Fluggesellschaft Spanair stellt Betrieb sofort ein

Die spanische Fluggesellschaft Spanair hat Zahlungsprobleme: Der Betrieb wird sofort und vollständig eingestellt, wie am Freitag bekannt wurde. Die letzte Maschine landete noch am selben Abend.

Geschlossener Spanair-Schalter in Madrid: Schotten dicht, sofort
AP

Geschlossener Spanair-Schalter in Madrid: Schotten dicht, sofort


Madrid - Die Entscheidung fiel am Freitagabend, danach soll nun alles sehr schnell gehen: Die finanziell schwer angeschlagene spanische Fluggesellschaft Spanair stellt ihren Betrieb vollständig ein. Das teilte Spanair nach einer kurzfristig anberaumten Sitzung des Verwaltungsrats mit. Der letzte Flug steht bereits kurz bevor: Er werde am Freitag um 22 Uhr landen. Die Entscheidung sei angesichts der "mangelnden finanziellen Sicht für die kommenden Monate" aus Vorsicht und zur Sicherheit getroffen worden, hieß es in der Spanair-Erklärung.

Am Freitagabend wurden bereits mehrere Flüge gestrichen, an Spanair-Schaltern in Barcelona bildeten sich lange Schlangen. Zu der Zeit war es bereits nicht mehr möglich, auf der Internetseite der Gesellschaft Tickets zu reservieren. Mehrere andere Fluggesellschaften wurden gebeten, beim Transport der Spanair-Passagiere einzuspringen.

Das für den Luftverkehr zuständige Ministerium forderte die Fluggesellschaft auf, "ihrer Verantwortung gegenüber den Passagieren" gerecht zu werden. Insbesondere müsse sie Ticketpreise erstatten und alternative Beförderungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

Die Region Katalonien, einer der wichtigsten Anteilseigner der Firma, hatte erklärt, dass sie der angeschlagenen Fluglinie wegen der "aktuellen Krise" keinen neuen Kredit geben könne. Diese Entscheidung sei nach dem Scheitern der Verhandlungen von Spanair mit der Fluggesellschaft Qatar Airways über eine finanzielle Partnerschaft getroffen worden, hieß es. Die Region hatte im Januar 2011 Spanair einen Notkredit von 10,5 Millionen Euro gewährt. Spanair war auch zuvor massiv vom Staat unterstützt worden.

Spanair ist vor allem innerhalb Spaniens aktiv, zuletzt mit etwa 200 Flügen täglich. Die Fluglinie wurde 1986 gegründet und 2009 von spanischen Aktionären, darunter der Region Katalonien, übernommen. Im August 2008 wurde die Gesellschaft durch den Unfall einer ihrer Maschinen am Flughafen von Madrid schwer getroffen: 154 Menschen starben, als das Flugzeug beim Start abstürzte. Danach wurde das Unternehmen umstrukturiert. Von den zuvor 4000 Angestellten wurden 1100 entlassen.

aar/AFP/dapd

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soaring 28.01.2012
1. A Star Alliance Member
wie gut, daß es noch andere Quellen als die "copy and paste" Berichte der Agenturen gibt. Fehlt hier doch die nicht ganz unerhebliche Information, daß es sich um einen Allianzpartner der Lufthansa handelt. Passt aber gut in das Bild der neuen Strategie von CEO Franz, er verschmäht die Regionalpartner. Contactair (Stuttgart) ist bereits gekündigt, Augsburg und andere werden bald folgen. Und das ganze vor allem wegen eines äußerst fragwürdigen Konzerntarivfertrages. Dazu Zitat aus einem Pilotenforum: "Man muß es sich auf der Zunge zergehen lassen: entweder 600 neue Stellen für aktuelle Gymnasiasten, die noch gar nicht wissen, daß sie mal Pilot werden wollen, oder der LH-Regionaler, welcher seit Jahren für den Konzern fliegt und Frau und Kind zu versorgen hat, muß gehen. Soviel zum Thema Solidarität im Konzern." Ob die Ausrichtung der Hansa vor allem auf der aktuell hofierten Langstrecke erfolgversprechend ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Weder ist die LH da gut, noch günstig: kaufmännische Todesfalle Mittelmaß. Und ohne die günstigen Zubringer wird die Luft auch longrange noch viel dünner.
Stuhlbeinsäger 28.01.2012
2. Der Markt bereinigt sich selbst
Wenn eine Industrie Überkapazitäten aufbaut als gäbe es keine Morgen und keine "Wachtstumsdelle", dazu in einem Land, in dem die Finanzkrise heftigst zugeschlagen hat (bei Spanien vorzugsweise im Immobiliensektor), dann wundert es eigentlich nicht, wenn hie und da ein Player vom Markt verschwindet. Bemerkenswert ist eigentlich nur, dass es so spät passiert und nicht viel öfter. Das mag wohl am Prestige liegen, welches eine nationale Fluggesellschaft (oder mehrere) dem Staate bringen: es wird gepäppelt und gestützt bis es nicht mehr geht. Kann sich noch jemand an SPANTAX erinnern? Ja, genau: das sind die, die ständig abstürzten. In Spanien nannte man sie auch "Espanto" (Schrecken). Als es nicht mehr länger ging, wurde daraus Spanair :-) Es wird Zeit, dass Kapazitäten im Flugverkehr zurückgefahren und höhere Preise gezahlt werden. Fliegen ist erschreckend billig, was weder dem Produkt selbst noch der Umweltbilanz Rechnung trägt.
toledo 28.01.2012
3. ....
Zitat von StuhlbeinsägerWenn eine Industrie Überkapazitäten aufbaut als gäbe es keine Morgen und keine "Wachtstumsdelle", dazu in einem Land, in dem die Finanzkrise heftigst zugeschlagen hat (bei Spanien vorzugsweise im Immobiliensektor), dann wundert es eigentlich nicht, wenn hie und da ein Player vom Markt verschwindet. Bemerkenswert ist eigentlich nur, dass es so spät passiert und nicht viel öfter. Das mag wohl am Prestige liegen, welches eine nationale Fluggesellschaft (oder mehrere) dem Staate bringen: es wird gepäppelt und gestützt bis es nicht mehr geht. Kann sich noch jemand an SPANTAX erinnern? Ja, genau: das sind die, die ständig abstürzten. In Spanien nannte man sie auch "Espanto" (Schrecken). Als es nicht mehr länger ging, wurde daraus Spanair :-) Es wird Zeit, dass Kapazitäten im Flugverkehr zurückgefahren und höhere Preise gezahlt werden. Fliegen ist erschreckend billig, was weder dem Produkt selbst noch der Umweltbilanz Rechnung trägt.
Das ist Unsinn! Wollen Sie als Alternative Bahn und Rad anbieten, oder was? Als Kunde eines Billigfliegers weiß man, dass man nicht dasselbe Produkt wie bei einer klassischen ServiceAirline erhält. Sie reflektieren offenbar nur auf die werbewirksam gehypten Billigpreise der Billigflieger um ihre unhaltbare These von zu billigen Flugpreisen zu stützen! Buchen Sie doch mal einen Flug für Morgen bei einem Billigflieger! Da werden Ihnen die Augen überlaufen! Ein 30,40 Euro Ticket erhalten Sie auch bei Billigairlines nur bei entsprechend langer Vorausbuchung und nur in sehr geringer Zahl!
Hans58 28.01.2012
4. Nie mehr einen Titel...
Zitat von soaringwie gut, daß es noch andere Quellen als die "copy and paste" Berichte der Agenturen gibt. Fehlt hier doch die nicht ganz unerhebliche Information, daß es sich um einen Allianzpartner der Lufthansa handelt. Passt aber gut in das Bild der neuen Strategie von CEO Franz, er verschmäht die Regionalpartner. Contactair (Stuttgart) ist bereits gekündigt, Augsburg und andere werden bald folgen. Und das ganze vor allem wegen eines äußerst fragwürdigen Konzerntarivfertrages. Dazu Zitat aus einem Pilotenforum: "Man muß es sich auf der Zunge zergehen lassen: entweder 600 neue Stellen für aktuelle Gymnasiasten, die noch gar nicht wissen, daß sie mal Pilot werden wollen, oder der LH-Regionaler, welcher seit Jahren für den Konzern fliegt und Frau und Kind zu versorgen hat, muß gehen. Soviel zum Thema Solidarität im Konzern." Ob die Ausrichtung der Hansa vor allem auf der aktuell hofierten Langstrecke erfolgversprechend ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Weder ist die LH da gut, noch günstig: kaufmännische Todesfalle Mittelmaß. Und ohne die günstigen Zubringer wird die Luft auch longrange noch viel dünner.
Dann gehören auch Thai Airways, Air Canada, Air China zur Lufthansa? Merke: Star Alliance ist ein Zusammenschluss von rund 20 Luftfahrtgesellschaften. Die SPANAIR hat mal zur SAS gehört, aber niemals zur Lufthansa.
alexkie 28.01.2012
5. .
Zitat von StuhlbeinsägerWenn eine Industrie Überkapazitäten aufbaut als gäbe es keine Morgen und keine "Wachtstumsdelle", dazu in einem Land, in dem die Finanzkrise heftigst zugeschlagen hat (bei Spanien vorzugsweise im Immobiliensektor), dann wundert es eigentlich nicht, wenn hie und da ein Player vom Markt verschwindet. Bemerkenswert ist eigentlich nur, dass es so spät passiert und nicht viel öfter. Das mag wohl am Prestige liegen, welches eine nationale Fluggesellschaft (oder mehrere) dem Staate bringen: es wird gepäppelt und gestützt bis es nicht mehr geht. Kann sich noch jemand an SPANTAX erinnern? Ja, genau: das sind die, die ständig abstürzten. In Spanien nannte man sie auch "Espanto" (Schrecken). Als es nicht mehr länger ging, wurde daraus Spanair :-) Es wird Zeit, dass Kapazitäten im Flugverkehr zurückgefahren und höhere Preise gezahlt werden. Fliegen ist erschreckend billig, was weder dem Produkt selbst noch der Umweltbilanz Rechnung trägt.
Fliegen sollte wieder zum Privileg der mittleren und oberen Schichten werden, nicht wahr? Es ist ja völlig unerträglich, auch an weit entfernten Orten den deutschen Unterschichtspöbel treffen zu müssen.
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