Wirtschaftskrise Zahl der Firmenpleiten steigt in vielen Ländern Europas

Europa präsentiert sich zweigeteilt: Laut der Auskunftei Creditreform steigt in vielen westeuropäischen Ländern die Zahl der Firmenpleiten. Einige Staaten verzeichneten 2013 hingegen spürbar weniger Insolvenzen - darunter auch die Bundesrepublik.

Kran vor der Skyline Madrids: Besonders der Bau verzeichnet viele Insolvenzen
AP

Kran vor der Skyline Madrids: Besonders der Bau verzeichnet viele Insolvenzen


Neuss - Die positiven Konjunktursignale in Westeuropa schlagen sich noch nicht in den Daten für Firmenpleiten nieder. Im Jahr 2013 hat die anhaltende Wirtschaftsschwäche besonders in südeuropäischen Ländern für deutlich mehr Insolvenzen gesorgt, heißt es in der am Montag veröffentlichten Bilanz des Auskunfts- und Inkassounternehmens Creditreform.

Im Krisenland Italien kletterten die Insolvenzen im Vorjahresvergleich um rund 16 Prozent, in Spanien um fast 15 Prozent und in Portugal um neun Prozent. Auch Belgien (plus elf), die Niederlande (plus zehn) und Norwegen (plus 20 Prozent) verzeichneten kräftige Anstiege. Leicht steigende Insolvenzzahlen gab es in Frankreich (plus zwei Prozent).

Insgesamt seien die sogenannten GIIPS-Staaten Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien inzwischen mit rund 18 Prozent an den Insolvenzen in Europa beteiligt, heißt es in der Creditreform-Analyse. 2007 waren es nur gut 7 Prozent.

Rund ein Fünftel der Insolvenzen entfällt auf das Baugewerbe

Europa präsentiert sich damit zweigeteilt, denn einige Länder verzeichneten 2013 auch spürbar weniger Insolvenzen als zuvor: Positive Entwicklungen gab es in acht Ländern: Einen besonders starken Rückgang bei den Firmenpleiten verzeichnete mit rund minus 19 Prozent Irland. Der Inselstaat hat inzwischen den Euro-Rettungsschirm verlassen - ebenso wie Portugal: Lissabon ist nun an die Finanzmärkte zurückgekehrt.

Auch in Deutschland (minus neun Prozent) und Großbritannien (minus zehn Prozent) verringerte sich die Zahl der Insolvenzen, ebenso wie in Dänemark (minus 8,5 Prozent), Österreich (minus 8,3 Prozent), der Schweiz (rund minus 5 Prozent) und Luxemburg (minus 1,8 Prozent). Im Krisenland Griechenland stabilisierte sich die Zahl der Insolvenzen und ging ebenfalls leicht zurück (um 5,5 Prozent).

Die Creditreform-Analyse umfasst 15 westeuropäische EU-Mitglieder plus Norwegen und die Schweiz. Die Gesamtzahl der Firmenpleiten betrug in den untersuchten Ländern gut 192.000 - rund ein Prozent mehr als im Vorjahr. In absoluten Zahlen liegt Frankreich mit mehr als 60.000 Insolvenzen mit Abstand vorn.

Bemerkenswert ist auch ein Blick auf die Branchen: Im Handel und Gastgewerbe sowie in der Industrie kletterte die Zahl der Insolvenzen, in der Bauwirtschaft und bei den Dienstleistern gab es einen Rückgang. Dennoch entfällt insgesamt noch etwa gut ein Fünftel aller Insolvenzen auf das Baugewerbe, rund ein Drittel auf Handel und Gastgewerbe.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone durchlebte wegen der Schuldenkrise 2012 und 2013 zwei Rezessionsjahre mit schrumpfender Wirtschaftskraft. Erst im laufenden Jahr und im kommenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum nach Ansicht der EU-Kommission wieder wachsen.

bos/dpa/Reuters



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insgesamt 15 Beiträge
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die80er 19.05.2014
1. und nach
der Europawahl geht die Eurokrise in die nächste Runde .. a) wird die Regierung in Griechenland stürzen, b) werden die Rechten wohl massiv zulegen und einige andere Regierungen dazu bringen recht laut über ein Ende des Euros nachzudenken. Dann tritt das ein was Merkel und Konsorten eigentlich verhindern wollte. Nur ist es dann doppelt teuer für uns. Alle hassen und und Pleite sind sie trotz aller Sparbemühungen....
neinsagen 19.05.2014
2. und die Freihandelzone gibt den Firmen den Rest
wenn Merkel die Freihandelszone mit den USA zulässt dann geht der Rest der Firmen auch pleite.
dieteroffergeld 19.05.2014
3. Mal nachgefragt?
Welchem akademischen Hirnakrobaten fallen eigentlich immer diese wunderbaren Abkürzungen ein: BRIC, dann GIIPS und vermutlich sind da noch tausende von verschwurbelten Abkürzungen unterwegs. Aufpassen, dass bei den so vielen Abkürzungen im Laufe der Zeit nicht auch das Hirn um etliche Zellen gekürzt wird. Ich bin sicher, es geht auch anders oder!
karlsiegfried 19.05.2014
4. Wunschdenken
Zitat: 'Erst im laufenden Jahr und im kommenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum nach Ansicht der EU-Kommission wieder wachsen.' Dann geht es wieder runter, dann wieder rauf, dann wieder runter. Wenn es nach minus 10% umd 0,01 % gestiegen ist, bricht wegen des tollen Anstiegs erneut der Jubel aus.
tommit 19.05.2014
5. Der Fachbegriff hierfür
Zitat von dieteroffergeldWelchem akademischen Hirnakrobaten fallen eigentlich immer diese wunderbaren Abkürzungen ein: BRIC, dann GIIPS und vermutlich sind da noch tausende von verschwurbelten Abkürzungen unterwegs. Aufpassen, dass bei den so vielen Abkürzungen im Laufe der Zeit nicht auch das Hirn um etliche Zellen gekürzt wird. Ich bin sicher, es geht auch anders oder!
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