Flughafen BER Mehdorn wird ungeliebten Bereichsleiter nicht los

Einem kritischen Brief an die Führung des Berliner Großflughafens BER folgte prompt die fristlose Kündigung. Aber so einfach kann Flughafen-Chef Mehdorn den Ex-Bereichsleiter Harald Siegle nicht rauswerfen.

BER-Chef Mehdorn: Auf Kritiker nicht gut zu sprechen
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BER-Chef Mehdorn: Auf Kritiker nicht gut zu sprechen


Berlin - Ende März hatte Harald Siegle, damals noch Leiter des Immobilienbereichs der Flughafengesellschaft, also einer der Spitzenmanager des BER, sich in einem 20 Seiten langen Brief Luft über die Missstände an der Berliner Großbaustelle gemacht. Weil er seinen Brandbrief nicht nur an die Vorstände gerichtet hatte, sondern zeitgleich auch an die Öffentlichkeit gab, wurde Siegle Anfang April fristlos gekündigt: Das Vertrauensverhältnis sei beschädigt. BER-Chef Hartmut Mehdorn, bekannt für seine rustikalen Umgangsformen, weigerte sich in den folgenden Wochen sogar, bei öffentlichen Anlässen gemeinsam mit dem ungeliebten Ex-Mitarbeiter zusammen in einem Raum zu verweilen.

Doch Mehdorns Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Strategie, scheint so einfach nicht umzusetzen zu sein. Nach seiner Kündigung zog Siegle vor das Arbeitsgericht - und erkämpfte sich offenbar Aufschub: Wie sein Anwalt Hans-Georg Meier am Samstag der Nachrichtenagentur dpa sagte, bestehen die BER-Anwälte inzwischen nicht mehr auf Siegles fristloser Kündigung, sondern versuchen nun, den Bereichsleiter zum Jahresende zu entlassen. Flughafensprecher Ralf Kunkel wollte sich dazu nicht äußern. Laut einem Schreiben der BER-Anwälte, aus dem die dpa zitiert, gibt es offenbar Probleme mit der Begründung für Siegles Rauswurf.

In seinem Brief hatte Siegle die Abläufe im Unternehmen kritisiert und gewarnt, dass eine Eröffnung des Flughafens auch für das Jahr 2016 gefährdet sei. Dafür machte er unter anderem Mehdorns Management verantwortlich. Siegles Vorwurf lautete unter anderem, die Unternehmenskultur in der Flughafengesellschaft sei "gekennzeichnet durch Beratungsresistenz, verstärkte Hierarchisierung, Resignation und Kritiklosigkeit". Auch warf er Mehdorn vor, zu sehr auf externe Berater wie den inzwischen in einen Korruptionsskandal verwickelten Unternehmer Jochen Großmann zu vertrauen und hatte dabei auch auf die "Mehrfachfunktion als Auftraggeber, Auftragnehmer und Planer" des Gicon-Chefs hingewiesen.

Mehdorn hatte mit einem ebenfalls öffentlichen Brief auf die Vorwürfe geantwortet und versucht, Siegles Kritikpunkte zu entkräften: "Nicht- und Halbwissen durchzieht seinen ganzen Brief. Er hat damit der Flughafengesellschaft massiv geschadet", schrieb Mehdorn.

Seit Juni versucht der Flughafen nun, Siegle mit einer betriebsbedingten Kündigung zum Jahresende aus dem Unternehmen zu werfen. "Wir sehen uns zu diesem Schritt aufgrund der Auflösung des Bereichs Real Estate Management gezwungen", begründet Mehdorn sein neues Vorgehen. Real Estate ist der internationalisierte Name für die Immobilienabteilung des Flughafens. Siegle habe es abgelehnt, stattdessen das Projektmanagement für den Weiterbetrieb des alten Flughafens Schönefeld zu übernehmen.

Im August gibt es einen Verhandlungstermin am Arbeitsgericht.

bor/dpa



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
schelmig13 05.07.2014
1. siehe da...
Mehdorn und Seinesgleichen lernen es nie, dass Andere vielleicht doch etwas mehr das Ganze sehen. Mehdorn ist nicht einen einzigen Euro wert und gehört bei solchem Gebären sofort fristlos entlassen. Er verballert unser mühsam erarbeitetes Geld und es interessiert ihn nicht. Schande über ihn.
eaudejavel 05.07.2014
2. War
irgend etwas, was Mehdorn jemals geleitet hatte erfolgreich? Bei der DB, Air Berlin und jetzt BER jedenfalls nicht. Es scheint, als ob einige der Spitzenversager immer wieder aufs Neue Grossprojekte an die Wand fahren dürfen.
Hilfskraft 05.07.2014
3. willkommen im Club ...
... wir werden solche Leute auch nicht los. Siehe seiner Zeit Mehdorn.
Luna-lucia 05.07.2014
4. ohhhh! Wenn einer mal die
Zitat von sysopDPAEinem kritischen Brief an die Führung des Berliner Großflughafens BER folgte prompt die fristlose Kündigung. Aber so einfach wird Flughafen-Chef Mehdorn den ehemaligen Bereichsleiter Harald Siegle offenbar nicht los. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/flughafen-ber-mehdorn-wird-kritischen-bereichsleiter-nicht-los-a-979398.html
Wahrheit sagt, wird er gefeuert! Dolle Politik! Mr. Mehdorn - Sie hätten noch nicht mal bei Graupner-Modell-Bau, eine Chane auf Dauer! Was haben Sie bisher wirklich erreicht?
taylordurban 05.07.2014
5. Flughafen?
In dem Artikel wird immer wieder der Ausdruck Flughafenmanager oder ähnliche Formulierungen verwendet, korrekt wäre in diesem Zusammenhang von Baustellenmanagern zu schreiben, denn von BER habe ich viel gelesen und gehört, ein startendes oder landendes Flugzeug kam aber in keinem der Berichte vor. Also Baustelle nicht Flughafen.
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