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Folgen für Deutschland: Griechen-Pleite - und dann?

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Es ist ein Horrorszenario: Griechenland kann seine Kredite nicht mehr bedienen, alle Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen. Aber welche Folgen hätte das für Deutschland, müsste der Staat erneut Banken retten, und leiden auch die Privatanleger? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Skyline von Frankfurt: Kein Zusammenbruch des Finanzsektors Zur Großansicht
dapd

Skyline von Frankfurt: Kein Zusammenbruch des Finanzsektors

Hamburg - Es ist nur ein kleiner Passus in den Statuten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Aber der hat es in sich: Die Organisation leiht einem Land nur dann Geld, wenn sichergestellt ist, dass es mindestens ein Jahr zahlungsfähig bleibt. Die Washingtoner Experten haben jedoch zunehmend Zweifel, dass diese Mindestanforderung im Falle Griechenlands gewährleistet ist.

Eigentlich soll der hochverschuldete Staat Ende Juni eine weitere Tranche aus dem zu einem Drittel vom IWF und zu zwei Dritteln von den Europäern finanzierten Rettungspaket bekommen. Genügt das griechische Spar- und Privatisierungsprogramm nicht den Anforderungen des IWF, und würde dieser tatsächlich Ernst mit seinem Ausstieg machen, droht Griechenland der Bankrott.

Denn es ist unsicher, ob die Euro-Staaten den Anteil übernehmen würden. Deshalb sind sie wohl gar nicht so unglücklich über das Zögern des IWF. Gilt es doch vor allem als Warnsignal gen Griechenland: "Macht endlich Ernst, es steht für euch Spitz auf Knopf."

Allerdings dürfte die Diskussion ein anderes düsteres Szenario wahrscheinlicher machen, das seit Wochen an den Finanzmärkten diskutiert wird: Griechenland hat so viele Schulden, dass der Staat kaum in der Lage sein wird, das geliehene Geld vollständig an die Kreditgeber zurückzuzahlen. Es läuft wohl auf eine Umschuldung hinaus. Wer der Regierung in Athen Geld geliehen hat, bekäme dann nur einen Teil davon zurück. Vielleicht für einen Euro gerade noch 50 Cent.

Beherrschbare Folgen

Ein Schuldenschnitt - im Branchenjargon "Haircut" genannt - in Höhe von 50 Prozent ist für die Gläubiger eine teure Angelegenheit. Weil Griechenland 330 Milliarden Euro Miese hat, wären 165 Milliarden Euro futsch. Den Großteil davon müssten ausländische Investoren stemmen.

Aber welche Folgen hätte eine Umschuldung Griechenlands für Deutschland?

  • Würden Banken pleitegehen?
  • Müssten Versicherungen Milliarden abschreiben?
  • Hätten private Fondsanleger mit drastischen Verlusten zu kämpfen?

Die Antwort auf diese Fragen ist beruhigend - zumindest auf den ersten Blick. Denn die Konsequenzen eines Forderungsverzichts gegenüber der Regierung in Athen wären durchaus beherrschbar. Derzeit hat Griechenland gut 25 Milliarden Euro Schulden bei den hiesigen Kreditinstituten und deren Recyclinghöfen für Schrottpapiere, den sogenannten Bad Banks. Entweder haben die Geldhäuser griechische Staatsanleihen im Portfolio, oder sie haben der Regierung Kredite gegeben.

Größter deutscher Gläubiger Griechenlands ist die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Allzweckwaffe der Regierung für "Wir brauchen dringend Geld"-Aktionen hat bislang 8,4 Milliarden Euro an Krediten bewilligt. Diese wurden im Rahmen des Rettungspakets von IWF und Europäern ausgezahlt. Weil der Bund dafür bürgt, müsste der Finanzminister der KfW einen Ausfall ersetzen. Bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent wären mehr als vier Milliarden Euro fällig.

Private Banken können sich selbst helfen

Über das zweitgrößte Engagement beim griechischen Staat verfügt mit 7,4 Milliarden Euro die FMS Wertmanagement. Hinter dem wohlklingenden Namen verbirgt sich die Bad Bank der Hypo Real Estate. Das Pleite-Institut wurde in der Finanzkrise zwangsverstaatlicht. Auch die Schrottpapierverwalter der Düsseldorfer WestLB, die sich den nicht ganz so vertrauenserweckenden Namen Erste Abwicklungsanstalt gegeben haben, nennen noch rund 1,4 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen ihr Eigen. Bei einer 50-prozentigen Umschuldung wären, beide Bad Banks zusammengerechnet, rund 4,4 Milliarden Euro weg. Für diese Summe müsste indirekt ebenfalls der Steuerzahler aufkommen.

Die übrigen Landesbanken, die zumeist Bundesländern und Sparkassen gehören, haben zusammen gut 2,5 Milliarden Euro an den griechischen Staat verliehen. Ein drastischer Forderungsverzicht würde wahrscheinlich keines der Institute ernsthaft in Bedrängnis bringen, weil sie über ausreichend Kapital verfügen.

