Förderkürzung: Solarbranche warnt vor Jobverlusten

Die deutsche Solarbranche wehrt sich gegen die geplanten Förderkürzungen. Es gebe keinen Spielraum mehr, heißt es in einem Schreiben an Kanzlerin Merkel. Investitionen in Milliardenhöhe und mehrere zehntausende Arbeitsplätze seien in Gefahr.

Montage von Solarpanels: Die Branche fürchtet die dritte Förderkürzung innerhalb eines Jahres. Zur Großansicht
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Montage von Solarpanels: Die Branche fürchtet die dritte Förderkürzung innerhalb eines Jahres.

Berlin - Die Solarbranche bangt um ihre Förderungen. In einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel appellieren namhafte Branchenvertreter, die Solarförderung nicht weiter zu beschneiden. Unternehmen wie Bosch Solar Energy, Q-Cells und Solarworld sehen dem Schreiben zufolge einen Großteil der 130.000 Arbeitsplätze in Gefahr, sollte die Regierung die Förderung von Photovoltaik weiter kürzen. Fünf Milliarden Euro an Investitionen stünden auf dem Spiel, schreiben die Branchenvertreter in ihrem Brief.

Hintergrund des Appells sind Pläne der Regierung, die Förderung der Solarenergie innerhalb eines Jahres zum dritten Mal zu stutzen. Erst im Frühjahr hatte sich die Solarbranche mit der Politik auf eine Absenkung der Einspeisevergütung um bis zu 24 Prozent geeinigt. Bis 3500 Megawatt sinkt die Förderung um neun Prozent. Gehen mehr Anlagen ans Netz, sinkt sie in 1000er-Schritten um je weitere drei Prozent. Maximal wird sie bei einem Ausbau von mehr als 7500 Megawatt um 24 Prozent gekürzt.

Jetzt soll diese Degression noch einmal verschärft werden. Im Entwurf zur EEG-Novelle ist ab 3500 Megawatt eine Senkung von sechs Prozent pro 1000 Megawatt verankert. In Regierungskreisen hieß es, würde die Förderung nicht gesenkt, würden 2012 voraussichtlich 10.000 Megawatt Solarleistung neugebaut.

Im Gegenzug zu den Kürzungen in der Sonnenenergie plant die Bundesregierung eine stärkere Förderung von Windenergie vor der Küste. In den Offshore-Anlagen sieht die Regierung großes Potential für die regenerative Energiegewinnung.

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Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht in den Kürzungen einen Widerspruch in der Energiepolitik der Regierung: "Wenn man 'A' wie Atomausstieg sagt, muss man auch 'B' wie Beschleunigung sagen", sagte Verbandschef Carsten Körnig.

Trotz der Einschnitte in den letzten Monaten hält der Solar-Boom weiter an: Für 2011 rechnen Branchenexperten mit doppelt so vielen neuen Anlagen wie von der Politik angepeilt. Die Bundesregierung stört sich am hohen Anteil von Photovoltaik bei der EEG-Umlage. Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien bezahlt jeder Verbraucher als Aufschlag auf die Stromrechnung. Von den aktuell 3,5 Cent pro Kilowattstunde entfallen gut die Hälfte auf Strom aus Sonnenenergie. Dabei steuert die Solarenergie gerade einmal zwei Prozent zum deutschen Energiemix bei.

