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Unternehmergeist: Migranten gründen mehr Firmen in Deutschland

Geht es nach dem Willen der Regierung, sollen die Deutschen mehr Firmen gründen. Dabei könnten sie von Migranten lernen - 21 Prozent der neuen Firmen haben sie gegründet.

Frauen in Berlin-Neukölln: Türken haben höchsten Anteil bei Gründern Zur Großansicht
Corbis

Frauen in Berlin-Neukölln: Türken haben höchsten Anteil bei Gründern

Hamburg - Deutschland braucht eine "neue Gründerzeit" - so steht es zumindest im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Firmengründer mit ausländischen Wurzeln könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen. Laut neuen Zahlen der Förderbank KfW ist ihr Anteil 2013 in Deutschland erneut leicht gestiegen.

In 21 Prozent der Fälle wurden neue Unternehmen von Migranten ins Leben gerufen. Ein Jahr zuvor waren es 19 Prozent. Insgesamt wagten 868.000 Menschen im vergangenen Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit - 93.000 mehr als 2012.

Am stärksten vertreten unter den Jungunternehmern mit ausländischen Wurzeln sind nach KfW-Angaben im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2013 Türken (21 Prozent). Relativ hohe Anteile entfallen auch auf Gründer mit russischer (10 Prozent), polnischer (7 Prozent) oder italienischer (5 Prozent) Staatsangehörigkeit.

"Mit ihrer höheren Neigung, sich selbstständig zu machen und dabei auch Arbeitsplätze zu schaffen, stellen Migranten eine tragende Säule des Gründungsgeschehens in Deutschland dar", bilanziert die KfW. "Sie gehen dabei ihre Gründungsprojekte offensiver an, beispielsweise indem sie Mitarbeiter beschäftigen, selbst wenn die Gründung eine Entscheidung aufgrund fehlender Erwerbsalternativen war."

Kehrseite des hohen Anteils ist laut KfW allerdings eine "leicht höhere Abbruchrate". Während bei Gründungen insgesamt nach drei Jahren 30 Prozent der Firmen nicht mehr am Markt sind, sind es bei Migranten 39 Prozent.

dab/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1.
kaligula262 22.08.2014
welche branchen, lieber spiegel?
2. Die Schaffer (?)
notty 22.08.2014
Interessant waere noch gewesen, in welchen Bereichen und Aktivitaeten die Migranten gruenden. Zum Teil zielen diese auf die Sicherung des Bleibestatus, fuer sich und Nachzuegler. Was die Beschaeftigungssituation angeht, so geben Statistiken Auskunft, dass der Bau- und Einzelhandel ueberwiegt, bei dem wiederum vorwiegend Migranten beschaeftigt werden... Frage: Braucht Deutschland noch mehr Subunternehmer am Bau und eine Ausweitung der bereits bekannten Einzelhandelszweige??
3. gut?
hansgustor 22.08.2014
Eine hohe Anzahl an Gründungen bringt nichts. Die meisten Unternehmungen sind nicht innovativ: Restaurant, Handwerker, ... Sie verdrängen andere Firmen oder werden selbst verdrängt. Hilfreich sind nur exportorientierte oder innovative Unternehmen, die die Produktivität steigern.
4. Sind Dönerläden Firmen?
anders_denker 22.08.2014
Und berücksichtigt die Statistik auch, das da gerne auch 2-3 Mal im Jahr der Besitzer wechselt?
5. Überflüssige Unternehmen!
horstbachhofer 22.08.2014
Braucht man noch mehr Imbisse, Billigfriseure, Import-Export Geschäfte? Aus auch oft gerne genommen wird sind handwerksähnliche Dienstleistungen wie: Holz- und Bautenschutz usw. Die ganzen Branchen, für die man keine Ausbildung braucht und jeder eröffenen kann. Das trifft aber nicht nur auf Migranten zu, auch bei den Deutschen ist dieser Trend vorhanden, ich weiß das von einem Bekannten, der im Gewerbeamt arbeitet. Um sich z.b. als Elektriker, Schreiner selbstständig zu machen, sind die Hürden - abgesehen von der Ausbildung - viel zu hoch.
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Erste Hilfe für Existenzgründer
Ein Gewinn für alle
Wenn eine Firmengründung gelingt, profitieren alle: der Gründer selbst, der Arbeitsmarkt (weil neue Stellen entstehen), der Staat (durch Steuereinnahmen). Darum werden Existenzgründer vielfältig unterstützt. So vielfältig, dass der Durchblick schwierig wird - eine Übersicht über die wichtigsten Förderer.
Gründungszuschuss
Als Firmengründer kann man die Arbeitsagentur schon mal gleich vergessen? Ganz falsch: Die Agentur für Arbeit bezuschusst Gründer, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen. Direkt nach dem alten Job kann man den Gründungszuschuss nicht beziehen; es muss mindestens ein Tag Arbeitslosigkeit dazwischen liegen und der Gründer mindestens noch 90 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. In einem Businessplan muss er ausreichend Fachwissen für das neue Unternehmen nachweisen. Dass es tragfähig ist, sollen die Bestätigung eines Steuerberaters, einer Handelskammer oder einer anderen unabhängigen Stelle zeigen.

