Von Michael Kröger
Köln - Immerhin eine gute Nachricht kam an diesem Dienstag von Ford. In ihrer aktuellen Analyse stufte die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Autoherstellers wieder ein wenig besser ein - statt mit dem Junk-Bond-Status "BB plus" wird Ford nun mit "BBB Minus" bewertet. Damit gilt der US-Konzern immer noch nicht als sicherer Schuldner, aber ein Fortschritt ist zu erkennen.
Für die Europa-Tochter sehen die Aussichten dagegen weniger rosig aus. Denn die massiv einbrechende Nachfrage macht den Kölnern zu schaffen. Insgesamt, so erwarten die Planer, dürften 2012 rund 1,3 Millionen weniger Ford-Fahrzeuge verkauft werden, als im Jahr zuvor. Deshalb soll jetzt die Produktion gedrosselt werden. Zwischen Mai und Oktober sollen die Bänder an einigen Tagen stillstehen.
Die Kosten dafür soll zumindest zum Teil die Bundesagentur für Arbeit übernehmen: "Die Ford-Werke GmbH wird in Kürze einen Antrag zur Kurzarbeit stellen", heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns. Die Fahrzeugfertigung solle im Zeitraum Mai bis Oktober 2012 an einigen Tagen ruhen - vor den Sommer-Werkferien nach jetzigem Planungsstand an bis zu acht Tagen.
"Je nach Entwicklung behalten wir uns vor, auch noch einzelne Tage im September oder Oktober zu nehmen", sagte Unternehmenssprecherin Ragah Kamel. In Köln wird der Fiesta gebaut, 85 Prozent der Produktion ist für den Export bestimmt. Zuvor hatte der "Kölner Stadt-Anzeiger" über die Kurzarbeitspläne berichtet.
Kurzarbeit als Vorspiel
Ford hatte im ersten Quartal in seinen 19 europäischen Kernmärkten insgesamt 7,3 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum - trotz eines leicht gestiegenen Marktanteils. Während der Absatz in Deutschland stabil blieb, brach er vor allem in Südeuropa teils drastisch ein. Anfang März hatte der inzwischen pensionierte Konzernfinanzchef Lewis Booth angekündigt, dass er für 2012 in Europa einen Verlust von bis zu 600 Millionen Dollar erwartet.
Noch gibt sich Kamel optimistisch. die Werke seien zu rund 85 Prozent ausgelastet, arbeiteten also noch rentabel. Die jetzt geplanten Maßnahmen dienten dazu, die Produktion auf lange Sicht sicherzustellen.
Die von der geplanten Kurzarbeit bei Ford
in Köln betroffenen rund 4000 Mitarbeiter in der Fahrzeugproduktion sollen zusätzlich zum staatlichen Kurzarbeitergeld einen Zuschuss von dem Autobauer erhalten, um finanzielle Einbußen möglichst gering zu halten, hieß es vom Unternehmen. Insgesamt beschäftigt der US-Autobauer in Köln mehr als 17.000 Menschen.
Im Ford Focus-Werk Saarlouis sei keine Kurzarbeit geplant, fügte Kamel hinzu. Für die beiden deutschen Ford-Standorte gilt eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis 2017 ausschließt.
Möglicherweise sind acht Tage Kurzarbeit bei Ford auch nur der Anfang: Denn die Verkaufsrückgänge nehmen speziell in Südeuropa derzeit dramatische Formen an. In Spanien wurden allein im März 13,4 Prozent weniger Autos zugelassen als im Vergleichsmonat des Vorjahres, in Frankreich betrug das Minus 21,9 Prozent, in Italien sogar 26 Prozent. "In den nächsten Monaten muss mit weiter sinkenden Verkäufen gerechnet werden, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. "2012 wird das schlechteste Jahr in Europa seit 18 Jahren."
Vier Werke stehen auf der Kippe
Wegen der bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Nordrhein-Westfalen stünden drastische Maßnahmen derzeit nicht auf der Agenda. Er rechne jedoch damit, dass spätestens nach der Wahlentscheidung in Düsseldorf erneut über Werksschließungen diskutiert werde, sagte Dudenhöffer. "In Europa dürften vier Werke akut gefährdet sein."
Davon dürften allerdings am ehesten die Opel-Werke betroffen sein. Die Werke Eisenach und Rüsselsheim laufen nicht mit voller Kraft. Die Beschäftigten nutzen jedoch unterschiedliche Modelle der internen Arbeitszeit-Flexibilisierung, wie ein Opel-Sprecher erklärte. Kurzarbeit sei nicht beantragt worden.
Im Stammwerk Rüsselsheim fallen bei der Produktion von Insignia und Astra derzeit die Freitagsschichten aus, während am Corsa-Standort Eisenach täglich weniger als üblich gearbeitet wird. Hier läuft parallel die Umstellung der Anlagen auf das neue Modell Junior. Gut ausgelastet sei derzeit das Werk Bochum mit dem Kompakt-Van Zafira Tourer. Das Opel-Werk in Bochum steht immer wieder im Mittelpunkt von Spekulationen über eine mögliche Schließung.
Mit hohen Überkapazitäten haben aber auch Fiat
, Renault
und Peugeot
zu kämpfen. Denn ähnlich wie Opel und Ford sind sie weitgehend auf den europäischen Markt fixiert und können Nachfragerückgänge nicht durch zusätzliche Verkäufe in Nord- und Südamerika oder in Asien ausgleichen. Hinzu kommt, dass ihre Produktion zu unflexibel ist, um schnell reagieren zu können. Wer die Arbeit - aus welchen Gründen auch immer - nicht ruhen lassen kann, produziert auf Vorrat und muss die Autos anschließend mit hohen Abschlägen in den Markt drücken.
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