Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

BER-Ausbau nach Eröffnung: Mehdorn wünscht sich Extras für 3,2 Milliarden Euro

Flughafen Berlin Brandenburg: Willy-Statue und 60-Meter-Mast Fotos
DPA

Vertrauliche Papiere beziffern mögliche Extrakosten des Berliner Flughafens laut "Bild am Sonntag" auf 3,2 Milliarden Euro. Die Akten enthalten auch Pläne für eine dritte Start- und Landebahn. Die Grünen sprechen von abstrusen Projektvorstellungen.

Berlin - Die Grünen haben empört auf eine vertrauliche Liste reagiert, die Mehrausgaben für den Ausbau des Berliner Flughafens BER in Milliardenhöhe enthält. "Beim BER regiert anscheinend weiterhin der Irrsinn", sagte Oliver Krischer, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, laut einer Pressemitteilung.

Die Papiere, die den Zorn der Grünen hervorrufen, sind hochbrisant. Internen Akten zufolge könnten die Kosten für den weiteren Ausbau des Berliner Pannenflughafens BER nach dessen Fertigstellung bis zu 3,2 Milliarden Euro betragen, berichtet die "Bild am Sonntag". Weil der Hauptstadtflughafen schon bei seinem Start zu klein sein könnte, drohen weitere Milliardenkosten für weitere Baumaßnahmen, heißt es in dem Bericht, der aus vertraulichen Unterlagen der Berliner Flughafengesellschaft für die Zeit nach dem noch immer unklaren Eröffnungstermin zitiert.

"Ob und wie der Flughafen jemals wirtschaftlich betrieben werden soll, weiß niemand. Und die Flughafengesellschaft hat immer abstrusere Projektvorstellungen", sagte Krischer anlässlich des Berichts über den künftigen Ausbau des Airports. Hartmut Mehdorn brauche endlich die klare Ansage, fordert Krischer, dass es ohne durchgerechnetes und realistisches Betriebskonzept keinen müden Euro zusätzlich für den Flughafen gibt.

Seit dem Amtsantritt von Hartmut Mehdorn als Vorsitzender Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) werden fast im Monatsrhythmus neue Desaster bekannt. Längst gilt der Hauptstadtflughafen in Berlin Schönefeld als peinlichste Baustelle Deutschlands. Jetzt kommt das künftige Ausmaß der finanziellen Misere ans Licht.

Die Zahlen im Überblick:

  • Der größte Posten sei laut "BamS" eine Erweiterung des Hauptterminals, um das erwartete Passagieraufkommen zu bewältigen. Allein die Kosten hierfür werden den Angaben zufolge mit 1,3 Milliarden Euro veranschlagt.
  • Besonders bemerkenswert: In den Papieren findet sich dem Blatt zufolge auch die genaue Planung der umstrittenen dritten Start- und Landebahn, die von den BER-Gesellschaftern Berlin und Brandenburg bislang strikt abgelehnt worden ist. Die Baukosten dafür werden auf eine Milliarde Euro beziffert.
  • Für die Sanierung und Erweiterung der bestehenden Flugbetriebsfläche - also Landebahnen, Vorfelder, Rollwege - werden 430 Millionen Euro veranschlagt.
  • Die bereits fertiggebaute Eingangshalle des Flughafens soll langfristig für 130 Millionen Euro umgebaut werden, schon kurzfristig müsse sie nach Informationen des Blatts angeblich für zwölf Millionen Euro "optimiert" werden.
  • Auch bei der Gepäckanlage besteht offenbar Bedarf für eine Überarbeitung und Erweiterung. Kostenpunkt: 120 Millionen Euro.
  • Vor einer Eröffnung des Flughafens soll außerdem zum Anwohnerschutz eine Lärmschutzhalle für Triebwerksprobeläufe gebaut werden - für 20 Millionen Euro.
  • Weitere zwei Millionen Euro stehen auf der Liste für einen VIP-Bereich der Air-Berlin-Passagiere.
  • Nicht alle Punkte auf Mehdorns Wunschliste sind technisch notwendig, um den Flugbetrieb am BER zu ermöglichen. Zwei weitere Posten werden laut "BamS" mit jeweils 500.000 Euro aufgeführt: ein 60 Meter hoher Fahnenmast, der Besuchern als Orientierungspunkt dienen soll, und eine Willy-Brandt-Statue - der frühere Bundeskanzler ist Namensgeber des Flughafens.

Für die Fertigstellung des BER wurden die Kosten für den Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bislang mit 5,4 Milliarden Euro veranschlagt. Würden alle Punkte auf der Ausbauliste realisiert, könnte der Betrag also auf etwa 8,6 Milliarden Euro steigen. Die jüngste Finanzspritze von rund 1,1 Milliarden Euro hat zwar der Aufsichtsrat bereits gebilligt, die drei Gesellschafter - Berlin, Brandenburg und der Bund - sowie die EU-Kommission müssen aber ebenfalls noch zustimmen.

Mehdorn will im Dezember sagen, wann der Flughafen Berlin Brandenburg in Betrieb gehen kann. Als frühestmögliches Eröffnungszeitraum gilt zurzeit der Jahreswechsel 2015/2016 - also mehr als vier Jahre später als geplant. Dieser Zeitpunkt, betonte Mehdorn im Juni, sei aber "noch kein Termin", sondern "einfach eine Planungsannahme".

bos/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 151 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es reicht ! Mehdorn, Wowereit und Co. vor den Richter !
Alfred Ahrens 02.11.2014
WAS meinen die eigentlich mit Geld machen zu dürfen, dass dem Steuerzahler gehört ???!!!
2. Nur Versager am Projekt, eine Schande.
Machmal Hin 02.11.2014
Mehdorn hat ja schon die Bahn ruiniert. Was soll man auch von völlig inkompetenten Leuten wie dem erwarten. Für die Konstruktionsprobleme keine Lösung wird sich für exorbitante Kosten was neues geplant. Sowas hat Berlin schon vor etwas über 70 Jahren erlebt.
3.
Trainspotter 02.11.2014
Noch eine Start- und Landebahn? Die bekommen den Flughafen in seiner jetzigen Form ja schon nicht hin. Die Verantwortlichen sollten für die Verschwendung und Veruntreuung von Steuergeldern eingesperrt werden!
4. unfähigkeit soweit man schaut...
harry099 02.11.2014
übernimmt denn irgendjemand die verantwortung? in meinem unternehmen wäre herr mehdorn seienen job schon lange los!
5. Extrakosten, nicht Extra-Kosten
oisndoivnpsdv 02.11.2014
Warum greift die Unsitte des falsch und sinnlos gesetzten Bindestrichs jetzt auch im SPIEGEL um sich? Ständig kann man das inzwischen in Ihren Artikeln beobachten, Ihrem eigenen Anspruch an Ihr journalistisches Niveau werden Sie damit nicht mehr gerecht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: