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"Goldener Windbeutel": Alete-Babynahrung erhält Schmähpreis für Werbe-Schummelei

"Goldener Windbeutel 2014": Dickmacher und Wunderwasser Fotos
Foodwatch

Hühnersuppe ohne Hühnerfleisch, gefärbtes Zuckerwasser im Gesund-Look: Foodwatch hat die dreistesten Werbeslogans des Jahres präsentiert. Am ärgsten fühlen sich Verbraucher bei einer Babynahrung getäuscht.

Berlin - Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch vergibt ihren "Goldenen Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge in diesem Jahr an Nestlé. Die Alete Trinkmahlzeit ab dem 10. Monat werde von dem Lebensmittelkonzern wie ein gesundes Babyprodukt beworben, obwohl es in Wirklichkeit Überfütterung und Kariesbildung fördere. 45,8 Prozent der mehr als 158.000 Teilnehmer des Online-Votings haben Foodwatch zufolge die Konzernmutter Nestlé dafür zum Sieger des Negativpreises gewählt.

Auf dem zweiten Platz der Abstimmung zum "Goldenen Windbeutel" landete die hühnerfleischfreie "Hühnersuppe" der Unilever-Tochter Knorr, die weitgehend ohne Hühnchen auskommt und gleichzeitig einige Geschmacksverstärker enthält, von denen sie laut Verpackungsaufschrift eigentlich frei sein sollte. Mit 25,2 Prozent empfand rund ein Viertel der Teilnehmer am Onlinevoting die Suppe als am dreistesten beworbenes Produkt.

An die Grenzen des Erlaubten geht nach Meinung der Verbraucherschützer Coca-Cola mit seinem Vitaminwasser Glacéau. Der Limonadenhersteller habe das farbige Getränk mit einigen Aromastoffen und Vitaminen angereichert und mit einem Etikett versehen, das an echte Medizin aus der Apotheke erinnert, begründet Foodwatch diese Aussage. Alle Vitamine, die Glacéau enthält, seien aber in herkömmlicher Nahrung ausreichend verfügbar. Dafür sei das Produkt mit rund 1,80 Euro pro Halbliterflasche teuer. 14,6 Prozent der Stimmen entfielen auf das Getränk.

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Der "Goldene Windbeutel": Das waren die Kandidaten

Auf Platz vier wählten die Verbraucher mit 11,5 Prozent die "Belvita Frühstückskekse" von Mondelez: Das als Frühstücksersatz gepriesene Gebäck enthält bis zu 28 Prozent Zucker. Daran sei im Prinzip nichts auszusetzen, sagen die Foodwatch-Leute, wenn nicht der Anschein einer gesunden Ernährung erweckt würde. Die Firma selbst teilte mit, man informiere die Verbraucher über Eigenschaften, Nährwerte und Zutaten der Frühstückskekse "vollständig und ausführlich auf der Verpackung und im Internet".

Mit deutlichem Abstand auf dem letzten Platz landete der Apfelsaft der Marke "Unser Norden" von Coop. Nur 2,9 Prozent der Verbraucher empfanden ihn als am dreistesten beworbenen Produkt. Tatsächlich wirft Foodwatch dem Hersteller einen eher harmlosen Etikettenschwindel vor. Es werde versprochen, die verwendeten Äpfel kämen vollständig aus der Region. Tatsächlich karre der Abfüller die Früchte bislang auch aus der Ferne heran. Coop habe aber inzwischen versprochen, in Zukunft die regionale Herkunft sicherzustellen.

Insgesamt standen in diesem Jahr fünf Kandidaten zur Wahl - weil sie eine Foodwatch zufolge gesundheitsfördernde Wirkung vorgaukeln oder indirekt Ingredienzen versprechen, die sie in Wirklichkeit gar nicht enthalten.

Im kommenden Jahr könnte Nestlé zumindest für die umstrittene Trinknahrung von Alete allerdings nicht mehr mit einem Negativpreis bedacht werden: Am Montag, nur einen Tag vor dem Ende der Foodwatch-Abstimmung, gab der Konzern bekannt, die Babynahrungsmarken Alete und Milasan an private Investoren zu verkaufen. Mit dem Werk mit rund 300 Beschäftigten im oberbayerischen Weiding gehen sie zum Jahr 2015 auf die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft BWK und den Privatinvestor Horst Jostock über. Einen Kaufpreis nannten beide Seiten nicht.

vet/fdi

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insgesamt 82 Beiträge
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1. Nestle hat starke Mitbewerber
kilroy-was-here 01.10.2014
Ihr solltet die Firma Iglo nicht vergessen. "Fischfilet", wo man am Teller das Gefühl hat, man hat es mit einem geschredderten und wieder zusammengesetzten Fisch zu tun. Die Firma hat eine wirklich starke Werbeabteilung und ist Bestens im Umgang miz Photoshop oder ähnlichen Programmen.
2. Und immer noch fallen die Dummen auf Werbung rein!!
papayu 01.10.2014
Wieviel billiger und gesuender koennte das ganze ZEUG hergestellt werden. Aus der Emailleschilderwerbung stamme ich. da war im UNION Brikett wirklich Kohle drin, in den Eierkohlen auch usw.Der Matjeshering kaufte man direkt aus der Tonne und den Kaffee konnte man mahlen lassen oder ich musste ran. Diese ueblen Geschmacksverstaerker gibt es jetz in fast allen Lebensmitteln. Warum ist wohl die chemische Industrie so riesig?? Waschpulver roch frueher nach Seife, heute nach Fruehling. Toll, was? Und die Kleinen bleiben auf der Strecke. Was sollte diese Hatz gegen Ritter Sport?? Die Marke sollte einfach abgeschossen werden!!! Weiter so und es gibt nur noch Cadbury!!
3. Meldung aus der Wirtschaftspresse
alterLeser 01.10.2014
Nestlé verkauft die Firma Alete. Höchste Zeit, kurz vorher noch einen Skandal herbeizuschreiben.
4. Oberpfalz?
webwolf67 01.10.2014
Nun ja... Da hat der Spiegel beim googeln wohl nicht aufgepasst: Das Nestlé-Werk Weiding liegt bei Mühldorf in Oberbayern, nicht in der Oberpfalz! (http://www.nestle.de/unternehmen/standorte/weiding)
5.
freiheitverantwortungdenk 01.10.2014
Ich habe den Eindruck, dass der Nestle Konzern seit Jahren negativ auffällt. Ich versuche schon lange, Produkte des Konzerns zu vermeiden.
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