Auch wenn es nur ein schwacher Trost ist: Der Staat müsste wohl kein privates Geldhaus retten. Sowohl die Commerzbank Chart zeigen als auch die Deutsche Bank Chart zeigenund das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank sind (inzwischen wieder) in der Lage, mögliche Ausfälle durch eine Umschuldung selbst zu tragen.

Zumal die Abschreibungen etwa bei der Deutschen Bank geringer sein könnten als der Betrag (1,6 Milliarden Euro) vermuten lässt. Aus dem Umfeld des größten deutschen Geldhauses ist zu hören, dass das Gros der Griechen-Papiere bereits im Wert angepasst wurde. Entsprechend wäre der zusätzliche Abschlag im Fall der Fälle eher gering.

So viel Geld haben deutsche Banken Griechenland geliehen
Institut Betrag (in Mio. Euro)
Commerzbank 2900
Deutsche Bank (inklusive Postbank) 1601
DZ Bank 1002
Landesbank Baden-Württemberg 1389
Landesbank Berlin 364
HSH Nordbank 295
NordLB 197
BayernLB 121
WestLB 97
Landesbank Hessen-Thüringen 78
FMS Wertmanagement (Bad Bank der Hypo Real Estate) 7400
Erste Abwicklungsanstalt (Bad Bank der WestLB) 1400
Kreditanstalt für Wiederaufbau 8400
Stand: Jeweils aktuellste verfügbare Daten

Quelle: Unternehmensangaben, Beträge z.T. geschätzt
Beherrschbar wäre die Situation auch für die deutschen Versicherungen. Vor einem Jahr ging die Branche noch davon aus, dass bis zu ein Prozent aller Kapitalanlagen in griechischen Staatspapieren steckt. Inzwischen wird der Anteil auf deutlich unter 0,5 Prozent geschätzt. Das entspricht maximal sechs Milliarden Euro.

Eine Umschuldung in Höhe von 50 Prozent hätte somit Abschreibungen von höchstens drei Milliarden Euro zur Folge. Angesichts von Gesamtanlagen in Höhe von 1,2 Billionen Euro würde wohl kein Unternehmen vor unlösbare Probleme gestellt. Und fast niemand würde die Konsequenzen bei seiner Lebens- oder Rentenversicherung spüren.

Kaum etwas zu befürchten haben auch die Fondsanleger. Bei den vier größten Anbietern, die mehr als zwei Drittel der Gelder verwalten, sind die Risiken minimal bis inexistent:

  • Die DWS ist nur noch mit weniger als einem Prozent des Fondsvermögens in Griechenland investiert. Der Großteil davon ist bereits im Wert korrigiert.
  • Bei der Deka hält nur noch ein Fonds griechische Staatspapiere. Und selbst in diesem Produkt spielen diese keine nennenswerte Rolle.
  • Auch bei Union Investment ist der Anteil der Staatsanleihen aus Griechenland am gesamten verwalteten Vermögen mit nicht einmal 0,15 Prozent inzwischen sehr gering.
  • Am konsequentesten war Allianz Global Investors. Der Fondsanbieter hält keinen einzigen Cent mehr an Schuldverschreibungen aus Athen.

Eine drastische Umschuldung Griechenlands würde in Deutschland also weder zum Zusammenbruch privater Banken noch zur Implosion von Versicherungen führen. Und auch in den Depots der Fondsanleger kaum Spuren hinterlassen. Anders sieht es bei Bund und Ländern aus. Zumindest die Milliarden-Engagements der KfW und der Bad Banks von Hypo Real Estate und WestLB würden teuer. Hier müsste im Zweifel der Steuerzahler einspringen. Und zum Teil wohl auch die Sparkassen, die im Besitz der Kommunen sind.

Hinzu kommt: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat für Dutzende Milliarden Euro Staatsanleihen aus Griechenland gekauft. Weil die Bundesbank mehr als ein Viertel des EZB-Kapitals hält, müsste sie sich an einem Ausfall entsprechend beteiligen.

Alles halb so wild also? Nein. So verkraftbar ein radikaler Schuldenschnitt Griechenlands für Deutschland auch erscheinen mag. Die größten Gefahren der Aktion lauern woanders. Wahrscheinlich würde das griechische Bankensystem zusammenbrechen, das Land könnte sich außerdem über einen längeren Zeitraum nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren.

Und der Sündenfall könnte auch aus einem anderen Grund zu einer Verschärfung der Euro-Krise führen. Würden Irland und Portugal vom Umschuldungsvirus infiziert, wäre die Lage schnell unkontrollierbar. Spätestens dann würden auch private Banken, Versicherungen und Anleger hierzulande die Folgen spüren.

