Gebühren bei Investmentfonds: Das Geheimnis des Erfolgs

Von Christian Kirchner

Manager von Investmentfonds sind dazu da, Geld zu vermehren. Warum berechnen sie dann eine Extragebühr, wenn sie es tatsächlich schaffen? Die Antwort: Weil sich die Anleger daran gewöhnt haben - mit verheerenden Folgen für die Rendite.

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Fondsmanager Klaus Kaldemorgen: Er hängt sich die Latte niedrig

Stellen Sie sich vor, Ihr Auto hat ein Motorproblem. Sie fahren in eine Werkstatt, die den Wagen repariert, aber zusätzlich zu Lohn und Material noch einen kleinen Aufschlag von 15 Prozent der Rechnungssumme haben will. Weil das Auto tatsächlich wieder fährt. Oder stellen Sie sich vor, die Bahn bucht Ihnen bei einem pünktlichen Zug noch ein paar Euro extra ab, als "Performancegebühr".

Klingt grotesk? Stimmt. Allerdings ist ein solches Vorgehen inzwischen Routine - im Reich der Investmentfonds, wo immer mehr Anbieter neben der fixen Managementvergütung für die Fondsverwaltung noch eine zusätzliche erfolgsabhängige Vergütung verlangen. Und die wird, je nach Ausgestaltung, bereits dann fällig, wenn das Management schlicht das geschafft hat, was sie für die erhobene Fixgebühr ohnehin in Aussicht stellt: Den Vergleichsindex zu schlagen oder auch überhaupt eine positive Rendite zu erzielen.

Für Anleger ist die Beschäftigung mit der Gebührenstruktur von Fonds lästig, aber von immer größerer Bedeutung - aus drei Gründen:

  • Mit passiven Indexfonds gibt es für informierte Anleger mittlerweile eine echte Alternative zu gemanagten Fonds - für einen Bruchteil der Gebühren.
  • Und vor allem ist in dieser Woche eine Initiative des Europäischen Parlaments gescheitert, die Praxis erfolgsabhängiger Gebühren bei Investmentfonds europaweit zu vereinheitlichen.

Dringend nötig wäre diese Regulierung gewesen, denn die Kreativität der Anbieter ist groß. Drei typische Beispiele von erfolgsabhängigen Gebühren, die auch ohne wirkliche Erfolge fällig werden:

  • Modell "Unter den Blinden ist der Einäugige König": Ein Fonds behält eine zusätzliche Gebühr ein, wenn er über einen bestimmten Zeitraum - meist ein Jahr - besser abschneidet als der Vergleichsindex - egal wie mies dieser Vergleichsindex gelaufen ist. Von der Mehrrendite kassiert die Gesellschaft 10 bis 20 Prozent. Eine solche Ausgestaltung findet sich etwa in bekannten Fonds wie dem Dekafonds des Sparkassen-Fondsdienstleisters Deka oder dem seit Jahren in Deutschland populären Mischfonds Carmignac Patrimoine.

  • Modell "Blindes Huhn findet auch einmal ein Korn": Manche Gesellschaften vereinnahmen auch Gebühren auf die absolute Wertentwicklung: Übersteigt die Jahresrendite einen bestimmten Prozentsatz, behält die Gesellschaft 10 bis 15 Prozent dieser Mehrrendite ein - oder schlicht zehn Prozent von jedem Vermögenszuwachs über alte Höchststände hinaus, egal wie mies der Fonds zuvor gelaufen ist. Diese Klausel findet sich etwa bei dem im Vertrieb zuletzt populären Multiple Opportunities der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.
  • Modell "Hängt die Latte niedrig": Beim 2011 aufgelegten DWS Concept Kaldemorgen sind neben der Grundgebühr zusätzlich 15 Prozent des Mehrertrags gegenüber dem aktuellen Geldmarktzins Eonia fällig. Dieser liegt im Moment bei satten 0,08 Prozent. Mit anderem Worten: Es gibt einen Bonus für jedes Jahr, in dem Fondsmanager Klaus Kaldemorgen kein Geld vernichtet.

Doch warum das Management nicht am Erfolg beteiligen und die Interessen von Managern und Anlegern vereinen? Ganz einfach: Weil bei schlechten Leistungen die Gebühren nicht sinken. Weil auch die langfristig schwächsten Fonds einmal ein relativ zum Gesamtmarkt gutes Jahr erwischen. Und weil die Flut eben alle Boote eines Hafens hebt, sprich: In guten Börsenjahren die Manager für hohe absolute Wertzuwächse nichts leisten müssen. Einmal eingeführt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Extragebühr auch bei schwachen Fonds irgendwann einmal fließen wird.

Clever sind diese Gebühren vor allem deshalb, weil sie eine psychologische Schwäche der meisten Privatanleger ausnutzen: Vergleichsindizes interessieren die meisten gar nicht, sie achten lediglich darauf, ob ein Fonds absolut Gewinne oder Verluste einfährt. Bricht der Gesamtmarkt ein, schauen viele gar nicht mehr hin. Und von absoluten Zugewinnen etwas abzugeben, das stört nur wenige.

