EM 2016 Foodwatch fordert Stopp von Coca-Colas Fußballwerbung

Coca-Colas Werbung zur Fußball-EM erzürnt Verbraucherschützer. Der Getränkekonzern torpediere die Bemühungen der Eltern, Kinder gesund zu ernähren, sagt Foodwatch und fordert Konsequenzen.

EM-Kampagne von Coca-Cola
Coca-Cola

EM-Kampagne von Coca-Cola


Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) haben einen sofortigen Stopp der Werbekampagne von Coca-Cola zur Fußballeuropameisterschaft gefordert.

Beide Organisationen legten beim Deutschen Werberat Beschwerde wegen Verstoßes gegen drei Verhaltensregeln für Lebensmittelwerbung ein. Der Getränkekonzern werbe mit den Idolen Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Co. und torpediere damit die Bemühungen zahlreicher Eltern und Lehrer, Kinder für eine gesunde Ernährung zu gewinnen, kritisierten Foodwatch und die DDG.

Bei der Kampagne "Hol Dir das Team auf 24 Sammeldosen" sind die Gesichter der Fußballnationalspieler auf Cola-Dosen abgebildet. Damit sei die Kampagne eine direkte Aufforderung zum Kauf oder Konsum an Kinder, erklärten Foodwatch und die DDG.

Coca-Cola nutze das besondere Vertrauen der Kinder aus

Zweitens nutze der Getränkekonzern das besondere Vertrauen aus, das Kinder "Personen wie den deutschen Fußballnationalspielern entgegenbringen". Drittens erschwere die Werbekampagne das "Erlernen einer ausgewogenen, gesunden Ernährung".

"Flüssiger Zucker in Form von Cola und Limonade ist besonders gefährlich. Schon eine Dose am Tag erhöht das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes", erklärte DDG-Präsident Baptist Gallwitz. Die Weltgesundheitsorganisation empfehle, im Idealfall nur fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker aufzunehmen. Das entspreche bei einer erwachsenen Frau 25 Gramm. Eine Dose Cola mit 0,33 Litern Inhalt enthält 35 Gramm Zucker. Coca-Cola wollte keine Stellungnahme abgeben.

Der US-Konzern ist Hauptsponsor der Euro 2016 und Partner des Deutschen Fußballbundes (DFB). Foodwatch, die DDG und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hatten den DFB kürzlich aufgefordert, Werbeverträge mit Coca-Cola, Ferrero und McDonald's zu kündigen. Der DFB solle sein Sponsoring-Konzept überdenken, um seiner Vorbildfunktion und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, sagte DDG-Präsident Gallwitz. In seiner Satzung verpflichte sich der Fußballbund zur Förderung gesunder Ernährung.

Keine Überraschungseier in Chile - Ferrero will klagen

Auf deutliche Umsatzeinbußen müssen sich Süßigkeiten- oder Limonadenhersteller in Chile einstellen. In dem südamerikanischen Staat gilt seit Montag ein strenges Gesetz zum Schutz von Kindern vor ungesunder Nahrung. Es verbietet Herstellern, Kindern durch die Beigabe von Spielzeug den Konsum ungesunder Speisen schmackhaft zu machen.

Die chilenische Regierung begründete die Neuregelung mit der raschen Ausbreitung von Übergewicht unter ihren Bürgern. Durch das neue Gesetz wolle sich Chile "als eines der weltweiten Pionierländer bei der Förderung gesunder Ernährung profilieren", sagte Gesundheitsministerin Carmen Castillo.

Rund 60 Prozent der Chilenen sind mittlerweile übergewichtig, bei Kindern unter sechs Jahren ist es bereits ein Drittel. Viele Verbraucher greifen zu süßen Limonaden. Das neue Gesetz verpflichtet Hersteller nun, auf den Etiketten den Gehalt von Zucker, Salz, Kalorien und gesättigten Fetten aufzuführen. Zudem wird an Schulen der Verkauf von ungesunden Lebensmitteln verboten. Letztere dürfen grundsätzlich auch kein Spielzeug mehr enthalten.

Für die Überraschungseier des italienischen Herstellers Ferrero bedeutet dies das Aus. Ferrero kritisierte die neuen Vorgaben scharf und kündigte an, vor nationalen und internationalen Gerichten dagegen vorzugehen. Das Gesetz "beeinträchtigt den Ruf eines unserer beliebtesten Produkte", erklärte das Unternehmen. Auch andere Lebensmittelkonzerne hatten über Jahre hinweg versucht, das Inkrafttreten des neuen Gesetzes zu verhindern.

msc/AFP



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bueckstueck 28.06.2016
1. Albern
Dann druckt Cocal Cola die Bilder halt nur auf die Zero Dosen, da ist kein Zucker drin...
michelinmännchen 28.06.2016
2. Sehr gut
Das sollte man umsetzen, da taugen die "Vorbilder" nur zur Lüge. Ist schon peinlich, dass die sich dafür hergeben.
Kvert 28.06.2016
3. Selbstversuch mit Limonade
Da ich gern gezuckerte Getränke trinke, habe ich einen Selbstversuch gemacht und pro Tag einen halben Liter Limo getrunken. Ja, auch Bionade die mit nur 5g Zucker pro 100 ml angegeben ist. Fakt ist das man pro Woche mit 1 cm Bauchumfang zunimmt. Wenn ich die Limo weglasse und auf Süßstoff umsteige, ist dies nicht so. Allerdings ist mir die Aspartam-Plörre zu chemisch. Ich bin jetzt dazu umgestiegen das ich mir eine Zitrone auspresse, diese mit 1L Wasser mixe und dann eine Prise Stevia hinein, fertig ist die Limo die nicht dickmacht und auch schmeckt.
charly2708 28.06.2016
4. Und wieso erst jetzt?
Wieso wird jetzt erst gerügt, wo die Dosen schon lange im Handel sind, die EM bald vorbei ist und die Dosen dann schon bald von alleine wieder aus den Regalen verschwinden?
Theodoro911 28.06.2016
5. Na also, geht doch!
Schön daß Ferrero mit nationalen und internationalen Prozessen auch den Aufmerksamkeitspegel erhöhen will. Mit TTIP könnten sie sicher vor einem Privatgericht eine Entschädigung durch den chilenischen Steuerzahler ergattern. Schliesslich schädigt seine Regierung das Geschäft mit dem Dickfüttern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.