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insgesamt 401 Beiträge
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1. Griechen-Pleite-und dann?
GerwinZwo 27.05.2011
Griechen-Pleite...dann werden in jedem Fall einige Herren schmal gucken, die ja nicht nur deutsches Steuergeld in Griechenland "gut angelegt" sahen, nicht wahr, Herr Böll, sondern auch ihr eigenes Geld. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wir-kaufen-griechische-staatsanleihen/3426508.html
2. irgentwie komisch
bemsaga 27.05.2011
Zitat von sysopEs*ist ein*Horrorszenario: Griechenland kann seine Kredite nicht mehr bedienen, alle Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen. Aber welche Folgen hätte das*für Deutschland,*müsste der Staat erneut Banken retten, und leiden auch*die Privatanleger? Antworten auf die wichtigsten Fragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764996,00.html
Habt ihr euch eigenlich auch schonmal gefragt 1.) wie es denn sein kann das alle Länder gleichzeitig so hoch verschuldet sein können 2.) bei wem die Länder sich eigentlich diese gewalltigen Summen leihen 3.) woher die Kreditgeber eigentlich diese gewaltigen Summen herhaben Viele wird dies bestimmt schockieren und an unserem Geldsystem (nochmehr) zweifeln lassen... Länder, wie auch Firmen und Privatpersonen, sind allesamt bei privaten Bankem verschuldet! Und woher nehmen diese Banken das ganze Geld?? Sie zaubern es aus praktisch aus ihrem Hut!! Geht mal zu Wikipedia und gebt dort " Geldschöpfung" ein. Dort steht es geschrieben. Geld entsteht ausschließlich bei Kreditvergabe in Banken!!! Banken besaßen dieses Geld vorher nicht! Es wird durch Eingabe in ihren Computer in dem Moment der kreditvergabe erzeugt! Dieser Prozess wird schlauerweise durch verschiedene Systeme und Buchführungen und der Einbeziehung verschiedener Zentralbanken soweit verschleiert, bis 99 % der Leute nicht mehr durchblicken, doch am Ende der Rechnung läuft es genau darauf hinaus. Jetzt muss mann sich natürlich fragen, wenn Kreditaufnahme bei Banken der einzige Weg ist wie Geld geschaffen werden kann, und das wird es duch die anfallenden Zinsen exponential immer mehr, wie können diese Kredite ( einschließlich die Schulden Deutschlands und aller anderen Länder) jemals zurückgezahlt werden?... natürlich durch die Aufnahme neuer kredite, bei den selben privaten banke...... plus zinsen!! ;-) Ein Schneballsystem das früher oder später zusammenbrechen muss. Aber nicht bevor die Bangster durch diesen legalen Betrug die ganze Welt aufgekauft haben und die exponenzielle Geldvermehrung in Hyperinflation und dem Zusammenbruch der Wirtschaft geendet ist... Dies hat natürlich schon lange nichts mehr mit dem in Foren so oft verrufenen Kapitalismus zu tun. Dies ist einfach legalisierter Betrug von oberster Stelle, der von Heute auf Morgen beendet werden könnte.... nur leider haben die meisten Leute keine Ahnung von diesem Verbrechen, und das dies die Wurzel so ziemlich all ihrer Probleme ist. Wer einen crashkurs über dieses wohl wichtigste Thema haben möchte sollte sich am besten Die Dokumentation "the secret of oz deutsch" auf youtube angucken, oder "the money masters" ( dieser leider nur auf englisch) auch interessant wäre die Seite von deutschlands einzige Partei die mutig genug ist sich mit diesem Thema auseinander zu setzt, die "Partei der Vernunft"
3. Horror, oder wie die Pest über Europa kam...
xeniabloom 27.05.2011
Zitat von sysopEs*ist ein*Horrorszenario: Griechenland kann seine Kredite nicht mehr bedienen, alle Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen. Aber welche Folgen hätte das*für Deutschland,*müsste der Staat erneut Banken retten, und leiden auch*die Privatanleger? Antworten auf die wichtigsten Fragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764996,00.html
Klare Worte von SPON. Danke für die schnörkellose Wahrheit.
4. Griechenland
kdshp 27.05.2011
Zitat von sysopEs*ist ein*Horrorszenario: Griechenland kann seine Kredite nicht mehr bedienen, alle Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen. Aber welche Folgen hätte das*für Deutschland,*müsste der Staat erneut Banken retten, und leiden auch*die Privatanleger? Antworten auf die wichtigsten Fragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764996,00.html
Hallo, ja mein gott wer geld zu geld machen will geht eben auch das risiko ein sein geld zu verlieren SO ist das nun mal. Und nein wir (der staat) muss keien banken retten denn so ist das nun mal auf dem markt da gehen auch mal firmen nieder.
5. Es ist höchste Zeit, diesen ganzen Wahnsinn endlich zu stoppen
bhayes 27.05.2011
Und zwar durch eine vernünftige Vorgehensweise: a) Komplettes Verschuldungsverbot aller EU-Staaten b) Verbot der Geldschöpfung aus dem Nichts c) Festschreibung eines deutliche höheren Eigenkapital der Banken Für weitere Infos siehe http://www.nein-zur-transferunion-fuer-stabiles-geld.de Unbedingt verhindert werden muss der ESM, dieser entmachtet den Bundestag zu einem guten Teil und wird zwangsläufig zu min. 100 Mrd. Euro Verlust pro Jahr für die Einwohner Deutschlands führen.
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