don/dpa

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1. Alle jammern
rhalpha 01.06.2011
Ob Solarbranche, Atomindustrie, Bergbau, ect.,ect. alle warnen vor Jobverlust bei Subventionsabbau. Ich frage mich aber, was sind die Unternehmen und damit die Arbeitsplätz wert, wenn sie nur mit Subventionen überleben können? Man könnte billiger die Leute fürs Zuhausebleiben bezahlen. Der Bergbau wird seit Jahrzehnten künstlich am Leben erhalten, die Atombranche wälzt die Endlagerkosten auf die Allegeminheit ab und jetzt die Solarindustrie. Photovoltaik in Deutschland lohnt sich sowieso nur dank der Subventionen. Statt in D die Dächer zuzupflastern wäre es sicher ökonomischer ein richtiges Solarkraftwerk in Südfrankreich, Spanien oder Italien zu erichten.
2. China lässt Grüßen
timewalk 01.06.2011
Zitat von sysopDie deutsche*Solarbranche*wehrt sich gegen*die geplanten*Subventionskürzungen.*Es gebe keinen Spielraum mehr, heißt es in einem Schreiben an Kanzlerin Merkel. Investitionen in Milliardenhöhe und mehrere zehntausende Arbeitsplätze seien in Gefahr.
Angesichts des rasanten Co-2 Anstiegs in unserer Atmosphäre und den Klimazielen Deutschlands (Was auch import/Export Technologien einschließt), sollte man eher schauen das man geschwind 100% EE hat. Alles Andere gefährdet den Standort Deutschland und sorgt weiter dafür das die Deutsche EE Wirtschaft das nachsehen hat. Deutschland war mal Weltmarktführer bei Wind & Solar. Heute ist das jedoch der Chinese. Wenn Heute nicht ausrecihend unterstützt wird, gibt es in Zukunft kein "Made in German", bei einem w e l t w e i t e m Markt, einer Lizenz zum Gelddrucken! Dazu kommt der Druck in der Einwanderungspolitik, wo man vieles mit Desertec unter einen Hut bringen kann. http://desertec.org WO bleiben die Ergebnise?
3. Naja
rsi 01.06.2011
Den Jobverlust gab es schon, zu dem Zeitpunkt, an dem die Subvention eingeführt wurde. Nur halt in anderen Branchen. Schließlich muss das Subventions-Geld ja aus anderen Märkten herausgezogen werden. Ich halte es auch für einen Irrglaube, dass man die Solarzelle auf diese Weise konkurrenzfähig bekommt. man kann nicht jedes Produkt einfach durch einen künstlich vergrößerten Markt bis zur Reife nach vorn bringen. Und wenn sich die Solarförderung dann als Wunschdenken herausstellt, habe wir für Jahrzehnte ein recht großen Kostennachteil gegenüber zurückhaltenden Ländern. Das gleiche Geld in die Forschung gesteckt kann sicher viel mehr bewirken.
4. Subvention muss sinken aber nicht zu sehr
Joe67 01.06.2011
Die Subvention für Solarenergie ist eine Anschubsubvention. Diese ist in den letzten Jahren um mehr als die Hälft reduziert worden. Zu Spitzenzeiten ist Solarstrom schon jetzt konkurenzfähig, da die Spitzenproduktion von Solarstrom und die Spitzenlast im Netz beide zur Mittagszeit sind. Die Bundesregierung möchte jedoch die zentrale Stromerzeugung der Energieriesen schützen und die dezentrale Stromerzeugung nicht weiter ausbauen. Daher wird die Einspeisevergütung weiter gekürzt. Zwar betreiben die Energieriesen am liebsten ihre alten AKWs. Doch auch Grosskraftwerke für Wind und Sonne sind ihnen recht - solange der Betrieb von Grosskraftwerken nicht in Frage gestellt wird. Daher drängen sie auf die Reduzierung der Einspeisevergütung. Lieber wird dann ein AKW "in Reserve" gehalten.
5. Mehr Druck erforderlich!
mayer60 01.06.2011
Zitat von rhalphaPhotovoltaik in Deutschland lohnt sich sowieso nur dank der Subventionen. Statt in D die Dächer zuzupflastern wäre es sicher ökonomischer ein richtiges Solarkraftwerk in Südfrankreich, Spanien oder Italien zu erichten.
PV rechnet sich natürlich auch und gerade hier in Deutschland. Und zwar genau dann, wenn man wie jetzt die Subventionen zügig herunterfährt. Die Reaktion der Branche zeigt, dass die Regierung genau den richtigen Weg eingeschlagen hat.
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