Sind all diese Hürden genommen, kann der Gründer zunächst neun Monate den Zuschuss in Höhe des zuletzt gezahlten Arbeitslosengeldes und 300 Euro zur sozialen Absicherung bekommen. Sofern das Geschäft nachweislich läuft, sind für weitere sechs Monate 300 Euro möglich. Wer den alten Job selbst kündigt, muss mit einer mehrwöchigen Sperrfrist rechnen.
Kredite der KfW
Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat einige auf Gründer zugeschnittene Programme. Sehr verbreitet ist der KfW-Gründerkredit StartGeld, den auch Gründer ohne Eigenkapital in Anspruch nehmen können. Sie müssen den Kredit bei der Hausbank beantragen und bekommen ihn durch die KfW leichter, da sie 80 Prozent der Haftung übernimmt. Der Höchstbetrag liegt bei 100.000 Euro, der Kredit läuft bis zu zehn Jahre. Zur Entlastung für das junge Unternehmen gewährt die KfW bis zu zwei tilgungsfreie Jahre und einen Festzinssatz für die gesamte Laufzeit. Der Antrag muss bei der Hausbank gestellt werden, bevor investiert wird.
Coaching
Zusätzlich bietet die KfW Gründercoaching an: Existenzgründer können einen Coach beauftragen, der ihnen in verschiedenen Bereichen zur Seite steht, etwa in betriebswirtschaftlichen oder organisatorischen Fragen. Beauftragt werden dürfen nur anerkannte Berater der KfW-Beraterbörse. Das Institut erstattet 90 Prozent des Beraterhonorars, das aber höchstens 4000 Euro betragen darf.
Existenzgründerprogramme
Neben einigen Initiativen von Hochschulen und anderen Institutionen ist eines der bekanntesten Programme Exist, das Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Es richtet sich an Studenten, Absolventen und Wissenschaftler an Hochschulen. Besonders gefördert werden technologieorientierte Gründungen und "wissensbasierte Gründungen", die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut sein sollen. Gründer besuchen ein eintägiges Seminar zum Thema "Gründerpersönlichkeit", präsentieren nach fünf Monaten erste Ergebnisse der Überlegungen zum Businessplan und legen ihn nach zehn Monaten vor.

Das Stipendium beträgt monatlich 2500 Euro für promovierte Gründer, 2000 Euro für Absolventen und 800 Euro für Studenten. Bis zu 10.000 Euro kann es außerdem für Sachausgaben geben, darüber hinaus gibt es maximal 5000 Euro für Coaching. Die maximale Förderdauer beträgt ein Jahr. Bereits gegründete Unternehmen fördert Exist nicht. Den Antrag muss die Forschungseinrichtung stellen, die auch die Fördermittel verwaltet.

In Hamburg gibt es das an Exist angelehnte Hamburger Existenzgründungsprogramm HEP, das Absolventen aus Hamburger Hochschulen fördert. Hier wurde die finanzielle Förderung eingestellt, HEP bietet aber weiterhin angehenden Unternehmern ideelle Förderung und berät bei der Beantragung des Exist-Stipendiums.

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