Airport BER Siemens dementiert 18-Monate-Frist für Umbau am Hauptstadtflughafen

Die Firma Siemens soll die komplizierte Frischluftzufuhr am BER neu programmieren - und hat dafür offenbar keine Zeitvorgaben. Eine zuvor genannte Frist von 18 Monaten steht dem zuständigen Manager zufolge gar nicht im Vertrag.

Terminal des Flughafens Willy Brandt (BER): Planungen noch nicht komplett
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Terminal des Flughafens Willy Brandt (BER): Planungen noch nicht komplett


Berlin - Der Umbau des Hauptstadtflughafens BER kommt kaum voran - und wird sich wohl noch weiter hinschleppen. Denn eine zuvor häufig angegebene Frist von 18 Monaten für den Abschluss der Arbeiten gibt es laut Siemens keinefalls.

"Wir haben keinerlei vertragliche Festlegung auf einen Termin", sagte Jörg Marks, Leiter des Unternehmensbereichs Gebäudetechnologie. Zu den Arbeiten, die noch anstehen, gehört vor allem die Steuerung der Frischluftzufuhr. Dafür müssten im Flughafengebäude insgesamt 90 Kilometer Spezialkabel neu verlegt werden, erklärte Marks. Außerdem müssten 80 Steuerungspunkte im Flughafen installiert werden.

Siemens hatte sich im Oktober 2013 bereit erklärt, das komplizierte Gebilde neu zu programmieren und zu regeln, wie die Frischluft im Brandfall auf den Flughafen Berlin Brandenburg strömt. Dafür hatte sich die Berliner Flughafengesellschaft früheren Angaben zufolge einen Zeitraum von 18 Monaten ausbedungen - nach Abschluss der notwendigen Vorarbeiten. Stimmen die Angaben von Marks, so steht diese Frist aber gar nicht im Vertrag.

Auch die Planungen für den gesamten Flughafen sind laut Technikchef Jochen Großmann acht Monate nach Übergabe des Auftrags an die Firma Siemens noch nicht komplett. "Die Unterlagen und Vorgaben werden nun abschnittsweise an die Firma Siemens übergeben", sagte Großmann im Flughafenausschuss des Potsdamer Landtags. Einen Termin für den Start des Umbaus oder einer Fertigstellung wollte auch er nicht nennen.

"Keinen einzigen gültigen Bescheid"

Entscheidend sei bei einem Brand, dass die Absaugung des Rauchs und die Zufuhr von Frischluft abgestimmt werden, betonte Technikchef Großmann. Tests hatten ergeben, dass das in dem Gebäude nicht funktioniert und der Rauch nicht abziehen kann. Am mangelnden Brandschutz war vor zwei Jahren die Eröffnung des Flughafens gescheitert.

Auch bei einem weiteren Thema sind am Hauptstadtflughafen noch viele Fragen offen. Denn für die Anwohner gibt es noch keinen ausreichenden Lärmschutz. "Insgesamt haben wir hier keinen einzigen endgültigen Bescheid", sagte der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Gerhard Steintjes. Er bezog sich auf die 14.000 Haushalte im sogenannten Tagschutzgebiet. Sie erhalten Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter oder werden mit Geld entschädigt.

Der Flughafen musste im vergangenen Jahr beim Schallschutzprogramm weitgehend von vorn beginnen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte entschieden, dass die Betreiber die Vorgaben verfehlt hatten. Nun werden für das Programm nach Angaben von Flughafenchef Hartmut Mehdorn 730 Millionen Euro statt der erst geplanten 139 Millionen Euro fällig.

Wann der Flughafen in Betrieb geht, ist wegen der Technikprobleme und Baumängel damit weiter unklar. Mehdorn hatte angekündigt, einen Eröffnungstermin für den Airport Ende 2014 zu nennen. Doch zunächst muss er mit dem Schallschutz vorankommen, weil er sonst nicht die Südbahn vorübergehend in Betrieb nehmen kann.

Das ist nötig, um wie geplant die nördliche Start- und Landebahn zu sanieren. Von ihr starten die Flugzeuge vom bestehenden Flughafen Schönefeld nebenan. Die Piste soll später als zweite Start- und Landebahn des neuen Flughafens genutzt werden.

Die Behörden verlangen, dass die Schallschutzbescheide sechs Monate vor der Nutzung der bereits fertigen Südbahn vorliegen. Steintjes sagte, es gebe in der Kommission Zweifel, ob das noch gelinge. Der Flughafen habe sich aber zuversichtlich geäußert.

bos/dpa

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
laermgegner 12.05.2014
1. Tolle und falsche Berichterstattung
Der Flughafen kann zum Schallschutz keine Bescheinde versenden, weil er keine Behörde ist. Daraus schlußfolgere ich, dass alles andere auch ungenau im Artikel beschrieben ist.
schlob 12.05.2014
2.
Zitat von sysopDPADie Firma Siemens soll die komplizierte Frischluftzufuhr am BER neu programmieren - und hat dafür offenbar keine Zeitvorgaben. Eine zuvor genannte Frist von 18 Monaten steht dem zuständigen Manager zufolge gar nicht im Vertrag. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/flughafen-berlin-brandenburg-ber-siemens-dementiert-frist-fuer-umbau-a-969027.html
Geistige Arbeit lässt sich prinzipiell nicht im Voraus kalkulieren- na dann ...
AllesKlar2014 12.05.2014
3. Keine Endtermin Vorgaben!
Die Lachnummer geht weiter... und treibt normalen Bürgern Wuttränen in die Augen. Steuerverschwendung und Inkompetenz gehören unter Strafe gestellt. Wir möchten keine Aufsichtsräte mehr sehen, die weder Sicht, noch Aufsicht und schon gar keinen Rat wissen - Herr Wowereit - bitte verschwinden Sie aus unserem Sichtfeld, Sie hobbymäßiger Bruchpilot!
Sprachlos2013 12.05.2014
4. Eine Erfolgsgeschichte
Klaus Wowereit: "Der BER ist eine Erfolgsgeschichte." Genau, genauso wie die Berliner Straßen und die Berliner Schulen. Kompetenz setzt sich halt durch. (Nur gut, dass Mehdorn jetzt im Fokus steht. Ein kluger Schachzug, denn so kriegt Opa jetzt das Meiste ab.)
GrinderFX 12.05.2014
5.
Man hätte den Flughafen abreißen sollen als das Desaster ans Licht kam. Jetzt hat man einen viel zu kleinen und zusammengeflickten Flughafen, bei dem vermutlich nach paar Jahren schon wieder erhebliche Mängel auftreten werden. Dazu kommt eine saudumme Anbindung, die sie sich auch noch teuer bezahlen lassen. Verstehe nicht, wieso sie es nicht geschafft haben die Züge in den Flughafen fahren zu lassen. Spätestens wenn sie Tegel schließen, ist das Desaster perfekt.
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