Von Stefan Schultz
Hamburg - Es ist ein beispielloser Reinfall: Noch nicht einmal einen Monat vor dem geplanten Start hat der Betreiber des neuen Flughafens Berlin Brandenburg den Start verschoben. Wegen Problemen mit der Sicherheitstechnik wird der Airport nicht mehr wie geplant am 3. Juni eröffnen, sondern frühestens Mitte August, vielleicht auch erst im Oktober, so genau wissen die Beteiligten das noch nicht.
Nun ist es fast schon Usus, dass große Bauprojekte länger dauern und teurer werden als ihre Bauherren es gern hätten. Selten aber wurde die Eröffnung eines Megaprojekt so kurzfristig abgesagt wie beim neuen Airport in Berlin. Nun löst die Verzögerung eine Kettenreaktion aus: Hunderte Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen fürchten hohe Kosten.
In den Terminals haben auch einige kleine Händler ihre Geschäfte. Die hätten teils Kredite aufgenommen, heißt es. Nun zahlen sie Kreditzinsen, haben aber keine Einnahmen. Auch Händler, die vom Flughafen Tegel in den neuen Flughafen umziehen, rechnen mit Einbußen: Sie hatten sich am neuen Standort weit höhere Erlöse erhofft. Insgesamt geht der Verband von Umsatzeinbußen in Millionenhöhe aus.
Ab dem 3. August sollte es Gäste beherbergen. Nun wartet das Team auf den neuen Eröffnungstermin für den Flughafen. "Klar ist: Wir werden das Hotel erst öffnen, wenn auch der Flughafen öffnet", sagt eine Sprecherin. Das Personal werde solange in anderen Berliner Ablegern der Kette beschäftigt. Gäste und Kongressorganisatoren, die bereits Räume in dem Terminal-Hotel reserviert hätten, würden ebenfalls in andere Berliner Steigenberger-Hotels umgebucht. Die Kosten ließen sich noch nicht beziffern.
Die Betreiber rechnen mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand. Sie müssen je bis zu einer Million Passagiere nach Tegel umleiten. Dafür benötigt man kompetentes Personal. Insidern zufolge wurde Angestellten der Airlines in Tegel aber bereits zum Teil gekündigt.
Immerhin: Mit Flugausfällen rechnen die Konzerne bislang nicht. "Wir gehen davon aus, alle Flüge abzuwickeln", heißt es bei der Lufthansa. Allerdings werde es in Tegel dann wohl eine Zeitlang "etwas kuschelig". "Wir werden alle zusätzlich geplanten Flüge sicherstellen", heißt es bei Air Berlin, "einige Verschiebungen im Zeitplan können wir allerdings nicht ausschließen." Passagiere würden rechtzeitig informiert. Die Kosten ließen sich noch nicht beziffern.
Möglich ist auch, dass die Baukosten höher liegen werden als geplant. Die Fertigstellung des seit rund 20 Jahren geplanten und 2,5 Milliarden Euro teuren Projekts hatte sich schon mehrfach verzögert. Offizielle Angaben zu den Kosten gibt es nicht. Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und die Berliner Senatskanzlei ließen entsprechende Anfragen unbeantwortet.
Auch wer für die Kosten letztlich aufkommen muss, ist noch nicht klar. Dafür müssten unter anderem die vertraglichen Verbindungen zwischen dem Bauherren Flughafen Berlin Brandenburg, dem Projektsteuer WSP-CBP Beratende Ingenieure, dem Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner und den Lieferanten der Brandschutztechnik (Siemens, Bosch) genau ausgeleuchtet werden.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast fordert rasche Klarheit darüber, wer etwaige Schadenersatz-Ansprüche leisten muss. Es dürfe nicht sein, dass die "Tagträumerei" des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) den Steuerzahler teuer zu stehen komme. Tatsächlich ist der Bund mit 26 Prozent einer der größten Anteilseigner der Berlin Brandenburg.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Flughafen Berlin Brandenburg | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH