Hauptstadtflughafen: Fluglinien erwarten Hunderte Millionen Schaden

Das Chaos um den Hauptstadtflughafen wird für die Fluggesellschaften teuer. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft rechnet mit Verlusten in Höhe von Hunderten Millionen Euro. Die Airlines drohen mit Schadensersatzklagen.

Hauptstadtflughafen BER: Fluggesellschaften wollen Schadensersatz Zur Großansicht
DPA

Hauptstadtflughafen BER: Fluggesellschaften wollen Schadensersatz

Berlin - Die Schäden, die durch die Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens entstehen, sind zahlreich und hoch, politisch und finanziell. Jetzt warnen auch die Fluggesellschaften vor hohen Kosten. Bis der Flughafen im Südosten Berlins betriebsbereit sei, könne der Schaden "leicht ein dreistelliger Millionenbetrag sein", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Peter Siegloch, dem Deutschlandfunk.

Wie die Unternehmen darauf juristisch reagierten, sei noch nicht endgültig entschieden, die Fluggesellschaften gingen aber eher von einer Schadensersatzpflicht aus, sagte Siegloch weiter. Air Berlin habe dazu bereits eine Feststellungsklage eingereicht, auch die Lufthansa halte Schadensersatz für möglich. Insgesamt sei der Neubau inzwischen ein "Trauerspiel", sagte Siegloch, "bei dem einem langsam auch die Worte fehlen".

Der Einfluss der Politik im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sei durch den Einsatz öffentlicher Gelder gerechtfertigt. Siegloch räumte allerdings ein: "Inwieweit nun jetzt einzelne Entscheidungen, Planungsentscheidungen oder so etwas jeweils durch die Politik im Aufsichtsrat beurteilt werden können und sollen - ich halte das auch für problematisch."

Immer wieder kommen auch neue Einzelheiten über das Planungschaos am Hauptstadtflughafen ans Licht. Wie die "Welt" unter Berufung auf den jüngsten Controlling-Bericht schreibt, wurden nicht nur Baugenehmigungen missachtet und Kabel falsch verlegt, auch 1036 Bäume seien falsch gepflanzt worden und müssen nun eigentlich ausgetauscht werden.

Weil das der Öffentlichkeit schlecht zu vermitteln wäre, hat die Geschäftsführung allerdings beschlossen, nicht alle Bäume zu tauschen. "Um eine negative Auswirkung durch die Rodung und Beseitigung von circa tausend zumeist gut angewachsenen Bäumen zu vermeiden", zitiert die Zeitung aus dem Bericht, wolle man bei etwa 400 Bäumen darauf verzichten, vom Auftragnehmer wegen der "nicht vertragskonformen Pflanzung" einen Austausch zu verlangen. Die anderen 600 Bäume sollen dagegen herausgerissen und neu gepflanzt werden, "da ein Belassen dieser Bäume auf Grundlage der Bewertungskriterien nicht begründbar ist".

