Drohender Verlust Russland-Sanktionen verhageln Ford das Europa-Geschäft

2,5 Milliarden Dollar weniger Gewinn: Der US-Autobauer Ford schockt die Aktionäre mit seiner Prognose für 2014. Ein Grund dafür sind die dramatisch eingebrochenen Verkäufe in Russland.

Ford-Logo auf einer Automesse (Archivbild): Schlechter Start für den neuen Chef
REUTERS

Ford-Logo auf einer Automesse (Archivbild): Schlechter Start für den neuen Chef


Dearborn - Der US-Autobauer Ford hat Aktionäre mit einem deutlich gesenkten Geschäftsausblick schockiert. Nur drei Monate nach seinem Amtsantritt musste der neue Chef Mark Fields beim Investorentag am Montag einräumen, dass sein Unternehmen im laufenden Jahr wohl deutlich weniger verdienen dürfte als bisher erwartet. Auch 2015 dürfte schwierig werden: Wegen der Krise um Russland und die Ukraine verfehlt Ford die angepeilten schwarzen Zahlen im Europa-Geschäft. Die Aktie stürzte regelrecht ab.

Vor Steuern peilt Ford laut seiner gekappten Prognose dieses Jahr sechs Milliarden Dollar Gewinn vor Steuern an. Das sind etwa 1,5 Milliarden weniger als das Unternehmen zuletzt vorhergesagt hatte und 2,5 Milliarden weniger als 2013. Zwar soll der Wert nächstes Jahr auf 8,5 bis 9,5 Milliarden steigen - das Europa-Geschäft werde aber mit minus 250 Millionen Dollar weiterhin einen hohen Verlust einfahren. Dabei sollte das Geschäft 2015 eigentlich wieder profitabel werden.

Vor allem der Markteinbruch in Russland, das wegen des Ukraine-Konflikts vom Westen sanktioniert wird, macht Ford Chart zeigen zu schaffen. Dort brachen die Verkaufszahlen des US-Herstellers in den ersten acht Monaten um 43 Prozent ein - keinen anderen der großen Autobauer traf es so hart. Für das Werk in Köln beantragte Ford bereits Kurzarbeit für 4000 Menschen. Zudem bereitet Südamerika der Firma Probleme. Und auch hohe Kosten für Garantien und Rückrufe dürften die Geschäftszahlen weit stärker belasten als bislang angenommen.

Erst am Freitag hatte Ford 850.000 Wagen wegen Kurzschlussgefahr zurückgerufen. Die Kosten dürften bei etwa 500 Millionen Dollar liegen, sagte die Konzernführung zu Wochenbeginn. Bereits Ende Mai hatte das Unternehmen über eine Million Autos wegen möglicher Probleme mit der Lenkung in die Werkstätten beordert.

Investoren reagierten auf die schlechten Nachrichten sehr empfindlich: Die Ford-Aktie verlor an der New Yorker Börse 7,5 Prozent. Am Dienstag starteten auch die Aktien der deutschen Autohersteller BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und Volkswagen im Minus.

stk/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hemtech 30.09.2014
1. Wann begreifen es auch die Amis...
Sanktionen haben noch nie etwas bewirkt, sie verhärten allenfalls die Fronten. Europa täte gut daran, sich von den Hegemoniebestrebungen der USA zu befreien und eine eigene Politik zu betreiben. Denn den USA sind Menschenrechte völlig schnuppe, das haben sie oft genug bewiesen. Es geht allein darum, den Russen Schaden zuzufügen und sie zu schwächen. Es sind wirtschaftliche Gründe, die zu dieser Gangart geführt haben, nicht etwa politische.
banjo1071 30.09.2014
2.
Das Vorschieben der Sanktionen ist echt peinlich. Jeder Erstklässler kann sich ausrechnen, wieviel Gewinn Ford in Russland machne müsste, wenn das stimmen würde. Und wieviel Gewinn sie dann im Rest der Welt machen würden...
n.nixdorff 30.09.2014
3. Es ist völlig abwegig,
den Wegfall des Russland-Geschäfts für rote Zahlen verantwortlich zu machen. Zwar ist Ford eher im unteren Preissegment angesiedelt. Aber wo, bitte, ist denn die breite russische Mittelschicht, die bisher für so große Umsätze gesorgt hat, dass deren Wegfall jetzt Ford in die Knie zwingt? Ich wage zu behaupten, dass Russland und Ukraine als Markt für Ford noch nicht einmal die Bedeutung der Schweiz bzw. Slowakei hat. Da stecken andere Gründe dahinter. Vermutlich muss oder will Mark Fields zu optimistische Prognosen seines Vorgängers berichtigen und da kommt ihm Russland gerade recht.
fleischwurstfachvorleger 30.09.2014
4. Sanktionen gegen Russland sind alternativlos
und können auch nicht zurück genommen werden, wegen der Lage in der Ukraine - sagt Frau Merkel! Was sie damit konkret meint, sagt Frau Merkel nicht.
neuundaltgierig 30.09.2014
5.
Ich zweifle die Sanktionen als Ursache auch an. Trotzdem sind diese Sanktionen unnütz. Gegen Kuba laufen sie gefühlt 50 Jahre - was hat es gebracht? Die Politik soll Konflikte lösen, nicht sie schüren. Dieses Gut-gegen-Böse-Gelaber ist unerträglich, weil man damit Lösungen verhindert. Rational prüfen: was will der Westen und wie erreicht er das? Da spricht aber wirklich alles gegen die Sanktionen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.