Schwindendes Vertrauen: Fitch senkt Spaniens Rating um drei Stufen

Es ist ein Rückschlag im Kampf um das Vertrauen der Anleger: Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Spanien deutlich abgesenkt. Euro-Gruppenchef Juncker sicherte dem Land für den Notfall Unterstützung zu.

Börsianer in Madrid: Bankensektor unter Stress Zur Großansicht
REUTERS

Börsianer in Madrid: Bankensektor unter Stress

London/Frankfurt - Spanien muss weiter gegen wachsendes Misstrauen an den Finanzmärkten kämpfen. Am Donnerstag stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes um gleich drei Stufen herab. Das Rating sei von "A" auf "BBB" gesenkt worden, teilte die Agentur mit. Damit liegt Spanien auf der Bewertungsskala von Fitch nur noch zwei Stufen über sogenanntem Ramsch-Niveau. Im April hatte bereits die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) Spaniens Kreditwürdigkeit um zwei Stufen gesenkt.

Da auch der Ausblick laut Fitch negativ ist, drohen Spanien mittelfristig weitere Herabstufungen. Als Hauptbegründung für die Entscheidung nannte die Agentur die hohen Kosten, die Spanien wahrscheinlich bei der Sanierung des maroden Bankensektors bevorstehen. Fitch sieht den nötigen Mittelaufwand bei 60 bis 100 Milliarden Euro.

Am Vormittag hatte auch eine Auktion spanischer Staatsanleihen gezeigt, dass Anleger die Lage des Landes zunehmend skeptisch beurteilen. Zwar war die Nachfrage hoch, und Spanien nahm sogar etwas mehr Geld als geplant. Allerdings verlangten Investoren für die Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren Zinsen von 6,04 Prozent. Im April waren es noch 5,74 Prozent gewesen Damit wird die Finanzierung der Schulden für Spanien teuerer.

Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker sicherte Spanien für den Notfall die Solidarität der Währungsunion zu. "Falls Spanien Hilfe braucht, wird es Unterstützung erhalten", sagte Juncker in Brüssel am Rande einer Veranstaltung. Der spanische Bankensektor stehe "unter Stress". Da Madrid bisher keinen Antrag auf Hilfen der Partner gestellt habe, sei es zu früh, über Zeitpläne und Summen zu spekulieren.

Die spanischen Währungshüter bekommen mitten in der Krise einen neuen Chef. Der frühere Regierungsbeamte Luis María Linde wird neuer Gouverneur der spanischen Zentralbank, wie Wirtschaftsminister Luis de Guindos im Parlament bekanntgab.

Der 67-jährige tritt die Nachfolge von Miguel Angel Fernández Ordóñez an, der in der kommenden Woche aus dem Amt scheiden wird. Die Amtszeit des bisherigen Zentralbankchefs läuft eigentlich erst im Juli ab, aber nach einem Zwist mit der Regierung hatte Fernández Ordóñez seinen Abschied um einen Monat vorgezogen.

dab/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Fitch rating
olle_ole 07.06.2012
Breaking News: Fitch Rating von mir auf D gesenkt. Grund für die Entscheidung ist das eindrucksvolle Versagen der Agentur über Jahre hinweg, bei erstaunlicher Bedeutungslosigkeit der gesamten Organisation. Herzlichen Glückwunsch!
2. Wieso diese Reihenfolge?
graphicdog 07.06.2012
Was ich ich nicht verstehe, ist, warum dies so nacheinander stattfindet. Während die Finanzmärkte sich mit Griechenland befasst haben, war doch in Spanien die Situation geäußert die Gleiche, die jetzt herrscht. Warum wird Spanien also jetzt, nachdem Griechenland kurz vor dem endgültigen Aus steht, ins Viser genommen? Das hat doch mit unabhängigen Bewertungen nichts mehr zu tun. Das sieht doch vielmehr danach aus, ein Land nach dem anderen sturmreif zu schiessen. Sollte diese Vorgehensweise andere Gründe haben, erklär sie mir bitte jemand. graphicdog
3. Portugal
agua 07.06.2012
Zitat von graphicdogWas ich ich nicht verstehe, ist, warum dies so nacheinander stattfindet. Während die Finanzmärkte sich mit Griechenland befasst haben, war doch in Spanien die Situation geäußert die Gleiche, die jetzt herrscht. Warum wird Spanien also jetzt, nachdem Griechenland kurz vor dem endgültigen Aus steht, ins Viser genommen? Das hat doch mit unabhängigen Bewertungen nichts mehr zu tun. Das sieht doch vielmehr danach aus, ein Land nach dem anderen sturmreif zu schiessen. Sollte diese Vorgehensweise andere Gründe haben, erklär sie mir bitte jemand. graphicdog
wird das naechste Land sein und dann Italien.Die Sparmassnahmen in Portugal fuehren das Land seit Ende letzten Jahres in den Abgrund.Da die regierenden Politiker diesen Landes,So "gute Schueler" sind, wird die Veroeffentlichung des "aus"noch aufgehoben.Die Banken werden gerettet, wenn das geschehen ist, wird dem Euro das Ende eingelaeutet.Dieses schrittweise abschiessen hilft die Vermoegen zu retten.Der, der wenig hat, dem wird gar nichts bleiben.Weil das zu grossen Auswanderungen auf der Suche nach Arbeit fuehren kann, ist eine Aenderung der Grenzsituationen im Gespraech, wonach jedes Land entscheiden kann, ob es seine Grenzen schliesst, wenn es dieses fuer Erforderlich haelt....
4. Fitch und ko trauen Spanien nicht.
rolandjulius 08.06.2012
Welch fantastische Ueberaschung: Rajoy ist durchgefallen. Gerade der Mann der alles tat um die Banken zu schonen. Wie weit wird Fitch wohl Griechenland abstufen, wo die Linke ans Ruder kommt? Mir schwant nichts Gutes.Das Euro-gekluengel wird wohl bis zum Rest meines Lebens andauern. Da hatte ich doch auf etwas besseres gehofft . Hilfe Frau Merkel, tun Sie etwas fuer meine Nachtruhe!
5. wie die Schufa...
schweineigel 08.06.2012
Die wollen demnächst auch das Facebook beobachten, und daraus ihre Schlüsse ziehen... Wie sagt Volker Pispers: Früher hat das Pack auf dem Kirmes vor einer Glaskugel gesessen. Aber ich vermute, dass die nur eine Schauveranstaltung sind. Denn was die Anleger dann wirklich machen, steht auf einen anderen Blatt. Schließlich haben die USA doch auch schon ein geringfügig schlechteres Rating bekommen, bei einer vielfach schlechteren Situation. Und jeder gibt denen gerne Kredit. -- genau wie Deutschland. Aber wenn irgendwelche "Experten", die sich schon vielfach geirrt haben, irgendwas verkünden, das sie mit irgendwelchen undurchsichtigen Mitteln erwürfelt haben, hält die Welt den Atem an? So wie ich das sehe, handeln große Spekulanten sowieso dagegen. Das eigentliche Geschäftsfeld ist die langweilige Bilanz-Überprüfung von Unternehmen. Diese ganze Volkswirtschaftssachen und Vorhersagen machen die nur um in die Zeitung zu kommen -- das Bohlen-Prinzip. Da schaue ich doch lieber der Wettervorhersage. Da geben sich die Präsentatoren wenigstens Mühe, das irgendwie unterhaltsam 'rüber zu bringen.
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall