Flughafen-Chef Schwarz: Berlins unbeliebtester Manager

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Er gilt als Hauptverantwortlicher für das Berliner Airport-Desaster. Flughafen-Chef Rainer Schwarz wird fast täglich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Doch so schnell dürfte der Manager nicht gehen, zu teuer wäre sein Rückzug. Nun soll ein Bericht seine Verfehlungen nachweisen - hoffen die Gegner.

Flughafen-Chef Schwarz: Vorzeitige Vertragsauflösung würde teuer Zur Großansicht
dapd

Flughafen-Chef Schwarz: Vorzeitige Vertragsauflösung würde teuer

Berlin - Die größten Fans von Rainer Schwarz sitzen in Wildau. In der Fachhochschule südlich von Berlin gelten seine Vorlesungen und Seminare als Highlights. Kaum einer könne trockene Materie besser vermitteln als Schwarz, sagt einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter des Fachbereichs Luftfahrttechnik und Luftfahrtlogistik.

In seinem Job als Chef der Berliner Flughafengesellschaft ist Schwarz dagegen weit weniger angesehen. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Manager nicht mit Forderungen nach oder gar Meldungen über seine Ablösung konfrontiert wäre.

So berichteten "Berliner Morgenpost" und der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dass Schwarz' Entlassung bereits beschlossene Sache sei. "Was wir dazu sagen, steht in den Agentur-Meldungen", lässt Richard Meng ausrichten, der Sprecher des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Den Nachrichtenagenturen dpa und dapd hatte Meng ein "hartes Dementi" in den Block diktiert.

Dass Wowereit demonstrativ an dem glücklosen Manager festhält, ist noch verständlich - er hat ihn schließlich einst vom Düsseldorfer Flughafen in die Hauptstadt geholt und mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet. Doch selbst im äußerst Wowereit-kritischen Bundesverkehrsministerium glaubt niemand an eine kurzfristige Ablösung von Schwarz. "Es bringt nichts, in der derzeitigen Situation den Chef auszuwechseln", sagt ein Sprecher von Minister Peter Ramsauer. "Der Zeitverlust der Einarbeitung wäre einfach zu groß."

Lange Liste von Unzulänglichkeiten

Schwarz dürfte der Flughafengesellschaft also noch eine Weile erhalten bleiben, auch über die nächste Aufsichtsratssitzung im September hinaus. Indes möchte kaum noch ein Beobachter darauf wetten, dass der 55-Jährige bis zum Ende der Laufzeit seines Arbeitsvertrags 2016 durchhält. Zu groß ist der Druck von allen Seiten und zu lang ist die Liste der Unzulänglichkeiten seiner Amtsführung.

Abgesehen von dem Finanzloch in Milliardenhöhe nehmen ihm die Aufseher in erster Linie übel, dass er sie so lange im Unklaren darüber ließ, dass der Eröffnungstermin am 3. Juni nicht zu halten sein würde. Auch für das Ausmaß der Bauverzögerung gibt man ihm die Verantwortung. Dazu zählen nicht nur der Brandschutz, sondern auch die Gepäckabfertigung und die Check-in-Schalter. Keine einzige der großen Anlagen ist derzeit einsatzbereit.

Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat kann Schwarz dabei nicht zu seinen Verbündeten zählen. Sie werfen ihm vor, die Arbeit auf dem Flughafen zu großen Teilen an außenstehende Firmen vergeben zu haben, anstatt eigene Leute dafür anzustellen. Die Folge seien schlechte Arbeitsbedingungen.

Selbst Kleinigkeiten fallen inzwischen ins Gewicht

Selbst Kleinigkeiten fallen inzwischen ins Gewicht: Angelastet wird Schwarz ein Kurzurlaub, den er Ende Juli eingelegt hatte, anstatt auf der Baustelle nach dem Rechten zu sehen. Der Vorfall um einen islamistischen Wachmann, den erst der Zoll durch eine gezielte Fahndungsaktion von einem der Flughafentore wegholte, gilt als weiterer Ausweis von Schwarz' schwacher Amtsführung.

Gegen einen vorzeitigen Rauswurf spricht allein der hohe Preis, der dafür zu bezahlen wäre. Denn die Abfindung würde je nach Zeitpunkt leicht eine Million Euro überschreiten. Im vergangenen Jahr betrug das Gehalt des Flughafenchefs inklusive Altersvorsorge und sonstiger Bezüge 555.000 Euro.

Mit Spannung erwarten Schwarz' Gegner deshalb den Bericht des neuen Technik-Vorstands Horst Amann. Darin, so hofft ein Beteiligter, werde man die entscheidenden Belege finden, die eine Entlassung unumgänglich machen - den berühmten rauchenden Colt. Einen Hinweis also, der zweifelsfrei belegt, dass Schwarz seine Pflichten massiv verletzt hat. Dann ließe sich auch die Abfindung drücken oder ganz einsparen.

