Folgen der Aschewolke Staatshilfe für Airlines? Bloß nicht!

Die Fluggesellschaften leiden unter den Luftraumsperren - und behalten sich den Ruf nach Staatshilfen vor. Doch die Folgen wären fatal. Die Regierung sollte sich nicht einmal auf eine Diskussion darüber einlassen.

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Maschinen von Air Berlin und Lufthansa: Ein bisschen Geld vom Staat wäre schön
dpa

Maschinen von Air Berlin und Lufthansa: Ein bisschen Geld vom Staat wäre schön


Hamburg - Wer düstere Szenarien liebt, der sollte sich einmal nach Berlin oder Brüssel aufmachen und die Lobbyverbände abklappern. Von den Bauern bis zu den Banken und von der Automobil- bis zur Pharmaindustrie wird der Gast bei Kaffee und Plätzchen hören, wie schwierig die Lage der Branche gerade ist. Und dass sogar noch größeres Ungemach droht. Weil gerade eh Krisenzeiten sind, und das Geld bei den Regierungen recht locker sitzt, dürfte am Ende des Gesprächs im Zweifel die Forderung nach größerer politischer Unterstützung stehen.

Regelmäßige Panikmache gehört zum Geschäft der Interessenvertreter. Deshalb muss gleich ein Horrorszenario her, wenn sich die Lage für ein Gewerbe wirklich einmal verschlechtert. So auch bei der Luftfahrt, die seit Tagen unter den Flugverboten in Deutschland und weiten Teilen Europas leidet.

Was wäre, wenn sich die Situation auch in dieser Woche nicht merklich entspannt, das Gros der Flugzeuge weiter am Boden bleiben muss? Auf diese Frage hat der Verband der europäischen Fluglinien längst eine Antwort gegeben: Ein Flugverbot zwischen fünf und zehn Tagen sei für einige Anbieter nicht verkraftbar. Dann könnten mehrere der rund 100 bis 150 Airlines in Europa pleitegehen.

Insolvenz, Arbeitsplatzverlust, Schaden für den Standort - bei solchen Worten werden Politiker hellhörig. Und zumeist auch großzügig. Siehe Commerzbank, Opel und Co. Also bringen auch die beiden deutschen Branchengrößen Lufthansa Chart zeigen und Air Berlin Chart zeigen schon einmal Staatshilfen ins Spiel. Zumindest indirekt.

Aufputschhilfen wären fatal

"Wenn wir zum Normalbetrieb zurückgekommen sind, werden wir sicherlich ein Fazit ziehen, und dann werden wir gucken, ob wir hier nicht eine vergleichbare Situation mit den Terroranschlägen vom September 2001 haben", sagte der Vorstandsvorsitzende von Air Berlin, Joachim Hunold, am Dienstag. Bei der Lufthansa heißt es vielsagend, der Konzern sei in Gesprächen mit der Bundesregierung und der EU-Kommission. Das Unternehmen fordere keine Finanzhilfen, werde sich diesen aber auch nicht verschließen.

Na wunderbar. Das kann ja heiter werden. Schon wieder eine Branche, in der offenbar das Motto gilt: "Bitte, lieber Staat, hilf uns! Es brennt!"

Je lauter die Hilferufe werden, desto weniger werden Politiker dem Druck der Industrie widerstehen können. Das gilt nicht nur bei den Flugverboten, sondern auch bei einer finanziellen Unterstützung. Da kann Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle diesen Schritt noch so oft ablehnen. Die Erfahrung lehrt, dass die Halbwertszeit solcher Bekenntnisse gering ist.

Zweifellos entgehen den Fluggesellschaften in Europa derzeit Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe. Das ist schmerzhaft und schwächt die Anbieter. Aber Aufputschmittel der Steuerzahler wären trotzdem fatal.

Der Dammbruch wäre perfekt

Gegen Finanzhilfen für die Airlines sprechen vor allem zwei Gründe: Erstens würden auch andere Unternehmen, die vom Flugverbot betroffen sind, rasch nach Hilfe schreien. Zweitens ist es mehr als fraglich, ob der Staat Firmen unterstützen sollte, die bereits nach ein paar Tagen ohne Umsatz SOS funken.

Angenommen, die Bundesregierung oder die EU-Kommission würde den Airlines einen finanziellen Ausgleich für entgangene Erträge und Mehrkosten wie Hotelübernachtungen für gestrandete Urlauber erstatten: Wo wäre dann die Grenze? Schließlich leidet nicht nur diese eine Branche unter den Flugverboten, sondern mehr oder weniger die gesamte deutsche Wirtschaft.

