Chaos an deutschen Flughäfen Ver.di kritisiert Arbeitsbedingungen von Bodenpersonal

Fluggäste brauchten im Sommer starke Nerven. Streiks und ein übervoller Luftraum führten zu langen Wartezeiten und Ausfällen. Ver.di sieht dafür noch einen Grund: Die Arbeitsbedingungen des Bodenpersonals.

Check-in Hamburg Airport
DPA

Check-in Hamburg Airport


Das Chaos an deutschen Flughäfen ist Ver.di zufolge durch die Arbeitsbedingungen vom Bodenpersonal mitverursacht worden. Firmen, die etwa Gepäckabfertigung oder Boarding organisierten, würden "zu wenig Personal beschäftigen und zu schlecht bezahlen", kritisierte Ver.di. Es gebe einen Wettbewerb um die niedrigsten Lohnkosten und den knappsten Personaleinsatz.

Viele Fluggäste sahen sich diesen Sommer mit langen Warteschlangen, Verspätungen und Streichungen konfrontiert. Die Luftverkehrsbranche begründete das unter anderem mit Streiks, Wetter, langen Sicherheitskontrollen und fehlenden Kapazitäten im Luftraum. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gab hingegen auch überlasteten Flughäfen eine Mitschuld.

Ver.di zufolge tun sich Flughäfen und Dienstleister schwer, Bodenpersonal zu finden. Die Gewerkschaft forderte daher bessere Arbeitsbedingungen und einen Branchentarifvertrag. Unternehmen müssten auch Sprachkurse während der Arbeitszeit ermöglichen.

Es würden zunehmend Mitarbeiter aus dem Ausland eingestellt, sagte eine Gewerkschafterin. Neue Kollegen etwa aus Kroatien und Griechenland könnten öfter noch kein Deutsch, würden aber zum Beispiel Flugzeuge mit Gefahrgut beladen.

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Flughafen: Menschen. Massen. München.

Bodenverkehrsunternehmen weist Vorwürfe zurück

Das Unternehmen Wisag, das etwa in Frankfurt und Berlin Bodenverkehrsdienste anbietet, weist den Vorwurf zurück. An allen Flughäfen würden Tarifverträge gelten, sagte eine Sprecherin. Wisag unterstütze auch die Forderung nach einem Branchentarifvertrag und sei maßgeblich an der derzeitigen Gründung des Arbeitgeberverbandes der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) beteiligt.

Der Vorwurf fehlender Sprachkenntnisse sei nur begrenzt nachvollziehbar, sagte die Wisag-Sprecherin. Gesetzliche Parameter würden am Flughafen die Mindestanforderungen regeln. Das werde auch überprüft. Wisag biete auch zusätzliche Sprachkurse an.

