Euro-Krise: Deutsche Industrie trotzt schwacher Konjunktur

Unternehmen in Deutschland bekommen die Euro-Krise zu spüren, doch die Zahl der Beschäftigten in der Industrie sinkt nur leicht - und liegt immer noch über dem Wert des vergangenen Jahres. Auch für 2013 rechnen Beobachter nicht mit einem massiven Konjunktureinbruch.

Motorenwerk in Friedrichshafen: Arbeitsplätze auf Vier-Jahres-Hoch Zur Großansicht
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Motorenwerk in Friedrichshafen: Arbeitsplätze auf Vier-Jahres-Hoch

Wiesbaden - Die Euro-Krise wirkt sich immer stärker auf die deutsche Wirtschaft aus. Die Industrieproduktion musste im Oktober den stärksten Rückschlag seit der Finanzkrise 2009 verkraften. Die Unternehmen haben deshalb auch zum ersten Mal in diesem Jahr Arbeitsplätze gestrichen. Die gute Nachricht: Die Firmen stehen immer noch deutlich besser da als im vergangenen Jahr - und die Aussichten sind verhalten positiv.

Im Oktober sank die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum September zwar um 7745 oder 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit verharrt die Beschäftigtenzahl aber immer noch nahe dem im September erreichten Vier-Jahres-Hoch von knapp 5,3 Millionen. Das zeigt: Trotz der schwachen Auftragsentwicklung in den vergangenen Monaten hat die Flaute kaum Auswirkung auf die Beschäftigung.

Im Vergleich zum Oktober 2011 hat die Industrie in diesem Jahr 90.000 Beschäftigte oder 1,7 Prozent mehr. Besonders stark stieg die Beschäftigtenzahl auf Jahressicht demnach im Maschinenbau mit einem Plus von 3,5 Prozent. Gute Zuwächse hatten den Angaben zufolge auch Autoproduzenten und die Hersteller von Metallerzeugnissen mit je 2,6 Prozent.

Ein Grund dafür ist Experten zufolge, dass sich die Unternehmen in der Regel zuerst von Zeitarbeitern trennen. Diese werden in der Statistik aber nicht erfasst. Die Zahl der im Oktober geleisteten Arbeitsstunden nahm um 6,6 Prozent auf 706 Millionen zu. Allerdings zählte der Oktober diesmal zwei Tage mehr. Die Löhne lagen bei rund 19 Milliarden Euro - ein Plus von 5,4 Prozent zum Vorjahresmonat.

Arbeitgeberpräsident Hundt rechnet 2013 mit Wachstum

Die Aussichten für das kommende Jahr hellen sich nach Ansicht einiger Beobachter auf. Das Gewerkschaftsnahe IMK-Institut hat seine Wachstumsprognose verdoppelt. Die Düsseldorfer Forscher trauen der Wirtschaft nun ein Anziehen um 0,8 Prozent zu und begründen dies mit besseren Geschäftsaussichten für die heimischen Exporteure. Zudem dürfte die US-Wirtschaft wieder zulegen. "Wir gehen in unserer Prognose davon aus, dass sich die ökonomische Lage weder in den USA noch in Europa im kommenden Jahr deutlich verschlechtert", sagte IMK-Direktor Gustav Horn am Montag in Berlin.

Positive Signale kamen auch von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Er rechne für das kommende Jahr mit einer wachsenden Wirtschaft und steigenden Löhnen, sagte Hundt der "Rheinischen Post". "Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland keine Rezession erleben werden", sagte Hundt. Die gute Lohnentwicklung der Jahre 2011 und 2012 werde sich im kommenden Jahr fortsetzen. "Wenn es den Unternehmen gut geht, sollen davon auch die Mitarbeiter profitieren", fügte er hinzu.

Hundt regte aber an, im Fall einer sich abschwächenden wirtschaftlichen Entwicklung die Kurzarbeiterregelung auf die Zeitarbeitsbranche auszuweiten. "Es geht um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die Staatsschuldenkrise birgt immer noch schwer vorhersehbare Risiken", sagte der Arbeitgeberpräsident. Hundt nahm damit einen Vorschlag des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, auf.