Die Regierung würde aber kaum der Lufthansa Millionen Euro zuschustern, den Importeur kenianischer Rosen aber leer ausgehen lassen. In diesem Fall stünde schnell wieder der Vorwurf im Raum, die kleinen Firmen müssten bluten, während den Konzernen öffentlichkeitswirksam geholfen werde. Dann wäre der Dammbruch perfekt: Jedes Unternehmen, das irgendwie unter den Folgen der Aschewolke leidet, könnte Geld von der Regierung fordern.

Auch Lufthansa braucht keine Staatsknete

Entscheidender aber ist: Die Regierung würde mit der Luftfahrt einer Branche helfen, in der sich viele Unternehmen tummeln, die schon vor dem Flugverbot und vor der Wirtschaftskrise alles andere als kerngesund waren. Das Geschäft der meisten Airlines war auch in ökonomisch besseren Zeiten extrem knapp kalkuliert. Das hat mit einem immer härteren internationalen Wettbewerb zu tun, aber auch mit einer brutalen Rabattschlacht zwischen den europäischen Anbietern.

Exemplarisch dafür steht Air Berlin: Der Billigflieger setzte im vergangenen Jahr gut 3,2 Milliarden Euro um, verdiente operativ aber nur 28,5 Millionen Euro. Das war gerade einmal ein Euro pro Passagier. Selbst in den Jahren 2007 und 2008, als die Weltwirtschaft noch nicht unter den Folgen der Finanzkrise litt, war die Rendite der Firma nicht wesentlich besser. Natürlich trifft ein Umsatzverlust von mehreren Tagen ein ertragsarmes Unternehmen hart. Nur sollte dann nicht der Staat einspringen, wenn es eng wird. Dann müsste er auch alle Privatpersonen unterstützen, die nach einer Woche ohne Einkünfte zahlungsunfähig sind.

Wirtschaftlich besser als Air Berlin steht die Lufthansa da. Aber auch beim Ex-Staatskonzern wäre Knete von Merkel fehl am Platz. Schließlich steigerte der europäische Branchenführer in den Jahren vor der Krise sein Ergebnis regelmäßig und verdiente Milliarden Euro. Davon profitierten auch die Aktionäre. Die müssen es dann auch mal ertragen, sollte ein Vulkan auf Island ihre Rendite schmälern. Und für einen Dax-Konzern mit mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz gilt noch mehr als für andere Unternehmen: Er muss auch mit extremen Risiken kalkulieren - die haben zwar heftige Folgen, kommen dafür aber auch nur selten vor.

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Seite 1
Drschlaumeierxy 20.04.2010
1. Wunschkonzert
...ich sag nur 'keine Kerosinsteuer'! Mit freundlichen Grüßen DrSchlaumeier
Klo, 20.04.2010
2. d
Zitat von sysopDie Airlines leiden unter den Flugverboten - und behalten sich den Ruf nach Staatshilfen vor. Doch die Folgen wären fatal. Die Regierung sollte sich nicht einmal auf eine Diskussion darüber einlassen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,690117,00.html
Staatshilfen sind unsinnig. Die Kapazitäten regelt allein der Markt und wer pleite geht, der ist nicht marktfähig. Andere werden seinen Platz einnehmen.
Hannowald 20.04.2010
3. Hilfe? Na klar!
Selbstverständlich muss der Staat den Airlines helfen! Aber nur, wenn jeder Eisdielenbetreiber nach einem verregneten Wochenende sich auch ein paar Hunderter beim Staat abholen kann.
e_n_2009 20.04.2010
4. Na endlich ..
... dann gehen die ganzen Billigflieger pleite, und der Plebs darf nicht mehr fliegen. Genauso, wie es eigentlich sein sollte, nicht wahr? Und dann geht Airbus auch endlich den Bach runter. Warum braucht Hamburg denn diese ganzen dummen Arbeitsplaetze. Und dann erst die Steuern dieser Arbeitnehmer und Unternehmen. Deutschland schwimmt im Geld, die Wirtschaft brummt. Warum also soll der Staat schuetzend bei einem "Akt Gottes" einspringen? Dafuer zahlt man doch keine Steuern! Wenn nicht hierfuer, wofuer denn? Der Spiegel spinnt.
e_n_2009 20.04.2010
5. ...
Zitat von KloStaatshilfen sind unsinnig. Die Kapazitäten regelt allein der Markt und wer pleite geht, der ist nicht marktfähig. Andere werden seinen Platz einnehmen.
Wenn man Ihre Haltung konsequent zuende denkt, braucht man den Staat nicht. Schutz und Hilfe sind des Staates einzige Existenzberechtigung.
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