Ein teurer Fehler, denn die üblichen Marktschwankungen arbeiten dann gegen Investoren: Wer etwa Anfang 1988 10.000 Euro in den Dax investiert hätte, käme bis heute auf ein Endvermögen von rund 76.000 Euro. Hätten die Anleger eine "Performancegebühr" von überschaubaren 15 Prozent auf alle jährlichen Kurszuwächse über fünf Prozent hinaus zu berappen gehabt, hätte sich die über 25 Jahre auf rund 25.000 Euro summiert, also knapp 40 Prozent aller Zugewinne. Das Endvermögen stünde dann heute nur bei 51.000 Euro.

Natürlich haben auch viele Fonds mit Erfolgsgebühren Anlegern in den vergangenen Jahren hervorragende Wertzuwächse beschert. Und ein gutes Fondsmanagement muss natürlich honoriert werden. Gegen eine transparente, fixe Managementgebühr ist also nichts einzuwenden.

Doch wer Fonds meidet, die eine erfolgsabhängige Gebühr verlangen, verbessert meist seine Rendite. Darauf deutet eine Untersuchung der Ratingagentur Scope hin. Deren Analysten verglichen die Kursentwicklung von knapp 8000 Fonds. Ergebnis: Fonds ohne erfolgsabhängige Vergütung schnitten über fünf Jahre um 1,9 Prozentpunkte pro Jahr besser ab als die Pendants mit einer solchen Gebühr.

Ob und in welcher Höhe Fonds erfolgsabhängige Gebühren erheben, ist leichter denn je herauszufinden: Ein Blick in die Verkaufsprospekte oder die vereinfachten Kundeninformationsblätter genügt - auch ganz ohne EU-Regulierung.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Schwindel
Europa! 07.07.2013
Zitat von sysopManager von Investmentfonds sind dazu da, Geld zu vermehren. Warum berechnen sie dann eine Extragebühr, wenn sie es tatsächlich schaffen? Die Antwort: Weil sich die Anleger daran gewöhnt haben - mit verheerenden Folgen für die Rendite. Fondsgebühren: Die Kreativität der Anbieter ist groß - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fondsgebuehren-die-kreativitaet-der-anbieter-ist-gross-a-909389.html)
Investmentfonds sind und waren immer schon ein Schwindel, der auf die selbstverschuldete Unmündigkeit und Bequemlichkeit der Anleger baut.
2. Genau!!!
speedy 07.07.2013
Aber was macht der Staat? Schützt er die Anleger die mittlerweile selbst nicht mal mehr mit einem BWL-Studium diese Kriminellen Machenschaften durchschauen und erkennen können.Jeder Bürger hat doch mit seinem Leben genug zu tun da kann er sich nicht jeden Tag damit beschäftigen ob sich irgend etwas im Finanzwesen ändert das sich auf irgend welche Anlagen auswirkt.Das Vertrauen zum Finanzmarkt und den Banken ist einem Misstrauen gewichen.Selbst den Sparkassen und Volksbanken glaube ich nur noch bedingt bis gar nicht.Banken und Versicherungen sind Teil der Mafia und so werden sie von mir auch behandelt.Möglichst keinen Kontakt und wenn doch dann möglichst seriös und dies ist schwer genug für einen Bürger sehr schwer.Vorallem weil der Staat sich dermassen Neutral verhält das man dahinter nur Methode vermuten kann.
3. Kenne keinen ...
trevorcolby 07.07.2013
Aktiv gemanageten Fond der den Anleger nicht über über den Tisch zieht, arbeite in der branche
4. Fair
plebold 07.07.2013
Ein sehr guter Beitrag. Jede Chance zu Gunsten einer Vertragspartei, die kein Risiko beinhaltet ist sicher als unfair zu betrachten. Zumindest müsste die Fixvergütung eines Fonds entfallen, wenn die Performance schlechter als der Markt ist.
5. Ich keine Fonds gekauft
gsm900 07.07.2013
Zitat von sysopManager von Investmentfonds sind dazu da, Geld zu vermehren. Warum berechnen sie dann eine Extragebühr, wenn sie es tatsächlich schaffen? Die Antwort: Weil sich die Anleger daran gewöhnt haben - mit verheerenden Folgen für die Rendite. Fondsgebühren: Die Kreativität der Anbieter ist groß - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fondsgebuehren-die-kreativitaet-der-anbieter-ist-gross-a-909389.html)
weil nur ich das wirtschaftliche Risiko schultern soll, während die Schöpfer ein sicheres Einkommen durch diverse Entgelte (oft auch Gebühren genannt, die AFAIK nur Behörden erheben dürfen) haben.
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Zum Autor
  • Maxim Sergienko
    Christian Kirchner, Jahrgang 1975; Studium der Politologie und Germanistik an der Uni Mannheim, anschließend Volontariat an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Von 2003 bis 2008 Finanzredakteur beim "Handelsblatt" und Geschäftsführender Redakteur von "New Investor" in Düsseldorf, von 2008 bis 2010 leitender Redakteur und von 2011 bis 2013 stellvertretender Ressortleiter Finanzen der Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien in Frankfurt am Main.

    In seiner Kolumne "Anlegemanöver" hinterfragt Kirchner für SPIEGEL ONLINE die typischen Anlagefloskeln und nimmt neue Produkte und Kampagnen der Finanzdienstleister unter die Lupe.

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