"Unsicherheit durch Brexit-Prozess" Britische Fluggesellschaft Flybmi streicht alle Flüge

Die Maschinen von Flybmi bleiben auf dem Boden: Die britische Fluggesellschaft meldet Insolvenz an und erklärt das auch mit dem Brexit. Einen deutschen Flughafen treffen die Flugausfälle besonders.

Flybmi-Flugzeug
imago/ alimdi

Flybmi-Flugzeug


"Leider wurden alle Flüge storniert. Gehen Sie nicht zum Flughafen, es sei denn, Sie haben einen Flug mit einer anderen Fluggesellschaft gebucht." Mit Sätzen wie diesen informiert die britische Fluggesellschaft Flybmi ihre Kunden darüber, dass sie Insolvenz angemeldet hat.

In einer Stellungnahme auf der Firmenwebsite heißt es, das Unternehmen sei nicht mehr in der Lage, Flüge von und nach Großbritannien sowie innerhalb Europas durchzuführen. Die Firma könne für ihre Kunden auch keine Flüge mehr organisieren und umbuchen: Wer seinen Flug zum Beispiel per Kreditkarte gezahlt habe, habe eventuell die Möglichkeit, von seinem Kartenanbieter eine Rückerstattung zu verlangen.

Als Gründe für die Probleme führt das Unternehmen die hohen Treibstoff- und CO2-Preise an und verweist auf eine EU-Entscheidung, britische Airlines teilweise aus dem Emissionshandelssystem ausschließen. Die derzeitigen Handels- und Zukunftsaussichten würden auch durch die "Unsicherheit, die durch den Brexit-Prozess entstanden ist, ernsthaft beeinträchtigt", heißt es. So fehle es etwa an Zuversicht, dass Flybmi auch künftig Flüge zwischen Zielen in Europa anbieten könne. Außerdem seien dem Unternehmen, das in seiner Stellungnahme auch noch auf allgemeine Schwierigkeiten in der Branche hinweist, wertvolle Flugverträge entgangen.

Insolvenz als "einzige Option"

Das jetzige Vorgehen sei die "einzige Option" gewesen, heißt es weiter. Die Herausforderungen, "insbesondere durch den Brexit", hätten sich für Flybmi als "unüberwindbar" erwiesen.

Die Passagiere wurden von der Einstellung der Flüge überrascht, Hunderte erfuhren erst kurzfristig von den Ausfällen ihrer Flüge. Eine Familie hatte im südwestenglischen Airport Bristol schon die Sicherheitskontrollen passiert, als sie erfuhr, dass ihr Flug nach München gecancelt wurde. "Toller Start in den Urlaub", twitterte der Familienvater.

Ein Ingenieur, der aus beruflichen Gründen 14 Flüge in den nächsten sechs Wochen zwischen dem nordirischen Londonderry und London Stansted gebucht hatte, sagte der Nachrichtenagentur PA, er habe erstmals das Gefühl, "im Brexit-Land" zu leben.

Mehrere deutsche Flughäfen angeflogen

Etliche Passagiere verwechselten Flybmi mit der Fluggesellschaft Flybe. "Flybe hat nichts mit Flybmi zu tun", twitterte die britische Billigfluggesellschaft Flybe. Ihre Flüge seien nicht betroffen.

Flybmi hat 2018 mit 29.000 Flügen rund 522.000 Passagiere befördert. Das Unternehmen sitzt in Paisley nahe Glasgow und hat laut eigenen Angaben 17 Flugzeuge und 376 Mitarbeiter. Diese arbeiten in Großbritannien, Schweden, Belgien und auch Deutschland. Hierzulande flog das Unternehmen die Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Saarbrücken, München und Nürnberg an.

