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Folgenschwere Wette: Ehemals reichster Ire ist pleite

Es ist ein beispielloser Absturz: Einst war Sean Quinn der reichste Mann Irlands. Nun ist er pleite und meldete Privatinsolvenz an. Der 64-Jährige jonglierte mit Milliarden - und verlor alles durch eine gewagte Finanzwette.

Belfast - Es sind nur ein paar Zeilen - und sie sind nicht nur eine finanzielle Bankrotterklärung. Sean Quinn muss einräumen, dass er alles verloren hat. "Mit großer Trauer und Bedauern habe ich beim Gerichtshof in Belfast freiwillig Insolvenz angemeldet", teilte der 64-jährige Ire mit. Der einstige Unternehmer-Star könne seine Schulden nicht mehr abzahlen, sagte sein Anwalt. "Ihm bleibt so gut wie nichts mehr."

Hätte man Quinn dieses Schicksal vor einigen Jahren vorhergesagt, hätte wohl kaum ein Ire daran geglaubt. Denn der Unternehmer war auf der ganzen Insel für seinen Reichtum bekannt. Als Irland 2008 den Höhepunkt des Booms erlebte, wurde Quinns Vermögen auf fast fünf Milliarden Euro geschätzt.

Er war ein Selfmade-Unternehmer. Seine Karriere begann mit dem Verkauf von Bausand, später stieg er ins Zementgeschäft ein. Quinn baute sich ein Imperium mit Baufirmen und Immobilienbeteiligungen auf. Sein Konzern stieg auch noch ins Hotel- und Krankenhausgewerbe ein. Er war außer in Irland auch in Osteuropa und Russland aktiv. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs beschäftigte er 5500 Menschen. Auch im Versicherungsgeschäft mischte der Unternehmer mit. Doch Letzteres steht bereits seit einiger Zeit unter Zwangsverwaltung. 2008 musste der Unternehmer als Chef von Quinn Insurance gehen, die Firma hatte fragwürdige Kredite vergeben.

Doch den wohl größten Fehler seines Lebens machte Quinn mit der Anglo Irish Bank. Er hatte sich an der Bank beteiligt und einen großen Teil seines Vermögens mit ihr verwoben. Doch das Institut verhob sich mit Immobilienkrediten. Noch kurz vor dem Zusammenbruch der Bank hatte Quinn massiv in Anteile des Geldhauses investiert. Er verlor rund eine Milliarde Euro. Während der Finanzkrise wurde die Bank verstaatlicht, derzeit wird sie unter dem Namen Irish Bank Resolution Corporation (IBRC) abgewickelt. Quinns Schulden bei dem Institut - und damit dem irischen Staat - sollen sich auf fast drei Milliarden Euro belaufen. Quinn selbst sagt, er schulde der Bank "nur" 194 Millionen Euro.

Für viele Iren ist Quinn noch immer ein Vorbild, weil er in seiner Heimat Tausende Jobs geschaffen hat. Es gab sogar Kundgebungen, auf denen Menschen ihm ihre Unterstützung bekundeten. Kritiker sagen aber auch, dass Quinn zu einer Gruppe von Managern und Unternehmern gehörte, die sich über Jahre hinweg Aufträge zuschanzte und den Aufschwung in Irland für sich nutzte.

Nun muss Quinn erleben, wie es sich anfühlt, nicht mehr zum erlauchten Zirkel der Mächtigen und Reichen zu gehören. Es gibt bereits Streit darüber, ob er nach dem Insolvenzrecht der Republik Irland oder nach britischem Recht in der Region Nordirland zur Verantwortung gezogen werden sollte. In Nordirland könnte er innerhalb eines Jahres ohne Schulden sein. In der Republik dürfte er zwölf Jahre lang nicht unternehmerisch tätig werden.

Seine Gläubiger kündigten an, sie wollten trotz des Bankrotts nach verbliebenem Vermögen des einstigen Milliardärs suchen.

mmq/Reuters

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1. Soll unterkriechen
niepmann 12.11.2011
Zitat von sysopEs ist ein beispielloser Absturz: Einst war Sean Quinn der reichste Mann Irlands. Nun ist er pleite und meldete Privatinsolvenz an. Der 64-Jährige jonglierte mit Milliarden - und verlor alles durch eine gewagte Finanzwette. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,797353,00.html
Unter dem ESFS ist noch ein Plätzchen frei für eine einzelne Person. Wozu sind Rettungsschirme sonst da?
2. ...
thana 12.11.2011
Den würde ich jeden Cent abbezahlen lassen. Nix Privatinsolvenz. Jeder, der ohne eigenes Verschulden durch Pech oder schlechte Lage in die Insolvenz rutscht, hat mein vollstes Mitverständnis, aber wer den Hals nicht voll bekommt und dann noch so intelligent ist, sein komplettes Vermögen zu verspielen, dem gehören auch die vollen Konsequenzen aufgedrückt.
3. So funktioniert's
Sequester 12.11.2011
Das ist eben Marktwirtschaft: Möglichkeiten viel zu gewinnen und alles zu verlieren. Der gute Mann hat für sich wohl ein zu hohes Risikoprofil gewählt. Mein Mitleid hält sich deshalb in Grenzen - er eist allerdings auch der Gegenbeweis, dass die "Reichen immer reicher werden", Frau Schickedanz kann das wohl auch bestätigen. Auch im engsten Umfeld musste ich Unternehmenspleiten erleben und obwohl ich Mitleid wegen der Einzelschicksale habe betrachte ich dieses Scheitern als Prozess. Langfristig setzen sich (meist) nachhaltig tragfähige Geschäftsmodelle durch, andere haben manchmal einfach Glück weil sie z.B. auf Rohstoffen sitzen. Insofern: neidisch könnte man auf alle Norweger sein, Leute wie Steve Jobs, Dietmar Hopp, die Gebrüder Albrecht oder die Familie Schwarz sollte man bewundern. Den schadenfrohen Unterton in den letzten Absätzen hätte sich SPON sparen können: wenn er sein Geld ehrlich erworben hatte ist das bewundernswert und wenn er jetzt nichts mehr hat ist das für ihn tragisch. Aber nur wegen einer solchen Einstellung ist Irland auf einem relativ guten Weg aus der Krise, wohingegen die Staatsgläubigkeit in Griechenland garantiert nicht zielführend ist.
4. Alles Riskiert - alles verloren...
merapi22 12.11.2011
Zitat von sysopEs ist ein beispielloser Absturz: Einst war Sean Quinn der reichste Mann Irlands. Nun ist er pleite und meldete Privatinsolvenz an. Der 64-Jährige jonglierte mit Milliarden - und verlor alles durch eine gewagte Finanzwette. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,797353,00.html
Wie gewonnen so zerronnen, aber das letzte Hemd hat keine Taschen, so ergeht es ohnehin jeden Supereichen! Er konnte einfach nicht genug haben, wollte immer mehr, absolut sinnlos, krankhaft - aber heute noch gesellschaftsfähig, bewundernswert. Was hätte Er mit dem Geld alles Gutes tun können, wie vielen Menschen in Not helfen. Als positives Beispiel fällt mir da der dm Gründer Prof. Götz Werner ein. Herr Werner verschenkt sein Milliardenvermögen an eine Stiftung und eine gute Ausbildung für seine sieben Kinder ist ihm wichtiger als alles Geld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,712007,00.html
5. Ich nix verstehen
peter h. 12.11.2011
5 Milliarden minus 3 Milliarden sind nach Adam Rise 2Milliarden.Nicht schlecht mit 64 Jahren. Also verhungern wird er sicher nicht.
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