Berlin - Die Solarbranche bangt um ihre Förderungen. In einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel appellieren namhafte Branchenvertreter, die Solarförderung nicht weiter zu beschneiden. Unternehmen wie Bosch Solar Energy, Q-Cells und Solarworld sehen dem Schreiben zufolge einen Großteil der 130.000 Arbeitsplätze in Gefahr, sollte die Regierung die Förderung von Photovoltaik weiter kürzen. Fünf Milliarden Euro an Investitionen stünden auf dem Spiel, schreiben die Branchenvertreter in ihrem Brief.
Hintergrund des Appells sind Pläne der Regierung, die Förderung der Solarenergie innerhalb eines Jahres zum dritten Mal zu stutzen. Erst im Frühjahr hatte sich die Solarbranche mit der Politik auf eine Absenkung der Einspeisevergütung um bis zu 24 Prozent geeinigt. Bis 3500 Megawatt sinkt die Förderung um neun Prozent. Gehen mehr Anlagen ans Netz, sinkt sie in 1000er-Schritten um je weitere drei Prozent. Maximal wird sie bei einem Ausbau von mehr als 7500 Megawatt um 24 Prozent gekürzt.
Jetzt soll diese Degression noch einmal verschärft werden. Im Entwurf zur EEG-Novelle ist ab 3500 Megawatt eine Senkung von sechs Prozent pro 1000 Megawatt verankert. In Regierungskreisen hieß es, würde die Förderung nicht gesenkt, würden 2012 voraussichtlich 10.000 Megawatt Solarleistung neugebaut.
Im Gegenzug zu den Kürzungen in der Sonnenenergie plant die Bundesregierung eine stärkere Förderung von Windenergie vor der Küste. In den Offshore-Anlagen sieht die Regierung großes Potential für die regenerative Energiegewinnung.
Trotz der Einschnitte in den letzten Monaten hält der Solar-Boom weiter an: Für 2011 rechnen Branchenexperten mit doppelt so vielen neuen Anlagen wie von der Politik angepeilt. Die Bundesregierung stört sich am hohen Anteil von Photovoltaik bei der EEG-Umlage. Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien bezahlt jeder Verbraucher als Aufschlag auf die Stromrechnung. Von den aktuell 3,5 Cent pro Kilowattstunde entfallen gut die Hälfte auf Strom aus Sonnenenergie. Dabei steuert die Solarenergie gerade einmal zwei Prozent zum deutschen Energiemix bei.
don/dpa
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