Flybmi, das über Codeshare-Flüge unter anderem mit der Lufthansa zusammenarbeitete, operierte außerdem in Rostock/Laage. Für diesen Flughafen ist die Ankündigung der Firma besonders hart: Seine letzten verbliebenen Linienflüge waren nach der kürzlichen Insolvenz von Germania Flybmi-Flüge von und nach München.

mbö/Reuters/mbö

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
sven2016 17.02.2019
1. Ob die Insolvenz mit dem Brexit
zu tun hat, darf man bezweifeln. Da macht jemand sein überschuldetes Unternehmen dicht und lädt die Verantwortung auf die Politik.
lebeinabsurdistan 17.02.2019
2. Schade
Bin gerne mit denen geflogen. Einige Strecken wurden allerdings bereits künstlich mit Subventionen am Leben erhalten. Das dürfte bei einem Brexit schwieriger werden. Somit gibt es doch irgendwie eine Verbindung. Dann macht es nur Sinn, diese Entscheidung zu fällen, denn besser würde es für die Airline nicht. Ich hoffe, dass die eine oder andere Strecke von jemandem übernommen wird. Kleine Regionalflughäfen dürften sonst wohl leiden (RLG, KSD die jetzt schon von 2 Airlineinsolvenzen betroffen sind, da bleibt nicht viel).
defy_you 17.02.2019
3. Tendenziöse Berichterstattung.
„Als Gründe für die Probleme führt das Unternehmen die hohen Treibstoff- und CO2-Preise an und verweist auf eine EU-Entscheidung, britische Airlines teilweise aus dem Emissionshandelssystem ausschließen. Die derzeitigen Handels- und Zukunftsaussichten würden auch durch die "Unsicherheit, die durch den Brexit-Prozess entstanden ist, ernsthaft beeinträchtigt", heißt es. ... Außerdem seien dem Unternehmen, das in seiner Stellungnahme auch noch auf allgemeine Schwierigkeiten in der Branche hinweist, wertvolle Flugverträge entgangen“ Also: eine Überschuldung kann nicht mit etwas erst künftig Eintretendem erklärt werden. Sie liegt heute vor oder nicht. Brexit ist also unerheblich. Gleiches gilt für eine mögliche Zahlungsunfähigkeit. Auch diese muss heute vorliegen. Am Brexit jag es also scheinbar nicht. Liest man dann die Begründung, so scheint eine EU Entscheidung zum Ausschluss britischer Fluglinien beim Emissionshandel ein kostenintensiver Faktor gewesen zu sein. War also gar die EU Schuld an der Insolvenz? Das ist zumindest näher dran als der Brexit. Aber es wird ja noch auf entgangene wertvolle flugverträge verwiesen. Hier liegt wohl der Hauptgrund. Der Brexit wird vom Management also ins Spiel gebracht um von eigenen Fehlern abzulenken. Die deutsche Presse hat natürlich sofort Schaum vorm Mund und macht daraus eine Folge des Brexit. Eine Stufe kleiner bitte. Und sachlicher. Danke!
Flari 17.02.2019
4.
Zitat von sven2016zu tun hat, darf man bezweifeln. Da macht jemand sein überschuldetes Unternehmen dicht und lädt die Verantwortung auf die Politik.
SIE dürfen natürlich alles bezweifeln.. Tatsache ist, dass sehr viele, insb. kleine Fluglinien Probleme mit der Gewinnspanne haben und i.d.R. verschuldet sind. Tatsache ist auch, dass Flybmi ausschliesslich Ziele in der EU und Norwegen angeflogen hat und mit dem Brexit alle Linien mit einem Einbruch des Luftverkehrs zwischen GB und EU rechnen müssen. Was machen wohl die Investoren, Kreditgeber, Banken bei schlechten Aussichten? Zumindest kein neues Geld investieren, ebenso Kredite und Kreditlinien kündigen.
bissig 17.02.2019
5. Das macht dann
weniger als 20 Paxe/Flug - wie soll man da überlegen können? Ich weiss ja nicht, ob das dargestellte flugzeug dsas größte ist, womit operiert wurde, aber bei geschätzten 15 Fensterplätzen rechts müssten so 45 Paxe reinpassen - das macht eine Auslastung von unter 50%. Wie soll man mit solchen Zahlen rentabel arbeiten können - Brexit hin oder her?
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