelnehmen würden.

Noch vor 15 Monaten sei ein Austritt Griechenlands aus dem Euro undenkbar gewesen, sagte Heiner Leisten von der Beratungsfirma Boston Consulting der "NYT". "Inzwischen ist es nicht mehr unwahrscheinlich und nicht mehr undenkbar."

Demnach hat Boston Consulting genauso wie Konkurrent PricewaterhouseCoopers (PWC) bereits Möglichkeiten durchgespielt, wie ein Austritt ablaufen könnte. Als Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Nachricht wurde etwa ein Freitagabend angenommen. Denn dann sind die internationalen Börsen geschlossen. Den Überlegungen zufolge könnte dann eine vorübergehende Schließung von Banken, Börsen und anderen Finanzinstitutionen folgen. Gleichzeitig müssten strenge Kapitalverkehrskontrollen erfolgen, damit kein Geld von und nach Griechenland gebracht werden könnte.

Mit dem Zug und 50.000 Euro in der Tasche nach Athen

Man habe mit Dutzenden Unternehmen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gesprochen, sagte Peter Frank von PWC. Die Firmen hätten ganz grundsätzliche Fragen. Etwa: Was sollen wir tun, wenn an einem Freitagabend die Nachricht kommt, dass Griechenland den Euro verlässt?

Manche Firmen haben demnach sogar Notfallpläne, dass jemand mit 50.000 Euro im Gepäck mit dem Zug nach Athen reist, um Angestellte dort zu bezahlen. Bei Ford soll das Computersystem bereits darauf vorbereitet sein, mit einer neuen Währung zurechtzukommen.

Beim Kreditkarten-Anbieter MasterCard hieß es, man habe bereits mehrere Szenarien zum Austritt eines einzelnen Staates oder auch mehrerer Länder aus dem Euro durchgespielt. Es sei festgelegt worden, was dann zu tun sei und wie nach außen kommuniziert werde. Innerhalb von einem oder zwei Tagen könne das System umgestellt werden, hieß es bei MasterCard. Auch Visa erklärte, man könne eine Umstellung auf eine neue Währung mit geringen Unannehmlichkeiten für Kunden bewerkstelligen.

Bei JPMorgan Chase Chart zeigen wurden für einige US-Konzerne bereits sogar neue Konten für eine mögliche künftige Währung angelegt. "Wir planen für den Extremfall", sagte ein Manager der Bank. "Man verliert nichts, wenn man vorsorgt."

Nur ein Viertel der Deutschen will Griechenland im Euro halten

Auch Manager in Europa und Japan misstrauen offenbar den Stabilitätsversprechen der Politiker, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Umfrage der Beratungsfirma Roland Berger. Diese befragte im Juni und Juli 600 Vorstände und Geschäftsführer. 61 Prozent der europäischen Manager erwarten demnach, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt.

Auch bei den Bürgern in Deutschland sinkt offenbar das Vertrauen in die Reformfähigkeit Griechenlands. Laut einer Umfrage der "Financial Times" geht mehr als ein Viertel der Deutschen davon aus, "dass Griechenland seine Kredite nie zurückzahlen wird". Fast die Hälfte sagte, dass Griechenland die nötigen Wirtschaftsreformen nicht schaffen werde, um das Land von seinen Geldgebern zu lösen. Demnach ist nur ein Viertel der Deutschen für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone.

Insgesamt wurden demnach 1000 Menschen aus Deutschland Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien befragt. Deutlich optimistischer als die Deutschen zeigten sich demnach die Spanier und Italiener, deren Regierungen ebenfalls mit hohen Schulden kämpfen. 88 Prozent der Italiener und 70 Prozent der Spanier zeigten sich in der Umfrage zumindest "ein bisschen zuversichtlich", dass Griechenland seine Wirtschaft umbauen kann.

mmq/Reuters

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insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
herr_kowalski 03.09.2012
1. War doch abzusehen:
Zitat von sysopdapdViele Unternehmen in den USA glauben nicht mehr an einen Erfolg der europäischen Krisenpolitik. Laut "New York Times" bereiten sich Firmen bereits auf den Euro-Austritt Griechenlands vor. Sie richten Sonderkonten ein und planen Bargeldtransfers. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853516,00.html
Jetzt formieren sich die Leichenfledderer um über Griechenland herzufallen. Pervers ist diese Bande.
aliaxe 03.09.2012
2.
Zitat von sysopdapdViele Unternehmen in den USA glauben nicht mehr an einen Erfolg der europäischen Krisenpolitik. Laut "New York Times" bereiten sich Firmen bereits auf den Euro-Austritt Griechenlands vor. Sie richten Sonderkonten ein und planen Bargeldtransfers. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853516,00.html
Wie oft denn noch liebe Spiegel Redaktion? Jede Woche die gleiche Meldung nur ein wenig umverpackt. Es weiß doch jetzt jeder, dass die Firmen damit rechnen und sich vorbereiten. Es wäre doch auch fahrlässig wenn sie dies nicht täten. Nur jede Woche die Angst zu schüren nur damit ein paar Leute mehr die Artikel lesen hat nichts mehr von gutem Journalismus.
ergoprox 03.09.2012
3.
Zitat von sysopdapdViele Unternehmen in den USA glauben nicht mehr an einen Erfolg der europäischen Krisenpolitik. Laut "New York Times" bereiten sich Firmen bereits auf den Euro-Austritt Griechenlands vor. Sie richten Sonderkonten ein und planen Bargeldtransfers. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853516,00.html
Mein Gott, was ein Gesülze. Es gibt sicher auch US-Firmen, die mit dem Ende der Welt rechnen und fleissig Bunker bauen....einfach grauslich.
gbk666 03.09.2012
4.
Sie sind vielen deutschen Politikern und wohl auch Unternehmen damit wohl einen Schritt vorraus.
mischpot 03.09.2012
5. Nachdem Politiker und Reiche
das Land ausgeplündert und Leer geräumt haben. Bleibt den Bürgern der Schaden. Und Griechenland ist erst der Anfang.
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