Führungswechsel: Industrie und Banken bekommen neue Cheflobbyisten
Zwei Chefposten der deutschen Wirtschaftslobby werden neu besetzt: Ulrich Grillo ist zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie gewählt worden, Jürgen Fitschen wird Chef des Bundesverbands deutscher Banken. Beide sollen ihren Branchen mehr Gewicht verleihen.
Berlin/Frankfurt am Main - Die Banken und die Industriefirmen in Deutschland bekommen neue Cheflobbyisten. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) bestimmte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen zu seinem neuen Präsidenten, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wählte den Familienunternehmer Ulrich Grillo an seine Spitze.
Beim BDI löst der neue Präsident Grillo den langjährigen Verbandschef Hans-Peter Keitel ab. Grillo werde sein Amt zum neuen Jahr antreten, teilte der Verband mit. Der Unternehmer ist bereits seit 2011 Vizepräsident des BDI. Die Grillo-Werke haben ihren Sitz in Duisburg. Das Metall- und Chemieunternehmen produziert und handelt mit Metall- und Schwefelprodukten.
Der BDI ist einer der vier führenden Wirtschaftsverbände in Deutschland und spricht für 38 Branchenverbände. Er repräsentiert nach eigenen Angaben die politischen Interessen von mehr als hunderttausend Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten. Die Bandbreite der Unternehmen, die im BDI organisiert sind, ist groß. Sie reicht vom Stahlkonzern ThyssenKrupp über die Deutsche Post und den Chemieriesen Bayer bis zum Verband der Automobilindustrie oder den Energiekonzernen RWE und E.on.
Fitschen löst bei Bankenverband Schmitz ab
Fitschen wird sein Amt am 15. April antreten und Andreas Schmitz an der Spitze der Lobbygruppe der privaten Geldhäuser ablösen. Der BdB-Vorstand wählte Fitschen einstimmig für zunächst drei Jahre. Die Banken erhoffen sich mit der Personalie mehr politisches Gewicht. Kritiker hatten Schmitz vorgeworfen, der Bankenverband sei unter seiner Führung zu wenig gehört worden. Er hatte zwar den Verband in seiner vierjährigen Amtszeit grundlegend reformiert, bei politischen Verhandlungen wurde aber häufig der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an seiner Stelle zu Rate gezogen.
Fitschen galt als Favorit für den Spitzen-Job, spätestens seit er im Juni zusammen mit dem gebürtigen Inder Anshu Jain die Führung von Deutschlands größtem Geldhaus übernommen hatte. Der 64-jährige Niedersachse, jahrelang Deutschland-Chef der Deutschen Bank, hat beste Kontakte in die Berliner Politik.
mmq/dpa/Reuters
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