Angst um Griechenland: Fonds stoßen Euro-Anlagen ab
Das Griechen-Drama alarmiert Geldprofis. Laut "Financial Times" ändern große Fonds ihre Strategie und trennen sich im großen Stil von Euro-Anlagen. "Unseren letzten Euro haben wir am 15. Mai verkauft", sagt ein Investor.
London - Das Vertrauen der Finanzwelt in den Euro sinkt rapide. Laut "Financial Times" haben Manager einiger der größten europäischen Fondsgesellschaften offen bestätigt, dass sie sich in großem Stil von Euro-Anlagen trennen. Das betreffe Devisen, Staatsanleihen, aber auch Aktien. Grund sei die Sorge vor einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion.
Die britische Fondsgesellschaft Threadneedle hat Verkäufe bestätigt, ebenso wie Europas zweitgrößte privatwirtschaftliche Fondsgesellschaft Amundi. Auch der US-Währungsspezialist Merk Investments trennte sich radikal von Euro-Beständen. Im Vorzeigefonds des Unternehmens sei kein einziger Euro mehr, sagte Anlagen-Chef Axel Merk. "Unseren letzten Euro haben wir am 15. Mai verkauft. Wir sind sehr besorgt darüber, wie schlecht es mit Griechenland läuft. Keiner spricht mehr mit den Verantwortlichen dort."
Die nächste internationale Hilfstranche für Griechenland hat ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro. Bevor das Land den Betrag erhält, muss erneut die Troika aus EZB, IWF und EU die Reformfortschritte prüfen. Wegen der unklaren politischen Situation vor den Wahlen am 17. Juni finden derzeit keine Gespräche statt.
Am Donnerstag fiel die Gemeinschaftswährung auf 1,2517 Dollar - so niedrig hatte der Euro zuletzt im Sommer 2010 notiert. Am Freitag konnte sich der Kurs dank guter Konjunkturdaten zwar etwas berappeln und stieg auf 1,2555 Dollar, ein klarer Erholungstrend ist aber nicht zu erkennen. Die Citigroup warnte, ein ungeordneter Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion könne den Euro auf die Marke von einem Dollar drücken.
Beamter in Athen warnt vor Haushaltsloch
Bei der Fondsgesellschaft Amundi sieht man zudem ein gestiegenes Risiko, dass die Griechenland-Krise doch auf Spanien und Italien überspringt. Die europäischen Krisenmanager hätten die Finanzmärkte nicht überzeugen können, dass es eine tragfähige Brandmauer gebe, hieß es bei Amundi. Die Fondsgesellschaft verwaltet Geld für einige der größten europäischen Pensionsfonds und für Unternehmen und setzt laut "FT" nun verstärkt auf Dollar-Anlagen.
Viele Finanzmanager sehen eine deutliche gestiegene Gefahr, dass Griechenland den Euro verlässt. Aus Athen kamen am Freitag Warnungen vor einem tiefen Finanzloch. Demnach sind die Staatseinnahmen eingebrochen, weil eine handlungsfähige Regierung fehlt. Sollte diese Situation andauern, werde "ein 1,3 Milliarden Euro großes Loch im Haushalt klaffen", sagte ein Beamter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa.
Viele vereinbarte Sparmaßnahmen und Reformen könnten nicht in die Tat umgesetzt werden, weil die Interimsregierung keine Handlungsbefugnis habe. Nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen soll in Griechenland am 17. Juni erneut gewählt werden. Es müsse "wenn möglich, schon am 18. Juni eine handlungsfähige Regierung geben, die die Steuern einsammelt", sagte der Beamte.
Allein im Mai waren nach übereinstimmenden Berichten griechischer Medien die Einnahmen um etwa 20 Prozent hinter dem Plansoll geblieben. Aus diesem Grund versucht das Finanzministerium, zumindest die bislang fälligen Steuern zu kassieren. Den Nichtzahlern werde mit Beschlagnahme ihrer Immobilien gedroht, hieß es.
Aus Berlin gab es beschwichtigende Worte. Griechenland bleibe vor einer möglichen Staatspleite mehr Zeit als bisher gedacht, sagte der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Ursprünglich sehe der Plan vor, dass die zweite Tranche des zweiten Hilfspakets Ende Juni fällig wäre, sagte Martin Kotthaus. "Soweit mir bekannt ist, gibt es aber keinen aktuellen Finanzbedarf externer Art über die Hälfte des Jahres hinaus, so dass eine Verschiebung um wenige Wochen unproblematisch wäre."
"Die Politik hat versagt"
Auf die Finanzmanager haben die Aussagen und Pläne der Regierungen bisher keine beruhigende Wirkung. "Die Politik hat total dabei versagt, die Märkte davon zu überzeugen, dass sie die Probleme in der Euro-Zone wirklich lösen werden", sagte Neil Williams, Chefökonom bei der Fondsgesellschaft Hermes.
Immerhin bei Amundi kann man der Euro-Schwäche auch Positives abgewinnen. Ein schwächerer Euro könne der europäischen Exportwirtschaft helfen, hieß es. Zudem gehe Amundi grundsätzlich noch immer davon aus, dass die Währungsunion nicht auseinanderbreche. Man könne aber nicht die Augen davor verschließen, dass die Sorge an den Märkten in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen sei.
mmq/dpa/Reuters
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