Ingenieur Amann gilt als Gegenspieler von Schwarz und als Freund der klaren Worte. Die Verantwortung seines Vorgesetzten wird er wohl kaum unter den Teppich kehren.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Wer versagt hat
svenni1064 22.08.2012
ist der Aufsichtsrat bzw. die Gesellschafter. Der Artikel sucht ein Bauernopfer, sonst nichts. Wie kann ein einziger für dieses Desaster verantwortlich sein, nebenbei bemerkt.
2.
Kritischer_Geist 22.08.2012
Mir scheint, als ob hier viel zu schnell vergessen wird, dass es immerhin die Politik, namentlich Wowereit und Platzeck sowie deren Vorgänger, waren, die hier von Anfang an versagt haben. Jedem mit etwas Sachverstand ist bewusst, dass bereits am Beginn des Bauprojekts klar war, dass weder der Kostenrahmen noch die Bauzeit eingehalten werden können. Es ist doch mittlerweile mehr als bekannt, dass politische Bauprojekte am Anfang immer zu günstig gerechnet werden, um sie überhaupt realisieren zu können. Weshalb jetzt der Geschäftsführer als Sündenbock herhalten soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Der kann auch nicht zaubern und die Kosten auf das Wunschdenken der Politiker senken. Die Betreuung eines so großen Bauprojekts kann ja wohl nicht die primäre Aufgabe eines Geschäftsführers sein, der in erster Linie auch den laufenden Betrieb der zwei bzw. vormals drei Flughäfen zu verantworten hat; zumal es noch einen expliziten TechnikVORSTAND gab, der für das Bauprojekt zuständig war. Der Geschäftsführer ist seit 2006 in Berlin. Bis zum Bekanntwerden der Blamage der Nichteröffnung war in den letzten 5 bis 6 Jahren nicht zu vernehmen, dass er seinen Posten schlecht erfüllt hätte. Das sieht mir hier alles viel zu viel nach Bauernopfer aus, dessen Kopf einfach fallen muss, weil man eben einen öffentlichkeitswirsamen Sündenbock benötigt. Der GF scheint in einer beklemmenden Situation zu sein. Selbst wenn er die Probleme und die Verzögerungen frühzeitig erkannt hat (bzw. hätte), hätte er diese doch nie öffentlichkeitswirksam kommunizieren können. Wowereit und Platzeck hätten das auf jeden Fall verhindert. Jetzt sind die Probleme da und der GF soll die Verantwortung für ein seitens der Politik unrealitisches und größenwahnsinniges Projekt tragen.
3. Der Staat als Beute einiger weniger.
joejoejoe 22.08.2012
Zitat von sysopEr gilt als Hauptverantwortlicher für das Berliner Airport-Desaster. .................zu teuer wäre sein Rückzug. Flughafen-Chef Schwarz gerät immer stärker unter Druck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,851537,00.html)
In was für einer (Bananen)Republik leben wir eigentlich? Da verdient der Manager des mit Steuergeldern finanzierten Flughafens mehr als ein Bundeskanzler, verursacht offensichtlich wegen Unfähigkeit Schäden in unvorstellbarer Höhe und bleibt weiter auf seinem Posten, um mehr zu verdienen als die Bundeskanzlerin. Wer macht so bescheuerte Verträge, dass Manager, die ihre Unfähigkeit bewiesen haben, nicht wegen Unfähigkeit gefeuert werden können? Jeder normale Arbeitnehmer, der seinem Arbeitgeber schadet, fliegt sofort ´raus. Wer in unserer Gesellschaft solch bescheuerte Verträge macht, sollte gleich mit gefeuert werden. Dazu passt dann, dass ein technischer Geschäftsführer dieses Projekts zwar auch mehr verdient hat als die Bundeskanzlerin, das Ganze aber wohl als Promotionsstipendium betrachtet hat, denn er hat während seiner Tätigkeit für den Flughafen an seiner Promotion in Westdeutschland gearbeitet. Auch der Mann wurde nicht gefeuert, sondern, wie ich das verstanden habe, nur in der Position zurückgestuft, bekommt aber immer noch ein exorbitant hohes Gehalt. Wodurch also unterscheidet sich unser Land von einer Bananenrepublik, in der der Griff in die Staatskassen zum täglichen Leben gehört? Gruß
4. unfair!
-.- 22.08.2012
....Herrn Schwarz so unvermittelt zum unbeliebtesten Manager zu küren. Schliesslich hätten wir ja noch die ehemaligen Chefs der Landesbank oder den Chef der S-Bahm, Hr. Prof. Z.U.Späth in petto!
5. Dummdreist
brunnersohn 22.08.2012
muss man es nennen, wenn Wowereit den neuen Eröffnungstermin mit 17.3.2012 klar nennt. Bekanntermassen wird auch dieser Termin nicht zu halten sein, dass sich Wowereit auf den Tag genau festlegt, zeigt doch dass er keine Ahnung hat... wer geistig so tief fliegt, braucht keinen Flughafen, sondern eine U-Bahn
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