ans/dpa



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Kein Besserwisser 20.08.2018
1. Wie immer, Theorie und Praxis klaffen auseinander!
Das jemand an den sensiblen Sicherheitskontrollen zum Flughafengate weder vernünftig Deutsch kann. noch vernünftige Umgangsformen mit Passagieren hat, kann man bei jedem Flug aufs Neue erleben. Dafür braucht es keine Untersuchungen oder Statements, sondern lediglich gesunder Menschenverstand. Und der scheint sowohl bei der Bundespolizei (die ja originär für die Sicherheitskontrollen am Flughafen zuständig sind) als auch bei von der Bundespolizei engagierten Subunternehmen aber auch bei den Flughäfen abhanden gekommen zu sein. Warum die Bundespolizei es zulässt, dass Subunternehmen für die Sicherheitskontrollen zugelassen werden, die wiederum Sub- und weitere Subunternehmen die Kontrollen durchführen lassen, ist mir ein Rätsel! Es ist doch kaum zu übersehen, dass diese Sub-Subunternehmen Mitarbeiter nur aus einer bestimmten sozialen Schicht verpflichten können weil sie nicht bereit sind, dieses doch sehr wichtige Personal vernünftig bezahlen und ausbilden. Da muss man sich nicht wundern, dass da soviel schief läuft - verhaltenssmäßig und auch sicherheitsmäßig! Für die "Papierlage" bei der Bundespolizei mag ja zutreffen, weil die Subunternehmen ja wohl alles unterschreiben um an einen Auftrag zur Sicherheitskontrolle zu kommen weil sie wissen, dass sie quasi jeden einstellen können, der halbwegs gerade aus schauen kann; besondere erforderliche Kenntnisse werden ja geschult.... wie immer die Schulung dann auch aussieht oder getürkt wird (wie am Flughafen Köln/Bonn ja nachgewiesen wurde!) Für Fußballspiele und Demonstrationen werden richtige Polizisten für Millionen für Polizeipersonal ausgegeben, aber an den Flughäfen kommen offensichtlich meist geistig minder bemittelte Zivilpersonen zum Einsatz um die Sicherheit im Luftverkehr zu garantieren. Die Fußballklubs haben sich erfolgreich dagegen gewehrt, für die Sicherheitseinsätze der Polizei zahlen zu müssen, aber der Passagier muss selbst für eine vermeintliche "Sicherheitskontrolle" mit unfähigem Subunternehmenspersonal der Bundespolizei am Flughafen eine Gebühr bezahlen. Wo da Gerechtigkeit ist, sollte einmal offiziell von dem Arbeitgeber der Polizei und Bundespolizei, sprich dem Bund, verbindlich erklärt werden.
Jean-P. 20.08.2018
2. Komisch
Die FDP und die anderen Neoliberalen schwafeln immer davon das der Stadt sich raushalten soll und der freie Markt alles regelt. Jetzt ist plötzlich die Arbeitskraft zur Mangelware geworden und trotzdem versucht man weiterhin Löhne zu drücken und die Belegschaft so niedrig wie nur eben möglich zu halten. So funktioniert der freie Makt aber nicht
Gluehweintrinker 20.08.2018
3. Es zählt "Geiz ist geil!" bei den Flughafenjobs
Als langjähriger Airline-Mitarbeiter kann ich es nur bestätigen, dass sich Personaldecke, Qualifikation und Sprachkompetenz an deutschen Flughäfen im drastischen Niedergang befinden. Offenbar ist die Zitrone bzw. der Goldesel Flughafen noch nicht genügend ausgepresst. Da geht doch noch was! Es wird gespart an allen Ecken und Enden. Zu wenig Ladepersonal, zu wenig Cateringpersonal, zu wenig Tanker und Cleaner, Lademeister und Brückenfahrer, Check-In-Personal am liebsten nur eine Person für eine volle Kiste mit 200 bis 550 Passagieren. Ist ja egal, wir haben doch Self-Boarding-Drehkreuze, wozu brauchts denn da Personal? Etwa um zu gucken, dass der Schrankkoffer von 40 kg und monströsen Ausmaßen doch leicht über den Höchstmaßen für Handgepäck liegt? Ach wo, dafür gibts doch die Kabinenbesatzung, sollen die das doch irgendwie lösen, man kann doch so ein Ding für Start und Landung mal kurz aufs Klo schieben? Geringsfügig besser sieht es an bayerischen Flughäfen aus, weil man hier nicht jeden grottendämlichen Fehler kopiert und sein Sicherheitspersonal als Landesbedienstete beschäftigt. Und dennoch... MUC ist berüchtigt für notorischen Mangel an Ladepersonal. Was für ein Wunder! Wer will denn von diesem Hungerlohn eine Familie ernähren in München, Erding oder Freising. Das Fliegen wird immer mehr zur riskanten Billignummer und längst nähern wir uns einem Status, den man nicht mehr als sicher bezeichnen kann, weil zum Teil nur noch Analphabeten und Angelernte am Hebel sitzen. Nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Kiste im Grünfutter zerscheppert, weil einer von diesen Hanseln den Trim falsch berechnet hat. Hoffentlich sitze ich nicht gerade dann drin...
lschulz 20.08.2018
4.
Verdi kritisiert? Verdi ist mitschuldig an den Zuständen bei den Bodenverkehrsdiensten. Weder hat sich Verdi im europäischen Rahmen energisch für klare Regelungen eingesetzt noch hat sie entsprechen Druck auf die Fluggesellschaften ausgeübt , im Interesse von Sicherheit und Servicemindeststandards von der Freigabe sicherheitsrelevanten Diestleistungen , abzulassen. Auch die Flughäfen sehen dem Treiben zu und beklagen die Situation. Wie bei den Sicherheitsdiensten werden im Bereich Bodendiensten per Ausschreibung dem billigsten Anbieter der Zuschlag erteilt. Und hinzu kommt dann dass der Auftragnehmer über von ihm gegründeten Subunternehmen Teilbereiche wie Passagierabfertigung oder Be-und Entladen der Flugzeuge zu noch geringeren Konditionen von z.t. ungeeigneten Personal durchführen lässt. Auch das ist der Gewerkschaft Verdi sehr wohl bekannt. Wenn Fluggesellschaften, Flughäfen und Gewerkschaften sich nicht darüber klarwerden, dass das so nicht weitergehen kann, dann werden die Zustände sich weiter verschlechtern. Zu den heute geltenden Bedingungen ist kaum noch Persnal zu bekommen. Die Infrastruktur an einigen Flughäfen verschlimmern die Arbeitsbedingungen für Bodenverkehrsmitarbeiter zusätzlich. Die Krankheitsquoten bei diesen „Abfertigungsdiensten“ liegen bei 15- 25%. Auch das dürfte Verdi bekannt sein.
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