Mit Kurzarbeit können Unternehmen auf einen konjunkturell bedingten Auftragseinbruch reagieren, ohne gleich Mitarbeiter zu entlassen. Dafür wird vorübergehend die betriebliche Arbeitszeit gekürzt. Das Kurzarbeitergeld wird von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt. Sie erstattet 60 Prozent des ausgefallenen Nettoeinkommens, bei Kindern im Haushalt 67 Prozent. Wegen der unklaren konjunkturellen Entwicklung stellt die Bundesagentur für Arbeit 2013 mehr Geld für Kurzarbeit bereit.

nck/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Hurra !!Wir haben einen neuen
ratschbumm 17.12.2012
Zitat von sysopDPAUnternehmen in Deutschland bekommen die Euro-Krise zu spüren, doch die Zahl der Beschäftigten in der Industrie sinkt nur leicht - und liegt immer noch über dem Wert des vergangenen Jahres. Auch für 2013 rechnen Beobachter nicht mit einem massiven Konjunktureinbruch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/folgen-der-euro-krise-deutsche-industrie-trotzt-schwacher-konjunktur-a-873305.html
Arbeiterführer: Herr Hundt hat gesprochen: "Wenn es den Unternehmen gut geht, sollen davon auch die Mitarbeiter profitieren". Aber hallo Herr Hundt, wo waren Sie in den vergangenen 15 Jahren in denen auf Kosten der Arbeitnehmer und des Staates durch erzwungenen Lohnverzicht, Aufstockerleistungen und Steuerstreichungen der Profit der Unternehmer reichlich erhöht wurde ?
2. Hurra! Wir leben noch!
uezegei 17.12.2012
Der Euro ist schön. Der Euro ist gut für Deutschland. Niemand profitiert so vom Euro, wie wir alle in Deutschland. Ohne den Euro wären wir tot. Der Euro lebe lange, er lebe hoch. 15 Jahre Reallohnverzicht sind nicht Schuld des Euro, nein. So, das aufschreiben und jeden Tag 20 mal beten, dann klappt das schon!
3. Natürlich hat Arbeitgeberpräsident Hundt
irreal 17.12.2012
Zitat von sysopDPAUnternehmen in Deutschland bekommen die Euro-Krise zu spüren, doch die Zahl der Beschäftigten in der Industrie sinkt nur leicht - und liegt immer noch über dem Wert des vergangenen Jahres. Auch für 2013 rechnen Beobachter nicht mit einem massiven Konjunktureinbruch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/folgen-der-euro-krise-deutsche-industrie-trotzt-schwacher-konjunktur-a-873305.html
recht wenn er glaubt dass 2013 aber die Zahlen wachsen. Die Zahlen nämlich der Aufstocker und leiharbeiter und irreal Beschäftigten, damit die Bilanzen wachsen können der LEISTUNGSTRÄGER die da ihre Gewinne abschöpfen wollen. Okey, aber lang dauerts nicht mehr bis alles zusammenbricht. Bin ja mal gespannt was dann passiert und inwieweit dann die wahren Verursacher zur Kasse gebeten werden, egal mal wie das dann aussieht. Schaun wer mal. Gilt übrigens für die Verantwortung der Medien genauso und deren "neutrale" Berichterstattung. MFG
4. Ich kann es nicht mehr hören
dunkelmerkel 17.12.2012
Liebe SPONS, wann hört ihr endlich mal mit diesen blöden Wachstumsmeldungen auf? Und diese dämlichen Wolkenbildchen dazu könnt ihr euch auch mal sparen. Alle paar Tage gibt bei euch Meldungen, bei denen einem Angst und Bange werden kann (soll???), weil die "Stimmung der Wirtschaft so schlecht wie lange nicht" ist und 2 Tage später ist alles super und die Firmen blicken plötzlich optimistisch in das neue Jahr und die Auftragsbücher sind über Nacht voll geworden. Hin und Her. Heute so, morgen so. Merkt ihr das eigentlich selber nicht mehr? Glaubt ihr wirklich, irgendwer nimmt diese Meldungen noch ernst?
5. Ein Hundt ist auch nur ein Mensch
loops-2000 17.12.2012
und so gesehen ist ein gewisser Egoismus für die Wirtschaft durchaus hilfreich :-)
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