Von Michael Kröger
Berlin - Die größten Fans von Rainer Schwarz sitzen in Wildau. In der Fachhochschule südlich von Berlin gelten seine Vorlesungen und Seminare als Highlights. Kaum einer könne trockene Materie besser vermitteln als Schwarz, sagt einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter des Fachbereichs Luftfahrttechnik und Luftfahrtlogistik.
In seinem Job als Chef der Berliner Flughafengesellschaft ist Schwarz dagegen weit weniger angesehen. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Manager nicht mit Forderungen nach oder gar Meldungen über seine Ablösung konfrontiert wäre.
So berichteten "Berliner Morgenpost" und der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dass Schwarz' Entlassung bereits beschlossene Sache sei. "Was wir dazu sagen, steht in den Agentur-Meldungen", lässt Richard Meng ausrichten, der Sprecher des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Den Nachrichtenagenturen dpa und dapd hatte Meng ein "hartes Dementi" in den Block diktiert.
Dass Wowereit demonstrativ an dem glücklosen Manager festhält, ist noch verständlich - er hat ihn schließlich einst vom Düsseldorfer Flughafen in die Hauptstadt geholt und mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet. Doch selbst im äußerst Wowereit-kritischen Bundesverkehrsministerium glaubt niemand an eine kurzfristige Ablösung von Schwarz. "Es bringt nichts, in der derzeitigen Situation den Chef auszuwechseln", sagt ein Sprecher von Minister Peter Ramsauer. "Der Zeitverlust der Einarbeitung wäre einfach zu groß."
Lange Liste von Unzulänglichkeiten
Schwarz dürfte der Flughafengesellschaft also noch eine Weile erhalten bleiben, auch über die nächste Aufsichtsratssitzung im September hinaus. Indes möchte kaum noch ein Beobachter darauf wetten, dass der 55-Jährige bis zum Ende der Laufzeit seines Arbeitsvertrags 2016 durchhält. Zu groß ist der Druck von allen Seiten und zu lang ist die Liste der Unzulänglichkeiten seiner Amtsführung.
Abgesehen von dem Finanzloch in Milliardenhöhe nehmen ihm die Aufseher in erster Linie übel, dass er sie so lange im Unklaren darüber ließ, dass der Eröffnungstermin am 3. Juni nicht zu halten sein würde. Auch für das Ausmaß der Bauverzögerung gibt man ihm die Verantwortung. Dazu zählen nicht nur der Brandschutz, sondern auch die Gepäckabfertigung und die Check-in-Schalter. Keine einzige der großen Anlagen ist derzeit einsatzbereit.
Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat kann Schwarz dabei nicht zu seinen Verbündeten zählen. Sie werfen ihm vor, die Arbeit auf dem Flughafen zu großen Teilen an außenstehende Firmen vergeben zu haben, anstatt eigene Leute dafür anzustellen. Die Folge seien schlechte Arbeitsbedingungen.
Selbst Kleinigkeiten fallen inzwischen ins Gewicht
Selbst Kleinigkeiten fallen inzwischen ins Gewicht: Angelastet wird Schwarz ein Kurzurlaub, den er Ende Juli eingelegt hatte, anstatt auf der Baustelle nach dem Rechten zu sehen. Der Vorfall um einen islamistischen Wachmann, den erst der Zoll durch eine gezielte Fahndungsaktion von einem der Flughafentore wegholte, gilt als weiterer Ausweis von Schwarz' schwacher Amtsführung.
Gegen einen vorzeitigen Rauswurf spricht allein der hohe Preis, der dafür zu bezahlen wäre. Denn die Abfindung würde je nach Zeitpunkt leicht eine Million Euro überschreiten. Im vergangenen Jahr betrug das Gehalt des Flughafenchefs inklusive Altersvorsorge und sonstiger Bezüge 555.000 Euro.
Mit Spannung erwarten Schwarz' Gegner deshalb den Bericht des neuen Technik-Vorstands Horst Amann. Darin, so hofft ein Beteiligter, werde man die entscheidenden Belege finden, die eine Entlassung unumgänglich machen - den berühmten rauchenden Colt. Einen Hinweis also, der zweifelsfrei belegt, dass Schwarz seine Pflichten massiv verletzt hat. Dann ließe sich auch die Abfindung drücken oder ganz einsparen.
Ingenieur Amann gilt als Gegenspieler von Schwarz und als Freund der klaren Worte. Die Verantwortung seines Vorgesetzten wird er wohl kaum unter den Teppich kehren.
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