nck/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
k-fb 09.01.2013
Am Ende werden die Verluste wieder vergesellschaftet und die Hauptverantwortlichen erhalten goldene Handschläge. Wer verhandelt solche Managerverträge. Diese sollten nunmehr auch haften. Die Argumentation das nur die Fähigen kommen wenn das Geld entsprechend fließt ist doch Mumpitz. Wenn ich das Management bei BER sehe und die gesamte Entwicklung in der Wirtschaft wo angestellte Manager sich die Taschen füllen und die Firmen in den Boden rammen. Das ist auch eine Art eine gesellschaft zu zerlegen. Ich bin zwar erst seit der Wende dabei aber nach meiner Beobachtung ist ein klarer Abwärtstrend erkennbar. Der Sozialismus hat nicht für alle gereicht. Nunmehr wird sichtbar das der Kapitalismus im jetzigem Stadium auch nicht für alle reicht. Mal sehen wann wir wieder im Jahr 89 ankommen. Die Vergesellschaftung der Verluste und das Ausquetschen der steuerbürger kann nicht mehr lang gutgehen.
2. Bei all der Berichterstattung
laermgegner 09.01.2013
bekommt man eine neue Krise. !000 Bäume sind auf einmal wichtiger - also der kleingerechnete Schallschutz für die Anlieger. Eine Pommisbude ist wichtiger als die Gesundheit von 40 000 Menschen, die die Sozialkassen belastem werden. Was wird hier für ein Spiel vorgemacht
3. Steuergelder
axlban 09.01.2013
Sobald es um die Verteilung der Steuergelder geht stehen alle Schlange! Die Leichtfertigkeit mit der heutzutage von den Regierungen Milliarden Beträge verschwendet werden lässt mich fassungslos zurück! In Sperenberg hätte man einen Flughafen privat finanzieren können, wollte man aber wegen Rodung eines Forstwaldes nicht.
4. leider
autocrator 09.01.2013
leider wird im artikel nicht erwähnt, worin der konkrete (!) wirtschaftliche schaden für die fluggesellschaften denn nun tatsächlich bestehen soll. Sieglochs ausführungen, es sei zweifelhaft, ob politiker im aufsichtsrat planungsentscheidungen beurteilen "können und sollen" ist zu widersprechen: DAS ist der job, dafür gibt's kohle, und wenn man's nicht kann, dann muss man sich drum kümmern, dass man's kann und sich klug machen! Ich habe absolut NULL verständnis dafür, wenn leute ihren job, für den sie sündhaft teuer bezahlt werden, sachlich-inhaltlich nicht machen!
5. Frage :
gaga007 09.01.2013
Bereits jetzt gibt es von einigen deutschen Städten keine Flugverbindungen nach Berlin. Warum streichen die Airlines nicht generell Berlin aus ihren Plänen ? Innerdeutsch ist Berlin komfortabel mit dem Zug erreichbar und man kommt sogar deutlich zentraler in Berlin an. Der internationale Flugverkehr geht meist sowieso über das "Kreuz" Frankfurt - und einen "Hauptstadt-Flughafen" der nicht funktioniert, den braucht niemand. Und es ist naiv zu glauben, dass dieser Flughafen jemals die Funktion und die Standarts internationaler Flughäfen wie London Heathrow erreichen wird - egal wann diese Baustelle eröffnet wird. Ob Elbphilharmonie, Stuttgart 21 oder eben der Berliner Großflughafen - wenn deutsche Firmen in Kombination mit deutscher Politik "bauen" wird nichts draus ! Die gesamte Wirtschaft sollte sich aus dem Luftprojekt Berlin zurückziehen !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Flughafen Berlin Brandenburg
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 128 Kommentare
  • Zur Startseite
Berliner Flughafen - eine Chronologie
Die Idee für einen einzigen Berliner Großflughafen, der die Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen soll, entstand bereits kurz nach dem Mauerfall. Doch mehr als 23 Jahre nach der Wende ist der Flughafen noch immer nicht in Betrieb - die Eröffnung muss immer wieder verschoben werden.
Dezember 1991
Die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) wird gegründet. Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.
Januar 1992
Die Planungen für den Airport starten unter dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996
Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.
August 2004
Das Genehmigungsverfahren geht zu Ende, im Planfeststellungsbeschluss gibt es grünes Licht für BBI - es kann unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen Tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.
April 2005
Das Bundesverwaltungsgericht gibt Eilanträgen mehrerer Anwohner statt - und verhängt einen weitgehenden Baustopp bis zu seiner endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.
März 2006
Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008
Der erste Spatenstich für den Flughafen-Terminal wird gesetzt.
Oktober 2008
Nach 85 Jahren Betriebszeit macht der Flughafen Tempelhof dicht.
Juni 2010
Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben. Doch auch dieser Termin wird sich nicht halten lassen.
September 2010
Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.
Oktober 2011
Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.
Januar 2012
Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im Wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern. Am Müggelsee geht der Protest weiter. Initiativen kündigen weitere Klagen an.
Mai 2012
Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen die Eröffnung des Flughafens wieder abgesagt. In der darauffolgenden Woche verschiebt der Aufsichtsrat die Eröffnung auf den 17. März 2013. Chef-Planer Manfred Körtgen wird entlassen.
Juni 2012
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entscheidet, dass die Anwohner des Flughafens ein Recht auf besseren Schallschutz haben. Für die Betreiber bedeutet das weitere Kosten. Am 22. Juni entscheidet der Aufsichtsrat, den Starttermin 17. März erneut zu prüfen und im August darüber zu entscheiden. Der Flughafen soll gut eine Milliarde Euro teurer werden als geplant und insgesamt mehr als vier Milliarden Euro kosten.
September 2012
Der Termin im Frühjahr 2013 wird ebenfalls gestrichen, weil die Arbeiten mehr Zeit brauchen. Der neue Technikchef Horst Amann hält eine Eröffnung des Flughafens Ende Oktober 2013 für machbar. Außerdem fallen mehr Kosten an: Es gibt eine Finanzlücke von rund 1,2 Milliarden Euro, die Berlin, Brandenburg und der Bund gemeinsam füllen müssen. Das Geld soll für Baumaßnahmen, den Lärmschutz und Mehrkosten durch die Verschiebung ausgegeben werden. Damit sind die Gesamtkosten auf rund 4,3 Milliarden Euro gestiegen.
Dezember 2012
Mehrere Gutachten werden bekannt, laut denen der Flughafen für die Zahl der erwarteten Passagiere zu klein geplant ist. Sowohl die Check-in-Schalter als auch die Gepäckbänder sollen schon bei der Inbetriebnahme des Flughafens voll ausgelastet sein.
Januar 2013
Wowereit kündigt an, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft an Platzeck abzugeben, nachdem der neue Technikchef Horst Amann den Eröffnungstermin im Oktober 2013 als nicht mehr haltbar bezeichnet hat. Auf einer vorgezogenen Aufsichtsratssitzung am 16. Januar soll auch über eine mögliche Ablösung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz beraten werden. Grund für die neuen Verzögerungen sollen Medienberichten zufolge Baufehler insbesondere beim Brandschutz sein.